Aufhören, wenn's noch schön ist

Landsberger Sommermusiken vor dem allerletzten Konzert 

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Hochkarätige Musiker und sein Ensmble Berlin um Festivalleiter Christoph Hartmann (sitzend, ganz rechts) haben die "Landsberger Sommermusiken" geprägt; 2017 trat das Ensemble unter anderem zusammen mit ausgewählten Studenten deutscher Musikhochschulen und Nachwuchsmusiker aus Norwegen auf.

Landsberg – Es sind nachvollziehbare Gründe, wenn auch bedauerliche: Die 20. Runde der Landsberger Sommermusiken im Juni dieses Jahres wird die letzte sein. Der Umstand, dass nicht nur die Eltern des Initiatoren Christoph Hartmanns, als auch die Dominikanerinnen als herzliche Gastgeber der musikalischen Gäste im Kloster ein Alter erreicht haben, wo das Arbeitspensum einer solchen Veranstaltungsreihe an die Substanz geht, hat den Verein zu dieser gravierenden Entscheidung bewogen. Nach 20 erfolgreichen Konzertjahren wird ab 2019 Schluss sein.

Ein weiteres Manko – und ebenso entscheidend – stellen die Räumlichkeiten dar. Konnte mit der Aula der Berufsschule als Veranstaltungsort Raum für rund 400 Besucher geschaffen werden, würde dieses Konzept in nächster Zeit nicht mehr aufgehen, denn Umbaumaßnahmen lassen die Aula wohl über mehrere Jahre als Spielort ausfallen. 

Im 20. Jahr des Bestehens der Landsberger Sommermusiken falle so eine Entscheidung natürlich nicht leicht, bestätigt Christoph Hartmann. Man habe über Jahre auf nahezu perfekte Bedingungen zugreifen können. Dass diese Veranstaltungsreihe um das Ensemble Berlin mittlerweile zu den Highlights der Landsberger Kulturszene gehöre und man deshalb auch traditionsverpflichtend handeln möchte, auch dessen sei man sich bewusst. Dennoch kann die Entscheidung, die Reihe nicht fortzusetzen, von allen Vereinsmitgliedern getragen werden. Auch Hartmann ist mit sich im Reinen. „Den Zeitpunkt zu finden, wo ein Aufhören Sinn macht, wenn es eben konstitutionell nicht mehr lange machbar sein wird, macht es zu einer richtigen Entscheidung“, sagt er. 

Was nun die Zukunft des Fördervereins angeht, ist noch unklar. Denn: Ohne Veranstaltungsreihe fehle der Zweck zur Aufrechterhaltung, sagt Christoph Hartmann. Noch besteht der Verein – und darf sich Lob zusprechen lassen. Taten die 250 Mitglieder als finanzkräftige und personelle Unterstützer doch das ihre dazu, den „Sommermusiken“ über die Jahre konstante Eintrittspreise zu ermöglichen und somit den Erfolg mitzugestalten. Auch dass die hochkarätigen Festivalmusiker auf Gagen verzichteten, trug dazu bei. So wird die außerordentliche Jahreshauptversammlung Ende Juni als einzigen Tagesordnungspunkt die Auflösung des Vereins vorsehen. Ob es irgendwann wieder einen Zweck für eine Wiederbelebung geben wird, bleibe dahingestellt, gibt Christoph Hartmann zu. Spekulationen wolle er jedenfalls auf keinen Fall Vorschub leisten, dennoch stehe er für Lösungen offen. 

Für die nun letzte Auflage der Landsberger Sommermusiken kann Hartmann dafür Gutes verkünden: Aufgrund des 20-jährigen Bestehens des Fördervereins wird es in der letzten Juniwoche im Rahmen der „Landsberger Sommermusiken“ zwei hochkarätige Jubiläumskonzerte geben, mit kammermusikalischen Ausflügen in die vergangenen 19 Jahre, gespickt mit eigenen Lieblingsstücken. 

Mit dabei werden, neben Hartmann, auch seine beiden Kollegen Stefan Schweigert und Henrik Schäfer sein; Letzterer war durchgehendes Mitglied des Ensembles Berlin – genauso Hartmanns Studienkollege und Freund Clemens Weigel. Auch er war von Anbeginn an dabei. Gemeinsam werden sie nun zu Ende bringen, was zu Ende gehen darf. 

Regine Pätz

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