"Saublöde Situation"

Feuerwehr nur noch bedingt einsatzfähig

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Nach rund fünf Jahren immerwährender Diskussionen und Änderungen hat der Geltendorfer Gemeinderat die Planung des Feuerwehrhauses jetzt endgültig verworfen.

Geltendorf – Paukenschlag in Sachen Feuerwehrhaus: Der Gemeinderat hat in der letzten Sitzung seiner Amtsperiode die vorliegende Planung mit großer Mehrheit verworfen.

Grund sind die ausufernden Kosten, die die vor wenigen Monaten beschlossene Obergrenze von 2,6 Millionen Euro inzwischen weit übersteigen. Damit ist man zurück auf Feld eins und muss eine komplett neue Planung in Angriff nehmen.

Noch vor wenigen Wochen hatte der Bauausschuss dem Gemeinderat empfohlen, die Planung von 2010 zur Genehmigung einzureichen, obwohl zu diesem Zeitpunkt bereits klar war, dass das Haus für 2,6 Millionen Euro nicht zu realisieren sein würde. Neue Zahlen wurden damals nicht genannt. Inzwischen geht man jedoch von Baukosten in Höhe von gut 3,3 Millionen Euro aus.

Kommandant Hans-Georg Liegsatz: "Sind nur noch bedingt einsatzfähig!“

In einer neuen Empfehlung des Bauausschusses hieß es deshalb, die bestehende Eingabeplanung könne nicht weitergeführt werden. Man will am Deckelungsbeschluss festhalten. Dieser sei gemeinsam mit der Feuerwehr erarbeitet worden, erinnerte Christian Engelstädter (CSU). Er kritisierte die Haltung von Planer Carl Schleburg, der es ablehnt, am vorliegenden Entwurf Abstriche zu machen. Er habe den Eindruck, der Architekt wolle aussteigen, so Engelstädter, „sonst hätte uns nicht vor so eine Alternative gestellt.“

Um Kosten zu senken, gebe es nur zwei Stellschrauben, wie Rathaus-Geschäftsführer Florian Hänle erklärte. „Wir müssen an das Raumkonzept und die Außenanlagen rangehen.“ Nichts einsparen könne man dagegen bei den technischen Anlagen, der Ausstattung, der Erschließung und den Baunebenkosten.

Josef Weiß (CSU) wies darauf hin, dass die alte Planung eine Nutzfläche von 1348 Quadratmetern vorsehe. Einer Soll-Vorschrift zufolge müssten es aber nur 837 Quadratmeter sein. „Es sollte heute eigentlich keiner beleidigt sein“, so Weiß an die Adresse der Feuerwehr. Und auch Robert Sedlmayr (ÖDP) fände es „fatal“, wenn sich die Wehr jetzt aus den Planungen zurückziehen würde. „Macht's bitte weiter“, so sein Appell. Den hörten im Saal gut 50 Zuhörer, die meisten von ihnen Aktive der Feuerwehr.

Christian Scheifele (CSU) kritisierte, dass sich die Gemeinde seinerzeit von den Bürgerprotesten habe einschüchtern lassen, statt das Projekt wie geplant durchzuziehen. „Wir sind an der Misere überwiegend selbst Schuld.“ Wolfgang Albershofer (SPD) konstatierte eine „wirklich saublöde Situation“. Bürgermeister Wilhelm Lehmann (CSU) kündigte an, die neuen Gemeinderäte mit einer eigenen Informationsveranstaltung in das Thema einführen zu wollen. Er neuer Planer könne beispielsweise im Rahmen eines Architektenwettbewerbs gefunden werden.

Den Piepser auf den Tisch gelegt

Immer wieder haben die Geltendorfer Floriansjünger in den vergangenen Jahren darauf hingewiesen, dass die baulichen Gegebenheiten des alten Feuerwehrhauses eine Gefahr für die Sicherheit der Einsatzkräfte darstellen. Externe Sachverständige haben das bestätigt. Nun sind die Aktiven nicht mehr bereit, sich den Risiken weiterhin auszusetzen. Kommandant Hans Georg Liegsalz (Foto) hat die Wehr bei der Integrierten Leitstelle in Fürstenfeldbruck als „nur noch bedingt einsatzfähig“ gemeldet. Die gesetzlich geforderte Hilfsfrist von zehn Minuten könne nicht mehr eingehalten werden, heißt es in einem Schreiben der Wehr an die Gemeinde. Sollte diese nicht bis spätestens 31. Juli eine Gefährdungsbeurteilung über die Lage am alten Feuerwehrhaus erstellen lassen, will die Truppe ihren Einsatzbetrieb ab dem 1. August komplett einstellen.

Werner Goldbrunner, der eine der Führungspositionen in der Wehr innehat, erklärte noch in der Ratssitzung seinen Austritt und legte Bürgermeister Wilhelm Lehmann demonstrativ Alarmierungs-Pieser samt Ernennungsurkunde auf den Tisch. Er sei „maßlos enttäuscht“, dass der Gemeinderat in nahezu einer ganzen Sitzungsperiode keinen Fortschritt in Sachen Neubau erzielt habe, so Goldbrunner. „Das ist beschämend.“

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