St. Johann in neuem Glanz

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Freude über die gelungene Sanierung von St. Johann: Münsterorganist Stefan Ronkov, Pfarrsekretärin Michaela Horn und Pfarrer Josef Kirchensteiner. Nur Kirchenpfleger Jürgen Zirch schaut skeptisch. Er denkt an die noch ausstehenden Außenarbeiten, die wegen der Frostperiode warten müssen.

Dießen – „St. Johann reloaded!“ So zeitgemäß betitelt war die Einladung der Pfarreiengemeinschaft Dießen zur Erstbegehung der frisch renovierten Filialkirche am Friedhof. Pfarrer Josef Kirchensteiner, Marktgemeinderat und Kirchenpfleger Jürgen Zirch sowie Münsterorganist Stefan Ronkov führten Pressevertreter durch die Kirche an der Weilheimer Straße. Hausherr Kirchensteiner stolz: „Wer das Gotteshaus noch vor März 2016 in Erinnerung hat, wird erstaunt sein, wie die Kirche jetzt in neuem Glanz erstrahlt – in all ihrer frühklassizistischen Schlichtheit.“ Elf Monate dauerte die Generalsanierung, deren Gesamtkosten sich auf rund eine Million Euro belaufen.

Angestoßen wurde die Renovierung von St. Johann bereits im Jahr 2012 vom damaligen Pfarrer Manfred Mayr. Gewölbe und Wände zeigten auffällige Risse unterschiedlicher Stärke. Zusammen mit Peter Keck, Kirchenpfleger des Marienmünsters und erfahren in der Sanierung der Kirche in St. Georgen, begannen die Planungen in Abstimmung mit der bischöflichen Finanzkammer in Augsburg. Bei der genauen Schadensaufnahme wurde schnell klar, dass hier größere Eingriffe in die Bausubstanz erforderlich sind. Außerdem benötigte das Dach zum Teil neue Balken und eine neue Eindeckung. Inzwischen hatte Josef Kirchensteiner Pfarrer Mayr abgelöst und musste die Mammutaufgabe stemmen. Unter der Leitung von Dipl.-Ing. Magdalena Lachmund waren Statiker, Maurer, Schlosser, Zimmerer und Kirchenmaler mit detektivischem Gespür fast ein Jahr lang mit Hochdruck beschäftigt, St. Johann für die nächsten Jahrzehnte fit zu machen.

Um Bausubstanz und Statik durch großflächigen Putzabschlag nicht zu gefährden, wurden Kunststoffschläuche in hohle Stellen und Risse geschoben und ein spezielles Bindemittel injiziert. Nach dem Aushärten konnten sich Stuckateure und Kirchenmaler ans Werk machen. Um herauszufinden, welche Farbgebung original ist, suchten die Kirchenmaler in kleinsten und versteckten Winkeln nach Farbresten. Und prompt entdeckten sie hinter einer Verzierung Farbpartikel, die dank einer Laboranalyse als aus dem 18. Jahrhundert stammend identifiziert wurden. So zeigt sich heute die Raumschale in den historisch belegten Farben altweiß, beige und grau. Die gleiche Farbgebung bot sich auch für die Fassade an, die sich damit an die Farbgebung des Marienmünsters anlehnt.

Um die Bausubstanz rund um die Fenster in Zukunft vor dem Verfall besser zu schützen, wurden sie trocken gelegt und mit Drainagen ausgestattet. Zusätzlich bekamen sie handgeschmiedete Hagelschutzgitter. Was bei der Begehung auffiel, war die positiv veränderte Atmosphäre durch die neue Lichtanlage. Sie ist unaufdringlich und leuchtet die frisch entstaubten Altäre optimal aus.

Sobald die Frostperiode vorbei ist, beginnen die abschließenden Außenarbeiten. Der Sockelputz wird ergänzt und frisch gestrichen, dazu kommen Kanalisationsarbeiten. Rund vier Wochen werden diese Arbeiten in Anspruch nehmen. Danach ist die Renovierung endgültig abgeschlossen.

Die letzte Generalsanierung war übrigens 1962/63. Damals wurden Süd- und Ostwand bis zur Sakristei mit Bohrpfählen unterfangen, das Dach ausgebessert und ein neuer Fußboden verlegt. Auch die Raumschale und das Kirchengestühl wurden saniert bzw. erneuert. Schließlich wurde eine gebrauchte Orgel angeschafft, die heute noch ihren Dienst klangvoll verrichtet. Münsterorganist Stefan Ronkov gab trotz klammer Finger wegen der Eiseskälte eine imposante Kostprobe.

Damit sich die Bevölkerung jetzt schon einen Eindruck über die gelungene Innensanierung machen kann, lädt sie die Pfarreiengemeinschaft Dießen für de kommenden Sonntag, 5. Februar, zu einer Besichtigung und Führung durch Pfarrer Kirchensteiner ein. Beginn ist um 13 Uhr. Ab 14.30 Uhr gibt es dann Kaffee und Kuchen im Traidtcasten beim Marienmünster. 

Dieter Roettig

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