»Es war wunderbar für uns, danke«

Der letzte Ton der letzten Sommermusiken

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Die zehn Musiker des Schubert-Dezetts, das bei den 20. Sommermusiken am Sonntag den Abend ausklingen ließ. Mit dabei Oboist Christoph Hartmann (2. von rechts).

Landsberg – Eine ganz besondere Stimmung schwingt am Sonntag in der Aula der Beruflichen Schulen Landsberg: Wehmut. Es ist der letzte Konzertabend. Ein letztes Mal machen die Berliner Philharmoniker mit Gästen bei den Dominikanerinnen Station. Ein letztes Mal platzt die Schulaula aus allen Nähten. Ein letztes Mal sind Fächer wegen der Hitze das Accessoire der Wahl. Und ein letztes Mal spenden die Zuhörer den Musikern ihren Dank mit Jubelrufen und Standing Ovations. Die 20. Sommermusiken sind die letzten. Und jetzt sind sie vorbei.

„Ich bin ja froh darüber, dass die Leute traurig sind, dass wir aufhören.“ Mitorganisator und Landsberger Initiator der Sommermusiken Christoph Hartmann schmunzelt: „Wenn sich unsere Zuhörer über das Ende freuen würden, wär das ja schlimm.“ Aber 20 Jahre sind genug, sagt Hartmann. Denn neben der anstehenden Sanierung der Aula der Beruflichen Schulen hat auch der Aspekt „Alter“ etwas Gewicht: Hartmanns Eltern Elke und Gerhard haben all die Jahre die Organisation in Landsberg übernommen. „Und das war ein ganz schöner Stress“, betont Elke, wohlgemerkt lachend. Denn ohne Enthusiasmus ist so ein Engagement über 20 Jahre hinweg kaum durchführbar. Unterstützt haben sie Fördervereinsmitglieder. Und natürlich die Dominikanerinnen.

Von Anfang an mit dabei: Elke und Gerhard Hartmann.

„Man muss die Größe haben, im richtigen Moment aufzuhören“, ist Oberbürgermeister Mathias Neuner überzeugt. „Dann, wenn‘s am schönsten ist“ – Nunja, schön war es eigentlich immer. Und sicherlich hätten die musikalischen Gäste auch im kommenden Jahr den Saal spielend gefüllt. Jahr für Jahr ist es gelungen, eine abwechslungsreiche Mischung zu präsentieren – gerne auch mal etwas wirklich Modernes, was sonst nicht unbedingt zu hören ist. Und zur Erkenntnis führt, wie gut einem moderne Musik doch gefallen kann.

Zum bitteren Ende gab‘s ein „Best-Off“: Stücke, die sich Musiker, Gäste, Mitglieder des Fördervereins gewünscht hatten – Nummer-1-Hits der vergangenen 19 Jahre. Zum Beispiel das erste Stück der ersten Sommermusiken, ein Divertimento von Bernhard Crusell. Oder auch das erste Stück, das Oboist Wolfgang Renz für die Truppe der Sommermusiker arrangiert hat: Schuberts „Wandererfantasie“: Eigentlich ein Klaviersolo, war es am Sonntag als Dezett, als Stück für zehn Musiker zu hören.

Am letzten Konzerttag ist die Wehmut fast mit Händen zu greifen. Das Programm passt: melancholische Romantik. Mit Tuille, Brahms und Mahler sind drei Komponisten des ausgehenden 19. Jahrhunderts vertreten. Der Österreicher Ludwig Tuille macht den Anfang – mit einem seiner Werke, das die Zeit überlebt hat: sein Sextett in B-Dur. Das andere Werk, das in Musikerkreisen genannt wird, ist Tuilles Harmonielehre. Ein Hornsolo leitet das Stück ein, leitet zu einem liedhaften Thema – ein Zitat Brahms, Tuilles „Nummer 1“. Und ganz Folgerichtig: Danach kommt Brahms Streichsextett in G-Dur zur Aufführung. Ein schmelzender Anfang, durchsichtig, dezent. Ein Thema, das lange durch jedes einzelne Instrument geführt wird, ganz piano. Traumhaft schön.

Nach der Pause darf Mahler erklingen. Ein Quartettsatz, den der Komponist schon mit 16 Jahren schrieb. Gewohnt oppulent und schmachtend. Und in a-moll sicher das Wehklagendste am ganzen Abend. Zum Abschluss dann Schuberts „Wandererfantasie“ als Dezett – fast schon ein Orchester. Der volle Klang und Schuberts Leichtigkeit wischen Mahlers Schwermut fort. Cellist Clemens Weigel, auch von Anfang an bei den Sommermusiken mit dabei, bedankt sich bei Renz‘ unermüdlichen Engagement: „Er hat wohl Millionen Noten für uns gesetzt!“

Nach drei Stunden erklingt der letzte Ton. Beim letzten Applaus stehen die Gäste, einige winken mit weißen Taschentüchern. Weigel bedankt sich bei Hartmann: „Danke Christoph. Und vergelt‘s Gott.“ Und Christoph selbst spricht aus, was wohl alle, Musiker und Besucher, denken: „Es war wunderbar für uns. Vielen Dank.“

Susanne Greiner

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