"Komm, wir gehen ins Zirnheld"

Café Zirnheld in der Alten Bergstraße wird wieder eröffnet

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Bald werden hier Tische und Stühle stehen: das Café Zirnheld in der Alten Bergstraße öffnet demnächst wieder seine Tore.

Landsberg – Man kann es fast nicht glauben. Aber Mitte bis Ende Juli wird in der Alten Bergstraße wieder eine hell erleuchtete „Café“-Laterne zu sehen sein. Dann, wenn das seit vielen Jahren geschlossene Café Zirnheld tatsächlich wieder eröffnet wird. Mit der historischen Innenausstattung und dem modernisierten Eingangsbereich im klassischen Caféhausstil. Pächter ist Peter Ulrich aus Augsburg, das Café führen wird Andrea Nisch, vielen aus der Teufelsküche bekannt. Es bleibt ein Café, aber mit Mittagstisch sowie Aperitifs und kleinen Speisen am Abend. Und mit gut 20 Sitzplätzen im Freien.

„Das Café kenne ich gut als Gast“, erzählt der in Augsburg geborene Ulrich. „Ich war oft mit meiner Frau hier.“ Vor sechs Jahren habe er das Schild „Zu verpachten“ gelesen – und sich sofort entschlossen, diese Chance wahrzunehmen. „Wir haben dann eine E-Mail bekommen, dass sich der Inhaber Ludwig Hartmann melden wird, wenn die Renovierung abgeschlossen ist.“ Was nicht, wie erwartet, in den nächsten Monaten geschah. Sondern erst nach Jahren.

Denn Hartmann hatte mit dem historischen Gebäude, in dem bereits seit 1906 ein Café ist, zu kämpfen. „Angedacht waren Kosten der Sanierung in Höhe von 80.000 Euro. Geworden sind es gut 380.000“, erzählt Hartmann. 2006 kaufte er das Haus. Damals gab es zwar noch eine Pächterin. Aber der seit der Jahrtausendwende vorherrschende Trend des dauernden Wechselns bei den Pächtern habe sich fortgesetzt: Als 2008 diese Pächterin ebenfalls aufgab, versuchte er, das Café nochmals zu verpachten – ohne Erfolg. Die Kellerräume waren zu feucht, bei Hochwasser wurde das Café zum Meer: Eine grundlegende Sanierung sei unausweichlich gewesen.

Die startete dann 2010. Hartmann strebte eine historisch fundierte Instandsetzung an. Spezielle Firmen und Baustoffe, schnell ging es nicht. Dennoch sollte 2012 eröffnet werden. Wäre da nicht die Unterspülung des Fundaments gewesen. Es sackte ab, Risse bildeten sich, auch in der Fassadenwand. Also mussten die Kellerwände von außen freigegraben und saniert, ebenso die Fassade renoviert werden – und die Eröffnung verschob sich ein weiteres Mal.

Dann kam der Problemplatz: Hartmann strebte eine Außenbestuhlung an. Der Platz vor dem Haus hatte jedoch keinen Gulli – der Grund für das ständige Wasser im Café. Den dort anzubringen, war Aufgabe der Stadt. Aber die legte damals alle Bauvorhaben aus finanziellen Gründen auf Eis. Auch Hartmanns Angebote, den Platz übergangsweise zu teeren und zu überdachen oder eine Holzterrasse bis zur endgültigen Nutzung anzubringen, fanden keine Zustimmung bei der Stadt. Erst 2015 wurde der Platz nach einer Kanalsanierung mit Lechkieseln neu gepflastert und fertiggestellt. 2017 hatte Hartmann dann noch „ein paar Probleme mit einer Nachbarin, die alles daransetzt, dass dort kein Café hinkommt“. Aber auch das sei nun alles in trockenen Tüchern.

Bereits 2015 begann Hartmann mit der Pächtersuche. „Wir haben in Landsberg ja nicht unbedingt einen Cafémangel“, gibt er zu bedenken. Dennoch, er habe mit über zehn Interessenten gesprochen. „Ich hätte auch einen Pizza-Dienst reinsetzen können.“ Aber ihm war der Erhalt der Cafétradition wichtig. Die anfangs gewünschte Pacht senkte er um 500 Euro – und verlangt nun eine Pacht, die letztendlich für ein komplett saniertes Gebäude nicht zu hoch sei. Weitere Anforderung an den zukünftigen Pächter seitens Hartmann war auch, dass der eine langfristige Pacht anstrebe. Zudem solle das historische Interieur des Cafés gewahrt werden. Peter Ulrich scheint alle Anforderungen Hartmanns zu erfüllen.

Als Ulrich im Dezember 2017 eine E-Mail von Hartmann mit der Frage bekam, ob er noch Interesse an dem Café habe, war die Freude groß. „Viele der Interessenten sind wohl wegen der langen Wartephase abgesprungen“, vermutet der 55-Jährige. Das Gerücht der zu hohen Pacht kann auch Ulrich nicht bestätigen. „Es ist eine wirklich ‚freundliche‘ Pacht.“

Hartmann informierte Ulrich auch, dass es jemanden gebe, der Interesse daran habe, das Café zu leiten. „Das kam mir natürlich sehr entgegen.“ Denn Ulrich selbst kommt nicht aus der Gastronomie. Der studierte Journalist betreibt eine Galerie. Die stattet zwar Gastronomiebetriebe aus. Die Gastronomieerfahrung bringt Andrea Nisch mit. Die Malerin leitete von 2006 bis 2014 die Teufelsküche. Danach arbeitete sie in München, wollte aber wieder zurück nach Landsberg. Und hatte sich wegen des Zirnhelds mit Hartmann in Verbindung gesetzt. „Wir ergänzen uns ideal“, resümiert Ulrich. „Ohne jemanden mit Erfahrung in der Gastronomie hätte ich es mir nicht zugetraut.“

Die Neuen vom Zirnheld im historischen Ambiente: Pächter Peter Ulrich und seine Angestellte Andrea Nisch, die das Café leiten wird.

Dass Ulrich auch Wert auf den Erhalt der Cafétradition legt, sieht man gleich beim Eintreten: Da sind die altrosa Sitzbank­nischen am Fenster. Verzierte Tapeten und kleine Leuchter und Spiegel an der Wand künden vom Biedermeier. Und auch die ehemaligen Tischfüße werden wiederverwendet.

Auf der Terrasse gibt es fünf Tische, im vorderen Raum mit dem großen Fenster zum Bergstraßengucken 13 Plätze, im hinteren Bereich finden gut 20 Personen Platz. Die frühere Backstube wird erst einmal ein Büro. „Es gibt da ein bisschen ein Lärmproblem zum Nachbarhaus hin“, sagt Ulrich. Zudem seien Küche und Lager klein, was man bei der Anzahl der Sitzplätze berücksichtigen müsse. Als Konkurrenz zu den anderen Gastronomen der Bergstraße sehen sich Ulrich und Nisch überhaupt nicht. „Mit der Besitzerin vom Châpeau habe ich schon gesprochen“, erzählt Ulrich. Da gebe es keine negativen Gefühle.

Im neuen Zirnheld werden etwa zehn Angestellte arbeiten, unter anderem Koch Daniel Gebhard aus Südtirol. Geöffnet wird an drei Abenden bis 23 Uhr, ansonsten schließt das Café um 20 Uhr. Denn Ulrich und Nisch wollen die frühabendliche Aperitif-Tradition des Südens aufleben lassen – im lauschigen Summen der Alten Bergstraße sicherlich ein Vergnügen.

Susanne Greiner

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