Verpfuschtes Leben

Unbelehrbar: 24 Vorstrafen und reichlich Knast

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Erst zerstach er einen Autoreifen seines Neffen, dann warf er dem jungen Mann einen Bierkrug an den Kopf – dafür muss ein 55-jähriger Kauferinger jetzt ins Gefängnis.

Landsberg – Ein zerstochener Autoreifen, ein Bierkrug, der am Kopf eines jungen Mannes landet – darum ging es im Verfahren gegen einen 55-jährigen Kauferinger vor dem Amtsgericht. Die Verhandlung erlaubte einen traurigen Blick auf ein verpfuschtes Leben.

Der Angeklagte hatte nach eigener Aussage 20 Halbe Bier und zehn Schnäpse intus, als er an einem Nachmittag im April dieses Jahres nach Hause kam – eine Alkoholmenge, die einen Normalsterblichen „ins Delirium“ versetzt hätte, wie Richter Alexander Kessler anmerkte. Der 55-Jährige aber konnte noch mit dem Zug aus Landsberg nach Kaufering fahren und vom Bahnhof nach Hause laufen. Im Hof stand das Auto seines Neffen. „Ich war schlecht drauf“, so der gelernte Bauspengler und Siebdrucker. Das reichte als Grund, um ein Taschenmesser zu zücken und den linken Hinterreifen zu zerstechen.

Als der 26-jährige Neffe ihn später zur Rede stellte, wollte der Angeklagte nur eines: den jungen Mann aus dem Zimmer entfernen. Er warf zwei leere Bierflaschen nach dem Lageristen, versuchte ihn aus der Tür zu schieben und schlug ihm schließlich einen vollen Bierkrug gegen den Kopf. Der 26-Jährige trug eine blutende Wunde an der rechten Augenbraue, ein blaues Auge und Kopfschmerzen davon.

Spannungen zwischen seinem Onkel und ihm gebe es schon, „seit ich denken kann“, sagte der Geschädigte im Zeugenstand. Und auch der Angeklagte bestätigte, mit seinem Neffen „nicht das beste Verhältnis“ zu haben. Warum das so ist, konnte keiner von beiden sagen. „Ich habe ihm nie irgendwas getan“, so der Neffe. Aber „allein schon der Gedanke, dass ich im Haus bin“ scheine den 55-Jährigen in Rage zu versetzen. Eine normale Kommunikation sei nicht möglich.

Auch zu seiner ebenfalls im Haus lebenden Schwester hat der Angeklagte ein zerrüttetes Verhältnis. „Mit der rede ich überhaupt nicht.“ Richter Kessler sah in der Wohnsituation eine potenzielle Gefahr für weitere Straftaten. „Entweder Sie ziehen aus oder Sie müssen sich mit Ihren Verwandten vertragen“, mahnte er. Notfalls sei der Angeklagte sogar in einer Obdachlosenunterkunft an der Jahnstraße in Landsberg besser aufgehoben.

Vorläufig muss sich der 55-Jährige jedoch um seine Unterkunft keine Gedanken machen, denn er wurde wegen gefährlicher Körperverletzung und Sachbeschädigung zu einem Jahr Gefängnis ohne Bewährung verurteilt. Verteidiger Karl Mayer versuchte zwar, den Schlag mit dem Bierkrug als Notwehr zu interpretieren – der Angeklagte habe offenbar keine andere Möglichkeit gesehen, den „Hausfriedensbruch“ durch den einen Kopf größeren Neffen zu beenden. Kessler konnte dieser Einschätzung schon deshalb nicht folgen, weil der 55-Jährige bereits bei dem Stich in den Reifen als Aggressor aufgetreten war.

Entschuldigt hat er sich dafür bei dem Neffen nie. Erst am Ende der Gerichtsverhandlung erklärte der Kauferinger: „Mir tut das im Endeffekt leid. Ich kenne mich selber nicht, wenn ich angesoffen bin.“ Er wolle nach zwei gescheiterten Versuchen gegen seine Alkoholsucht eine Therapie machen. Wenn man ihn jedoch vorher noch einsperre, sei ihm das „auch egal“.

Der arbeitslose 55-Jährige war bereits so oft im Gefängnis, dass ihn die Aussicht wohl kaum mehr schrecken kann. Kessler zählte 24 Vorstrafen auf – die älteste aus dem Jahr 1977. So konnte er dem Verurteilten nichts Positives mit auf den Weg geben. „Ihre Prognose ist miserabel.“

Ulrike Osman

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