Auf dem Weg zum Musterbetrieb

Spatenstich für eine Biogasanlage und Hebauf für den hochmodernen neuen Kuhstall – die Entwicklung des Klosterdorfes St. Ottilien zum energie-autarken, umweltfreundlichen Musterbetrieb schreitet mit großen Schritten voran. Die Biogasanlage soll zum Teil mit der Gülle der 180 Milchkühe betrieben werden, die im neuen Stall vorbildlich artgerechte Lebensbedingungen vorfinden.

Pater Tassilo Lengger, diplomierter Landwirt und Leiter der klösterlichen Ökonomie, gab den Anstoß für die umfassende Modernisierung der Viehhaltung – wie er sagt „ein Kraftakt für die Erzabtei“, dem eine lange Beratungs- und Planungsphase vorausging. Die Klosterleitung ließ sich nicht zuletzt deshalb auf das Unternehmen ein, weil achtsamer Umgang mit der Schöpfung den Idealen der Benediktiner entspricht. „Ich möchte, dass wir unsere Tiere mit gutem Gewissen herzeigen können“, sagt Pater Tassilo. Er legt Wert auf eine „gläserne Produktion“, möchte, dass sich jeder Besucher mit eigenen Augen ein Bild machen kann. „Dann kaufen die Leute auch mit gutem Gefühl unsere landwirtschaftlichen Produkte.“ Der neue Stall erhält einen Lichtfirst, durch den das Tageslicht ungehindert einfallen kann. Statt gemauerter Wände begrenzen flexible Kunststoffbahnen das Gebäude. Sie lassen sich je nach Außentemperatur und Windrichtung so einstellen, dass ein möglichst angenehmes Stallklima entsteht und viel Frischluft einströmt. „Interessanterweise fühlen sich Rinder bei Temperaturen um zehn Grad Celsius am wohlsten“, berichtet der Ottilianer Pressesprecher Martin Wind. Große Hitze macht den Tieren wesentlich mehr zu schaffen als extreme Kälte. Im Winter beheizen die Kühe den Stall mit ihrer eigenen Körperwärme. Eine Attraktion für sich wird der Melkvorgang. Nicht umsonst statten die Mönche ihren Stall mit einer Besuchertribüne aus. Auf einem hochmodernen Melkkarussell können 26 Kühe gleichzeitig gemolken werden – das macht bis zu 100 in einer Stunde. Man habe auch über Melkroboter nachgedacht, berichtet Pater Tassilo, die Idee aber verworfen. „Der Kontakt und die persönliche Beziehung zu den Tieren ist uns wichtig.“ Die Kühe laufen zukünftig nicht mehr über einen Spaltenboden, sondern auf Gummimatten, was für ihre Klauen wesentlich angenehmer und auch gesünder ist. Gereinigt wird der Boden sechsmal täglich mit Hilfe eines automatischen Schiebers. Die Gülle wird durch unterirdische Rohrleitungen in die Biogasanlage geleitet. „Die Kuh“, schwärmt Pressesprecher Wind, „ist einfach ein einziger Energielieferant.“ Die neue Biogasanlage komplettiert das ehrgeizige Energiekonzept der Erzabtei. Im Sommer deckt sie den Wärme- und Warmwasserbedarf des Klosterdorfes allein, im Winter treten die beiden vorhandenen Hackschnitzelkessel mit in Aktion. Sinken die Temperaturen unter minus fünf Grad, muss vorläufig noch mit Heizöl zugeheizt werden. Da man jedoch auch an der Isolierung der Gebäude arbeitet, soll Öl am Ende ganz wegfallen. Schon jetzt können 200.000 Liter im Jahr eingespart werden. Den Strombedarf St. Ottiliens deckt die Biogasanlage zu 150 Prozent. 1,4 Millionen Kilowattstunden jährlich verbrauchen die Kongregation mit über 100 Benediktinern, das Rhabanus-Maurus-Gymnasium mit 770 Schülern, ein Gästehaus für 120 Personen, Werkstätten, eine Gastwirtschaft, Druckerei, Verlag und Landwirtschaft. 60.000 Euro an Energieausgaben kann die Erzabtei dank der Biogasanlage einsparen.

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