Polizei ermittelt nach revierübergreifender Drückjagd im Westerholz

"Versehentlich" einen Bock geschossen

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Einer der Rehköpfe aus dem Westerholz stammt von einem Bock. Er hätte bei der vom Forstbetrieb Landsberg initiierten Drückjagd nicht geschossen werden dürfen. Schonzeit.

Landkreis – Wenn 32 Grünröcke sich in einer revierübergreifenden Drückjagd aufmachen, um möglichst viel Rehwild niederzustrecken, dann kann schon mal ein Schuss danebengehen – sprichwörtlich. So geschehen am 13. Januar im Westerholz zwischen Kaufering und Scheuring, wo die Bayerischen Staatsforsten Landsberg zum revierübergreifenden Halali geblasen hatten. Mindestens ein Bock säumte die Strecke des Tages, und das ist ein Verstoß gegen das Jagdrecht. Der Bock hat seit Mitte Oktober Schonzeit. Die Polizei ermittelt.

Nur einem Zufall ist es zu verdanken, dass sich die Polizei überhaupt mit dem Vorgang beschäftigt – zunächst vor einem spektakulären Hintergrund. Ein Spaziergänger entdeckte zwei Tage nach der großen Drückjagd vier Rehköpfe in dem großen Waldgebiet. Ein „hinzugerufener Jäger“ attestierte den Polizeibeamten, dass die Tiere wohl in den vorangegangenen zwei Tagen erlegt worden waren. Die Landsberger Ordnungshüter gingen zunächst von „Jagdwilderei“ aus und baten die Bevöl­ke­rung um Hinweise. Drei Tage später dann die Entwarnung: Der „zuständige Jagdpächter“ habe sich gemeldet; die Köpfe könne man einer Drückjagd zuordnen. 

Nach der Berichterstattung des KREISBOTEN meldet sich ein aufmerksamer Leser. Er ist selbst seit Jahrzehnten Jäger, will aber namentlich nicht genannt werden. Repressalien nicht ausgeschlossen. Waidmann R. erhebt Vorwürfe gegen die Jagdmethoden in staatlichen und kommunalen Revieren: Gerade kurz vor Ende der Jagdzeit (15. Januar) würde mit allem Nachdruck Rehwild geschossen – meist in Drückjagden. Und weil es da vergleichsweise schnell gehen müsse, bleibe nicht selten auch ein Bock auf der Strecke. 

Probates Mittel, um das allzu neugierigen Blicken zu entziehen: den Träger (Kopf) an Ort und Stelle abschneiden, großzügig aufbrechen und beides im Wald entsorgen. Danach könne nur der erfahrene Waidmann am Spiegel (weißes Fall am Hintern) erkennen, ob es sich um einen Bock oder eine Geiß handle. „Das machen die Herren von Stadt und Staat immer so“, wettert Jäger R. und bewertet die erste Polizeimeldung im Fall Westerholz als „klares Ablenkungsmanöver“. 

Zumindest in einem Punkt haben sich R.s Vermutungen erwiesen: Nur drei der vier gefunden Rehköpfe stammen von weiblichen Tieren, einer definitiv von einem Rehbock – um einen mehrjährigen. Das bestätigt Polizeisprecher Markus Siebert auf Nachfrage des KREISBOTEN. Und ergänzt mit Verweis auf die Schonzeit: „Die weiteren Ermittlungen zur Frage des Schützen laufen derzeit.“ 

Forstbetriebs- und Jagdleiter Robert Bocksberger, der im Westerholz nicht mit von der Partie war, kann die Aufregung nicht nachvollziehen. Ja, es sei bei der mit 24 Rehen und zwei Wildschweinen „sehr erfolgreichen Jagd“ auch ein Bock geschossen worden, räumt er unumwunden ein. „Das kann passieren und wurde von uns nicht angezeigt.“ Man müsse es auch nicht, denn schon seit fünf Jahren gebe es eine Anordnung der Obersten Jagdbehörde, dass eine Ordnungswidrigkeit wegen „versehentlich geschossener Rehböcke“ nicht nachverfolgt würde. Ein Freibrief für Drückjäger? Die privaten Waidmänner im Landkreis sagen ja, die staatlichen nein. Die Drückjagd sei ein probates Mittel, um einen waldangepassten Wildbestand zu erzielen, betont Bocksberger. Im aktuellen Fall geht er davon aus, dass sich die Ordnungswidrigkeit spätestens nach der Rücksprache der Polizei mit der Unteren Jagdbehörde im Landrats­amt erledigt habe. Das jedoch ist längst geschehen, wie Amtssprecher Wolfgang Müller auf Nachfrage bestätigt. 

Toni Schwaiger

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