Nach Baupleite:

Ohne Dachfenster geht's im Vorderanger weiter!

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Nachdem Stadt und VR-Bank einen Kompromiss gefunden haben, wird es auf der Baustelle Vorderanger/Brudergasse bald wieder geschäftiges Treiben geben.

Landsberg – Die Gefahr einer jahrelangen Bauruine mitten in der Altstadt scheint gebannt. Pünktlich zu Weihnachten zeichnet sich Hoffnung ab für die Eigentümer und Bewohner von vier Gebäuden im Vorderen Anger und der Brudergasse. Nach der Insolvenz des Bauträgers waren die Wohnungen in halbfertigem Zustand geblieben und drohten zu Bauruinen zu werden.

Bei den Gebäuden handelt es sich teilweise um Neubauten, teilweise um denkmalgeschützten Altbestand. Wie im KREISBOTEN berichtet, sind einige Wohnungen schon bezogen – obwohl noch nicht fertig und teils ohne Heizung –, andere befinden sich noch im Rohbauzustand. Die VR-Bank Landsberg-Ammersee bemühte sich als Finanzier des Projekts um eine Lösung, ohne selbst in die Rechtsnachfolge der insolventen Projektgesellschaft zu rutschen. Das gelang schließlich – „aber es hat sich hingezogen“, so Vorstandsvorsitzender Stefan Jörg auf Nachfrage.

Dann stellte sich auch noch heraus, dass der Bauträger sich nicht in allen Punkten an die Baugenehmigung gehalten hatte. Unter anderem waren im Bestand sieben Dachflächenfenster eingebaut worden, die der Altstadtsatzung widersprachen. An diesen entzündete sich noch vor kurzem eine Diskussion im Bauausschuss des Stadtrats. Die Verwaltung riet davon ab, eine Tektur zu genehmigen, da sonst ein Präzedenzfall für die Altstadt geschaffen werde. „Den bekommen nicht mehr von der Backe“, warnte Ordnungsamtschef Ernst Müller.

Fenster und Kleinigkeiten

Die VR-Bank wiederum erklärte, das Projekt nicht weiterverfolgen zu können, wenn es teilweise ein Schwarzbau sei. In der letzten Stadtratssitzung des Jahres konnte OB Mathias Neuner (CSU) nun einen gangbaren Kompromiss bekanntgeben. Die Dachflächenfenster werden aus dem Tekturantrag gestrichen, der Rest wird genehmigt. Dabei handelt es sich laut Neuner lediglich um „Kleinigkeiten“ bezüglich der Raumaufteilung in dem denkmalgeschützten Gebäude am Vorderanger. Die Dachflächenfenster müssen zurückgebaut werden – ansonsten werde ein Ordnungsgeld verhängt.

Die VR-Bank kann nun einen Generalunternehmer mit der Fertigstellung des Bauprojekts beauftragen. Die betroffenen 18 Familien können damit tief durchatmen – ihnen hätte im schlimmsten Fall der Ruin gedroht.

Zur Pleite der urspünglichen Projektgesellschaft war es nach deren Darstellung aufgrund eines Bodendenkmals an der Brudergasse gekommen. Bevor das Bauprojekt dort fortgesetzt werden konnte, mussten die sterblichen Überreste von rund 900 Menschen aus dem historischen Friedhof entfernt werden. Die Skelette wurden in die Anthropologische Staatssammlung nach München gebracht und danach größtenteils in Landsberg bestattet. Die zusätzlichen Kosten von rund 800.000 Euro sowie die Verzögerungen im Baufortschritt konnte die Firma nicht auffangen. Sie musste Insolvenz anmelden.
Ulrike Osman

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