Miteinander ins Gespräch kommen

15 Jahre war Sigrid Knollmüller Vorsitzende des Historischen Vereins Landsberg - ein Porträt

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Sigrid Knollmüller an ihrem letzten Abend als Vorsitzende des Historischen Vereins Landsberg.

Landsberg – Bei der nächsten Studienfahrt des Historischen Vereins kann sich Sigrid Knollmüller entspannt zurücklehnen. Kein Bangen mehr, ob die Veranstaltung so wie geplant über die Bühne geht. Denn nach 15 Jahren hat sie ihr Amt als Erste Vorsitzende abgelegt. Aus gesundheitlichen Gründen, sagt sie an ihrem letzten Abend als Vorsitzende. Weil sie in der nächsten Amtsperiode 80 geworden wäre. Und weil sie sich auf eine Zeit ohne Verantwortung freut. Denn obwohl sie immer souverän wirkt, gesteht sie: „Ich war bei allen Veranstaltungen aufgeregt. Immer!“

„Ich bin sehr zufrieden mit dem gestrigen Abend“, sagt Knollmüller am Tag nach der Amtsübergabe an Prof. Dr. Stefan Winghart (der KREISBOTE berichtete). Trotz coronabe­dingtem Abstand ist die Wertschätzung und wohl auch Freundschaft der Vereinsmitglieder ihrer Vorsitzenden gegenüber zu spüren. Man merkt, dass Knollmüller den Verein geprägt hat: „Mir ist es wichtig, dass die Menschen miteinander ins Gespräch kommen“, sagt sie. Bei den Ausfahrten komme man nicht so mit den anderen in Kontakt. Und deshalb trifft man sich nach Vorträgen mit den Referenten, ein Brauch, aus dem sich die Weihnachtsfeier etabliert hat. „Ich bin ein Fan von solchen Veranstaltungen“, lacht Knollmüller. Zum Beispiel von der Geburtstagsfeier Anton Lichtensterns im Januar letzten Jahres: „Da waren wir noch bis um halb elf im Rathaus. Und Lichtenstern war der Letzte.“

Die historische Forschung, für die Lichtenstern oder Karl Münzer mit Ehrennadel und Aventinus-Medaille ausgezeichnet wurden, sei nicht so das Ihre. „Seit meinem Geschichtsstudium mache ich einen großen Bogen um Archive“, lacht Knollmüller. Sie erinnere sich noch genau, wie Münzer mit ihr in die Bibliothek von Mariä Himmelfahrt gegangen sei, in eine dunkle Ecke gezeigt und gesagt habe: „Das ist jetzt dein Arbeitsplatz!“

Für Sigrid Knollmüller stand vielmehr die Organisation im Mittelpunkt, die Pflege des Vereinslebens. Sie habe 2006 Lichten­sterns Anfrage, ob sie nicht das Amt der Vorsitzenden von Münzer erben wolle, nur unter der Prämisse akzeptiert, nicht forschen zu müssen.

Die Studienfahrten sind Knollmüller ans Herz gewachsen: „Wir besichtigen eher unbekannte Gegenden Deutschlands“, erzählt sie. Erzgebirge, Wetterau. Ihr allererster Ausflug mit dem Verein trug den Titel „Oberpfalz – unbekanntes Bayern“. Sie findet, dass man die Geschichte seines Landes kennen sollte. „Das ist vielleicht so was wie meine ‚missionarische Ader‘“, lacht sie.

Knollmüller, geboren im tschechischen Moravsky Beroun in den Sudeten (deutsch Bärn), kam mit ihrer Familie 1946 nach Landsberg. Ihr Abitur machte sie in der Oberrealschule, dem ehemaligen Jesuitenkolleg und heutigen Stadtmuseum. Mit ein Grund, warum sie die Geschichte des Hauses in und auswendig kennt. Und vielleicht damals schon den Kick fürs Historische bekam.

Für ihr Geschichts- und Germanistikstudium auf Lehramt zog sie 1962 nach München und begann 1971 am damals noch im Aufbau befindlichen Werner-Heisenberg-Gymnasium in Garching ihre Lehrerlaufbahn. „Als ich 1989 dort weggegangen bin, waren es 1.600 Schüler“, erinnert sie sich. Sie sei mit allen gut zurechtgekommen. „Aber ab und zu stand man schon mit geballten Fäusten da.“ Nach einer Familienpause – ihr Sohn ist inzwischen 42 Jahre alt – wechselte Knollmüller 1993 nach Türkheim. „Dort waren es nur 600 Schüler, da konnte ich die Fäuste öffnen.“ Weshalb sie dort auch bis zu ihrer Pensionierung 2005 blieb. „Ich war sehr gerne Lehrerin“, sagt sie. Und sie hat immer noch gute Kontakte, auch zu ehemaligen Schülern. Mit einigen Kolleginnen trifft sie sich regelmäßig, sogar mit Schülerinnen.

Ihr Lebensmittelpunkt wechselte 1988 wieder nach Landsberg, als ihr Mann „Chef des IKGs“ wurde. Schon in den 90ern setzte sich Knollmüller als CSU-Stadträtin auch politisch für Landsberg ein – 18 Jahre lang. Von Anfang an als Kulturreferentin, von 2008 an als dritte Bürgermeisterin.

Vorsitzende ist sie weiterhin – vom Förderverein Bayertor. Dort stehe jetzt die Innengestaltung des Landsberger Wahrzeichens an. Und auch sonst hat sie zu tun. Die Arbeiten ihres Vaters wolle sie ordnen. „Er war Künstler, hat in Prag studiert.“ Die Sudetendeutsche Galerie München wolle den Nachlass übernehmen. Und auch ihre geliebten Literaturfahrten, die sie im Rahmen der vhs anbietet, will sie noch ein- oder zweimal durchführen. Heuer hätte sie und andere Literaturfreunde die Reise an den Bodensee geführt – eigentlich. Sollte sie Zeit haben, wird sich Knollmüller auch ganz direkt der Literatur widmen. Novalis oder auch Nietzsche lesen, Ortheil, viel Kunstgeschichtliches. „Denn Enkelkinder habe ich noch keine“, sagt sie mit leisem Bedauern. „Aber das kommt noch. Hoffentlich.“
Susanne Greiner

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