Cannabis im Kinderzimmer

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Eine Cannabis-Plantage führte ein 27-Jähriger in der Wohnung seines Großvaters.

Landsberg – In seinem ehemaligen Kinderzimmer in der Wohnung seines Großvaters führte ein 27-Jähriger eine Cannabis-Plantage. Nachdem die Polizei ihm im Juni auf die Schliche gekommen war, musste sich der Hobby­-Gärtner vor dem Schöffengericht verantworten: Ein Jahr und neun Monate Haft wurden ihm auferlegt, die jedoch zur Bewährung ausgesetzt wurde.

Schon als 13-Jähriger sei der Landsberger erstmals mit Cannabis in Berührung gekommen, damals aus Gruppenzwang, wie er Richter Alexander Kessler erklärte. Mit der Volljährigkeit habe der Konsum zugenommen: bis zu fünf Gramm täglich rauchte er – beginnend schon vor der Arbeit. „Wie andere in der Früh einen Kaffee trinken, habe ich geraucht. Ansonsten wäre ich ein Morgenmuffel gewesen“, schilderte der Angeklagte.

Im Laufe der Zeit habe der Konsum den Geldbeutel derart belastet, dass sich der Landsberger nach einer Alternative umsehen musste. Die Lösung fand er in einem Set zum eigenen Anbau von Cannabis, das er sich online bestellte. Drei Monate lang wuchsen die Pflanzen schließlich, jedoch nicht in seiner Mietwohnung. Sein noch vorhandenes Kinderzimmer in der Wohnung des Großvaters diente ihm als Domizil für seine Zucht. Als im Juni ein Landsberger Polizist, eigentlich in einer anderen Angelegenheit unterwegs, aus einer Sousterrainwohnung den Geruch des Cannabis‘ wahrnahm, schellten die Alarmglocken. Nach Erwirken eines Durchsuchungsbefehls verschaffte sich die Polizei Zugang zum zugesperrten Kinderzimmer, wie einer der polizeilichen Ermittler berichtete. Auch der verdutzte Opa staunte dann nicht schlecht über den Fund: 16 Cannabis-Pflanzen, die eine Höhe von etwa 120 Zentimetern erreicht hatten.

Die Beamten ernteten die Pflanzen zunächst ab, um die tatsächliche Menge zu ermitteln. Dabei wurden schließlich knapp 75 Gramm THC festgestellt, die der 27-Jährige jedoch nur zum Eigenbedarf angebaut hatte, wie er schon unmittelbar nach seiner Festnahme beteuerte. Vor Gericht begründete er, das Cannabis habe primär einen gesundheitlichen Zweck erfüllt. Ohne den Konsum hätte er unter Zuckungen am ganzen Körper gelitten, die erst durch das Gras gelindert wurden. Inzwischen habe er das Problem langfristig mit Magnesium- und Eisentabletten behoben.

Nachdem sich der Angeklagte vor Gericht geständig zeigte, auf den Rückhalt seiner Familie baut und zuletzt eine neue Arbeitsstelle antrat, forderte Staatsanwältin Julia Scholz eine Bewährungsstrafe sowie eine Geldauflage von 1.500 Euro. Richter Alexander Kessler teilte ihre Meinung und gab dem 27-Jährigen auf den Weg: „Zeigen Sie, dass Sie ihre Betäubungsmittel-Karrie­r­e abgeschlossen haben.“

Marco Tobisch

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