Nach dem Notarzt der KDI

Zu Einsätzen wie etwa beim Amoklauf in Winnenden werden sie gerufen, wenn es in den Nachrichten heißt: Die Betroffenen werden vor Ort von Helfern betreut. Solche „Helfer“ sind die Frauen und Männer vom Kriseninterventionsdienst (KID). Im Landkreis Landsberg sind die zehn aktiven Berater dem Bayerischen Roten Kreuz (BRK) unterstellt, arbeiten eng mit der Notfallseelsorge zusammen und ihr Leiter ist Bruder Kornelius Wagner, Benediktinermönch aus St. Ottilien.

Im vergangenen Jahr waren es 82 Einsätze, bei denen KID angefordert wurde. Wahrscheinlich ist alles immer hart an der Grenze des Erträglichen, aber für Br. Kornelius ist der schlimmste Einsatz, wenn sie zu einem plötzlichen Kindstod gerufen werden. Dann fühlt sich selbst er, der glaubt mit dem Tod und Ausnahmesituationen umgehen zu können, einen Moment lang hilflos. Da nützt dann kaum, dass man beim Kriseninterventionsdienst auf jegliche Reaktion vorbereitet ist. Der Einsatz von KID ist immer im Anschluss an die Arbeit der Erstversorger, nach Notarzt und Ambulanzen, nach Feuerwehr und Polizei, dann, wenn den Verbliebenen, die in der Regel keine medizinische Versorgung benötigen, langsam klar wird, was da gerade passiert ist. „2008“, berichtet Br. Kornelius, „waren die meisten Einsätze nach einem Todesfall durch plötzliches Herzversagen.“ Manche der von den Helfern Betreuten brauchen nur ein bisschen Halt, eine Ansprachemöglichkeit, anderen hilft tatsächlich, wenn der erste Schreibkram zusammen angegangen wird. So ein Einsatz von KID kann zwischen zwei und sechs Stunden dauern, bis man Menschen, die sich in extremen Stresssituationen befinden, so weit hat, dass „ich mir jetzt helfen lasse“. Und alles, was dann besprochen, was „ausgepackt“ wird, bleibt intern. Es werden keinerlei Informationen weitergegeben, weder an die Polizei noch an die Staatsanwaltschaft und schon gar nicht an das eigene Umfeld. Er selbst hat noch nie eine persönliche Ablehnung erfahren, Kollegen ist das schon passiert, erzählt Br. Kornelius weiter. Sie fanden keinen Zugang zu den Betroffenen. Wobei die wenigsten in diesem Moment wissen, dass mit Kornelius Wagner ein Mönch vor ihnen steht. Das ist auch kaum von Bedeutung, denn zu 70 Prozent sei die Arbeit von KID keine religiöse, sondern eine psychosoziale. Wenn Br. Kornelius allerdings meint, dass seine Betreuung noch nicht beendet sein darf, dann gibt er auch seine Telefonnummer weiter und sich damit als Ordensmann zu erkennen. Hilfe beim Verarbeiten Die Religion aber, sein Glaube hilft erst einmal ihm selbst. Darum kann er die benediktinischen Gebetszeiten zwangsläufig nur begrenzt einhalten. Aber der Konvent, seine Brüder in St. Ottilien nehmen Anteil an seinen Einsätzen. Sie nehmen ihn und die, denen er versucht hat Hilfe zu geben, mit auf in ihr Gebet, fragen nach und helfen dem Mitbruder beim Verarbeiten. Zurzeit sind neben den zehn Ausgebildeten weitere elf Hospitanten jeglichen Alters beim Kriseninterventionsdienst tätig. Sie absolvieren einen sehr intensiven sogenannten Basis-Notfall-Nachsorge- Kurs (BNN), den inzwischen KID selbst anbietet. Was die Aufnahmekriterien betrifft, so sollten die Helfer aus sozial- oder heilpädagogischen Berufen kommen. Aber viel wichtiger ist deren Persönlichkeit und Reife und dass sie mit dem Tod umgehen können. Die Fähigkeit, gesprächsbereit, kommunikativ zu sein, ist aber nicht zuletzt eine Bedingung zu ihrem eigenen Schutz. Denn nach jedem Einsatz, und das gilt ganz besonders für die Hospitanten, muss das Erlebte verarbeitet werden. Dies geschieht in internen Nachbesprechungen oder mit Hilfe von Supervisionen. Vielleicht ist die größte Hilfe jedoch der Zusammenhalt der Truppe, gegenseitiges Vertrauen und sich verlassen können aufeinander.

Meistgelesen

Babys der Woche im Klinikum Landsberg
Babys der Woche im Klinikum Landsberg
Toll: Das erste Azubi+ ist da!
Toll: Das erste Azubi+ ist da!
"So nicht, Herr Erdogan!"
"So nicht, Herr Erdogan!"
Vier Neue am Vogelherd
Vier Neue am Vogelherd

Kommentare