Ein Schildbürgerstreich

Neue MVV-Buslinie ohne Stopp in Geltendorf?

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Bisher ist für die neue MVV-Buslinie in Geltendorf kein Stopp vorgesehen.

Geltendorf – Im Dezember erweitert der MVV sein Bus-Angebot in der Region. Neu eingeführt wird die Linie 821 als Querverbindung zwischen den S-Bahn-Haltestellen Mammendorf und Geltendorf. So weit, so gut. Doch Robert Sedlmayr, Nahverkehrs-Referent des Kreistags und Zweiter Bürgermeister in Geltendorf, hat eine entscheidende Schwachstelle ausgemacht. Der neue Bus droht an den innerörtlichen Haltestellen Geltendorfs vorbeizufahren. Für Sedlmayr „ein Schildbürgerstreich ersten Grades“.

In Geltendorf wird die Buslinie 821 von der Moorenweiser Straße her über die Bahnhofstraße zum Bahnhof fahren. Entlang dieser Strecke liegen vier innerörtliche Haltestellen, die von den Buslinien 60 und 61 der Landsberger Verkehrsgemeinschaft (LVG) bedient werden, abgestimmt auf die Abfahrtszeiten der Regionalzüge nach München. Die neue MVV-Linie wird vorwiegend auf die Abfahrtszeiten der S-Bahn abgestimmt sein und – im Gegensatz zur LVG – auch am Samstag fahren.

„Mit Entsetzen muss ich feststellen, dass nach Abstimmungsgesprächen zwischen den Nahverkehrsexperten der Landkreise Fürstenfeldbruck und Landsberg zum gegenwärtigen Stand die MVV-Linie 821 an den vier Geltendorfer Haltestellen nicht halten soll“, kritisiert Sedlmayr in einem Schreiben an den Landkreis. Der Grund liege offensichtlich in der Befürchtung, dass die Geltendorfer aufgrund der Attraktivität des neuen Angebots die LVG-Linien meiden und den MVV-Bus bevorzugen könnten. In der Folge würden die Einnahmen der LVG sinken und das Defizit der Linien höher ausfallen.

Von Dietmar Winkler, dem Nahverkehrsexperten des Landkreises, hat Sedlmayr sich Zahlen über die Fahrkartenverkäufe in Geltendorf besorgt. Demnach betragen die Einnahmen aus Einzelfahrscheinen und Zeitkarten im Jahr rund 12 000 Euro. Es könne nicht angehen, wegen einer befürchteten Defizit-Erhöhung dieser Größenordnung den Geltendorfer Fahrgästen das attraktive neue Angebot vorzuenthalten, so Sedlmayr. „Ziel aller Maßnahmen soll sein, dass es ein verbessertes Angebot an Alternativen zum Kfz-Verkehr gibt.“

Der Nahverkehrs-Referent hat deshalb beim Landkreis beantragt, sich dafür einzusetzen, dass die innerörtlichen Haltestellen auch von der Linie 821 bedient werden. Sollte sich das Defizit der LVG-Linien dadurch erhöhen, solle der Landkreis diese Kosten tragen. An der Buslinie 821 ist Landsberg finanziell nicht beteiligt. Sie wird über den Haushalt des Landkreises Fürstenfeldbruck finanziert.

Sedlmayr, der aktuell den erkrankten Bürgermeister Wilhelm Lehmann vertritt, hat das Thema auch auf die Tagesordnung des Geltendorfer Gemeinderats am Donnerstag, 28. März, gesetzt.

Ulrike Osman

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