Landestheater Schwaben in Landsberg:

Wunder geschehen machen

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Identität ist ein wichtiges Thema für die neue Intendantin des Memminger Theaters Kathrin Mädler. Den Protagonisten in Ibsens „Peer Gynt“ gab es deshalb gleich in dreifacher Ausfertigung.

Landsberg – 19 Jahre war Walter Weyers Intendant des Landestheaters Schwaben in Memmingen. Lange war das Theater auch in Landsberg zu Gast. Doch 2011/2012 war Schluss. „Weyers Theater war lieblos und langweilig geworden“, erzählt der künstlerische Leiter des Stadttheaters Florian Werner. Seit 2017 ist Memmingen in Landsberg wieder mit an Bord. Denn das Landestheater hat eine neue Intendantin: die 40 Jahre junge Dr. Kathrin Mädler.

Auslöser für den Bruch zwischen Weyers und Werner war der Kluftinger-Krimi „Rauhnacht“, der 2010 in Memmingen uraufgeführt wurde. „Ich habe das Stück damals blind gekauft“, erzählt Werner. „War ja toll, dass Weyers sich die Rechte für den Kluftinger-Krimi geholt hatte.“ Damit war er nicht allein: Das Stück wurde aufgrund der Buchvorlage zum Verkaufsschlager, obwohl niemand auch nur einen Akt gesehen hatte. Das war ein Fehler: langatmig, hölzern, blutleer, keine Spannung – nahezu alle Kritiker waren sich einig. „Ein grauenvoller Abend“, fasst auch Werner zusammen. Es blieb nicht der einzige. „Wir hatten sogar einen spürbaren Rückgang beim Abo“, erinnert Werner. Das Publikum habe „zurecht keine Lust mehr auf die Memminger Stücke gehabt“. Und ab Oktober 2011 zog Werner den Schlussstrich.

Kathrin Mädler kommt zwar aus Osnabrück, hat aber in München studiert. Sieben Jahre war sie Dramaturgin am Staatstheater Nürnberg, wo sie auch inszenierte. Für „Die Ermittlung“ von Peter Weiß auf dem ehemaligen „Reichsparteitaggelände“ erhielt sie den Nürnberger Theaterpreis. Von dort ging es über Ingolstadt und Münster nach Memmingen. Die erste Spielzeit liegt hinter ihr – das Motto: „Oh Wunder!“ Der Titel passt zu dem emotionalen Zugang, den Mädler zum Theater hat: „Man sollte Wunder nicht erwarten, sondern sie geschehen machen. Und welch besseren Ort gibt es dafür als das Theater.“

In Landsberg waren heuer zwei Stücke aus Memmingen zu sehen: Effie Briest und Peer Gynt. Ersteres ist eine harte Nuss: Von Fontanes Text bleiben nur Bruchstücke, die entmenschlichte Figuren in einem gerasterten Bühnenbild herunterrattern. Schwierig. Aber es lässt einen nicht los. Und regt zum Denken an. Bei Ibsens Peer Gynt ist Mädler selbst im Stadttheater und gibt eine Einführung. Denn sie will die Zuschauer mitnehmen. Die Intendantin verwendet Worte wie Magie und Poesie. Das Theater habe aber auch die Pflicht, „ sich mit den brennenden Themen auseinanderzusetzen“. So eines ist für sie die Frage nach der eigenen Identität. Und deshalb hat ihr „Peer Gynt“ drei verschiedene Peer-Schauspieler, die drei verschiedene Peer-Versionen zeigen. Denn es geht Mädler auch darum zu fragen, „in welcher Gesellschaft wir leben wollen“.

Florian Werner hat für November das Memmingen-Stück „Die deutsche Aise“ eingekauft, ein Stück zum Thema Integration. Für Werner ist es wichtig, neben Kinder- und Literaturtheater auch aktuelle gesellschaftliche Themen bei seiner Auswahl zu berücksichtigen. Er möchte überraschen „wie mit einer neuen Currymischung“: Etwas, das man kennt, aber noch nicht in dieser Variante. Theater solle „etwas auslösen, nicht nur anbieten. Ich möchte die Leute begeistern.“ Aber Theater sei kein Muss. Genauso wenig wie Fußball.

Werner schaut sich die meisten Stücke vorher an, bevor er sie einkauft. Nur wenige holt er „blind“: Wenn er den Regisseur und das Theater kennt. Wie zum Beispiel Stücke des Metropoltheaters. „Besonders freue ich mich aber auf das Maskentheater Familie Flöz, die habe ich noch nie live gesehen.“ Und deshalb ein Tipp: Wem das nonverbale Maskentheaterstück über Alzheimer „André & Dorine“ (der KREISBOTE berichtete) gefallen hat, dem gefällt ganz sicher auch die Familie Flöz.

Susanne Greiner

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