CSU gibt ein Signal für den Aufbruch

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„Es besteht immerhin die Möglichkeit, dass wir auch die Hälfte des nächsten Stadtrates stellen“, meint CSU-Ortsvorsitzender und OB Mathias Neuner.

Landsberg – Als die Kür nach knapp drei Stunden gelungen war, gab der Ortsvorsitzende den Kandidaten die grundlegende Marschrichtung für die Stadtratswahl am 16. März gleich mit auf den Weg: „Es werden keine Einzelpersonen gewählt, wir müssen sehen, dass die CSU breit in den Stadtrat einziehen kann“, so Mathias Neuner.

Für den bevorstehenden Wahlkampf bedeute das, dass man die Bürger überzeugen müsse, „nicht nur Ihnen drei Stimmen zu geben, sondern die CSU als Ganzes zu wählen.“ Gelingen soll das mit einer fast komplett erneuerten Besetzung und dem stellvertretenden Ortsvorsitzenden Berthold Lesch an der Spitze. Lediglich vier der bisherigen zwölf Stadträte treten noch einmal zur Wahl an – Barbara Juchem, Petra Kohler-Ettner, Harry Reitmeir und Bernhard Ott –, bereits auf den vorderen Listenplätzen gibt es einen großen Umbruch.

Hinter Lesch und Juchem findet sich schon auf Platz 3 Tobias Wohlfahrt; nicht nur Neuling, sondern kein Parteimitglied. „Ich habe mich entschieden, zunächst zu sehen, ob mir die Bürger Verantwortung auch ohne Mitglied­schaft übertragen wollen“, so der Unternehmer und Vorsitzende des Ruethenfestvereins bei seiner Vorstellung.

„Verantwortung übernehmen“ war auch die Motivation von Christian Hettmer; der 32-jährige Finanzfachwirt hat es im ersten Anlauf gleich auf Platz 5 der CSU-Liste geschafft. Auch Michael Siller (Platz 12) gab an, „eher nicht so der Oppositionstyp zu sein“ und Tobias Schmid (10), momentan Ortssprecher für Ellighofen, erklärte, warum er jetzt in der CSU seine politische Heimat gefunden habe: „Da bildet man sich im Vorfeld eine Meinung und spricht dann mit einer Stimme, das ist genau das, was ich mir vorstelle.“ Beide Neumitglieder durften aber nicht mitwählen, da die Versammlung das nicht genehmigte – eine Gegenstimme reichte dazu.

In Blöcken gewählt

Das anspruchsvolle Wahlverfahren, auf das man sich geeinigt hatte, sorgte auch im Anschluss für interessante Ergebnisse: Über Lesch wurde zunächst einzeln abgestimmt (40 von 49 Stimmen), über die restlichen Kandidaten in „Blöcken“. Dabei wurde deutlich, dass der Wahlvorschlag keine ungeteilte Zustimmung fand. Obwohl Neuner dafür warb, dem Vorschlag „bitte auch zu folgen“, den der Ortsvorstand „einstimmig beschlossen“ habe, erhielt der Block mit den Rennomier-Plätzen 2 bis 7 auch zwölf Gegenstimmen.

In den hinteren Blöcken indes konnten die Kandidaten einzeln gewählt werden und erzielten dabei sehr unterschiedliche Ergebnisse. Während Petra Freischle (43 Stimmen), Robert Wolf (42) und Alexander Winkler (41) auf mehr Stimmen als alle anderen kamen, wollte Christopher Claar (18) sogar seine Kandidatur zurückziehen. Erst nach einem kurzen Gespräch mit Neuner nahm er die Wahl dann doch „schweren Herzens“ an.

"Vieles war gut"

Die Parteispitze war mit der Aufstellungsversammlung dann nach eigenem Bekunden zufrieden. „Eine Liste, die nicht automatisch die Stadträte auf vor­- dere Plätze setzt, ist ein klares Signal für den Aufbruch“, so Berthold Lesch nach seiner Wahl – auch zahlreiche Kandidaten sprachen von einem „Um­bruch“ oder dem „nötigen Neuanfang“. Einen konkreten Blick zurück warf Haushaltsreferent Harald Reitmeir. „Ich bin seit 2002 im Stadtrat. Wäre ich ein negativer Mensch, würde ich sagen, ,es war nicht alles schlecht’, aber ich formuliere lieber ,vieles war gut’.“ Es gebe immerhin „eine ewig lange Liste, was wir alles auf den Weg gebracht haben.“

Petra Kohler-Ettner betonte, dass sie sich die Entscheidung, noch einmal anzutreten, nicht leicht gemacht hatte. „Die Zahl der Stimmen, die die momentanen Stadträte nicht mehr im Gremium sehen wollen, waren nicht gering“, wusste die Finanzbuchhalterin. „Aber diese Mischung auf der Liste sehe ich als große Chance. Der Oberbürgermeister und die Fraktion sind jetzt ein gutes Team.“

Die personelle Neuausrichtung und die Besetzung der Kandidatenliste sah Mathias Neuner als positives Alleinstellungsmerkmal seiner Partei. „Diese bunte Mischung aus Männern und Frauen, Finanzen und Kultur, Kandidaten aus allen Generationen haben nur wir, dieses Spektrum bietet keine andere Partei“, so der Oberbürgermeister. Am liebsten würde er mit der Landsberger CSU ein ähnlich starkes Ergebnis erzielen wie zuletzt bei der Landtagswahl; das sei zwar nicht unbedingt zu erwarten, aber: „Die Hoffnung stirbt ja zuletzt; es besteht immerhin die Möglichkeit, dass wir auch die Hälfte des nächsten Stadtrates stellen.“ Klar sei aber auch, dass es angesichts der Rahmenbedingungen „eine schwierige Zeit bleiben wird.“

Die Stadtratsliste der CSU Landsberg:

1. Berthold Lesch, Barbara Juchem, Tobias Wohlfahrt, Petra Kohler-Ettner, Christian Hettmer, Harry Reitmeir, Petra Ruffing, Michael Maas, Mathias Steinberg, Tobias Schmid;

11. Bernhard Ott, Michael Siller, Hubert Schlee, Christina Toth, Anita Ott, Helga Friedrich, Dorle Müller, Bernd Raeder, Christopher Claar, Petra Freischle;

21. Robert Wolf, Marianne Weileder, Patrick Freutsmiedl, Rüdiger Riedrich, Johann-Peter Berkel, Alexander Winkler, Andreas Maslo, Max Kuisel, Manuela Maas, 30. Walter Harb.

Ersatzkandidaten: Andreas Zink, Tina Friedrich.

Christoph Kruse

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