Nach dem Ehering ein Ehrenring

„Es fällt mir nicht leicht, mit solch einem schweren Goldring vor ihnen zu stehen.“ – das hat Anton Lichtenstern, nachdem er den Goldenen Ehrenring der Stadt Landsberg von Oberbürgermeister Ingo Lehmann an den Finger gesteckt bekam, betont. Die große Ehre wurde dem ehemaligen Stadtheimatpfleger anlässlich des gemeinsamen Jahresempfangs von Stadt und Landkreis im Rathaus zuteil. Hier hatten die zahlreichen Gäste zudem die Gelegenheit, den neuen Sitzungssaal des Stadtrates im neuen Anbau in Augenschein zu nehmen.

Sichtlich verlegen wirkte der einstige Stadtheimatpfleger mit seinem neuen Ring am Finger. Immerhin habe er nach eigenem Bekunden schon lange keinen Ring mehr getragen, da er seinen Ehering vor einigen Jahren verloren hatte. Mit dem neuen Ring am Finger verbindet Lichtenstern vor allem eines, nämlich die Verbindung zu seiner Heimatstadt Landsberg, die ein Erbstück seiner Vorfahren sei, und seitdem einen wichtigen und selbstverständlichen Teil seines Lebens darstellt. Für die Stadt tätig zu sein, war ihm daher immer Ehre genug. In seiner Funktion als Stadtheimatpfleger lag ihm aber nicht nur der Erhalt historischer Hinterlassenschaften am Herzen, sondern auch die Weiterentwicklung hin zur modernen Architektur. Letztlich aber immer mit dem Ziel, „die Altstadt als lebendige Mitte der Stadt zu erhalten“. Genau diese Auseinandersetzung mit Bewahren und Verändern, mit Anpassen an moderne Gegebenheiten im Widerstreit mit einem Nachlaufen eines modernistischen Zeitgeistes, war es auch, die Lichtenstern zweieinhalb Jahrzehnte in der Öffentlichkeit geprägt hat, betonte OB Lehmann in seiner Laudatio. Dabei gehe es um mehr als um Dachgauben oder Pflasterbelag. „Zeitgemäße Heimatpflege hat nichts mit kommerzieller Folklore oder Nostalgie zu tun, sondern bietet den Rahmen für die Standortbestimmung des Einzelnen und seine Verbundenheit mit seiner Heimat“, sagte Lehmann. Das Besondere aber ist, dass die Aufgaben eines Heimatpflegers wie die Erhaltung und Pflege des Stadt- und Ortsbildes der eingemeindeten Dörfer, die Öffentlichkeitsarbeit im Bereich der Denkmalpflege und der Stadtgeschichte sowie die Pflege des Geschichtsbewusstseins durch Publikationen, ehrenamtlich sind. Vor allem aber habe die Arbeit Lichtenstern sehr viel mit Werten zu tun. Kein Wunder also, dass Oberbürgermeister Lehmann und Landrat Walter Eichner den Jahresempfang unter das Motto „Werte in der Gesellschaft, Politik und Wirtschaft stellten“. Als Festredner zu diesem Thema fungierte Erzabt Jeremias Schröder aus St. Ottilien. Aus seiner Sicht würden die Grenzen unserer Gesellschaft die Eckpfeiler der Werte sein. Denn nur innerhalb dieser könne sich der Mensch frei entfalten. Der Staat und die Wirtschaft könnten hingegen keine Werte vermitteln. Dazu sei nur der Mensch mit seinen Sehnsüchten, Erwartungen und Gefühlen fähig. Dies geschehe in der Regel in so genannten Wertegemeinschaften. Der Staat könne diese Rolle nur schwer wahrnehmen. Die wichtigste Wertegemeinschaft sei die Familie, die Urzelle der Gemeinschaft und Kultur. Daher sei sie es, die es zu schützen gilt, betonte der Erzabt. Landrat Eichner forderte die Gäste auf, nicht den Werteverlust und Werteverfall zu beklagen: „Ich glaube Wertsysteme sind nicht out, aber wir müssen alle etwas für den Erhalt tun.“ Musikalisch umrahmt wurde der Jahresempfang vom Renaissance-Ensemble der Stadtkapelle Landsberg.

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