Open Air mit sechs Glocken

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Beim Glockenkonzert: Pfarrer Martin Jung (von links), Ingrid Hohenadl von der Kirchenverwaltung, Dr. Michaela Haibl, Dorfchronist Franz Xaver Haibl und Mesner Max Linder.

Leeder – Es war ein Open Air der besonderen Klasse, nämlich ein Konzert mit sechs Kirchenglocken. Mehr als 200 Jugendliche und Erwachsene waren dazu auf den Platz vor dem Hofgartenhaus in Leeder gekommen. Vorgestellt wurden die Glocken, die nach der aufwändigen Sanierung des 36 Meter hohen Kirchturmes seit Heilig Abend wieder erklingen. Ortschronist Franz Xaver Haibl und seine Tochter Dr. Michaela Haibl lieferten bei dem Glockenkonzert unter freiem Himmel die wesentlichen Informationen für die interessierten Besucher, die erwartungsvoll zu den Schalllöchern am Kirchturm hinauf schauten.

Der eiserne Glockenstuhl, der wegen des starren Materials und des Gewichts statische Probleme bereitete, wurde bei der Sanierung durch einen hölzernen ersetzt. Nun können wieder alle Glocken zusammen schwingen, was auch zur Begrüßung des neuen Jahres der Fall sein wird. Den vollen Klang entfaltet haben die sechs Glocken auch mehrmals im 45-minütigen Konzert, im Dorf heißt es jetzt, sie hätten nach der Renovierung einen wohlig-warmen Klang. Zuvor wurden die einzelnen Glocken vorgestellt – der Reihe nach von der kleinsten zur größten.

Die Armeseelen-Glocke ist die kleinste und auf den Ton C gestimmt. Die Wetterglocke hat B zum Grundton. Die Angelusglocke erklingt auf As. Die Messglocke ist auf F gestimmt, die Kriegergedächtnisglocke (dem heiligen Georg geweiht) auf Es und die große Marienglocke wieder auf den Ton C. Mesner Max Linder, der sich ebenfalls auf dem Platz vor dem Hofgartenhaus einfand, setzte die sechs Instru­mente per Fernbedienung in Bewegung.

Dr. Michaela Haibl – sie hatte die Idee zu diesem Konzert unter freiem Himmel – stellte die sechs Stimmen des Geläuts im Kirchturm vor. Ihr Vater, der frühere Fuchs­taler Bürgermeister und Dorfchronist Franz Xaver Haibl, ging explizit auf die Läutordnung von Leeder ein. Stichwörter dafür sind das tägliche Gebetläuten, das Elfuhrläuten, das Mittagläuten, das Freitag­läuten, das Einläuten des Sonntags am Samstag um halb zwei Uhr nachmittags, das Läuten zum Rosenkranzgebet, das Läuten zur Messe am Werktag, zum Gottesdienst am Sonntag, bei den Gottesdiensten zur Wandlung, zum Wettersegen, das Läuten bei einer Taufe bis zum Schiedungläuten für einen Verstorbenen.

Dr. Haibl blickte auf das Jahr 1882 zurück, als der Gemeinderat den Kauf eines der Marktgemeinde würdigen Geläuts mit sechs Glocken beschloss. 57 Jahre lang erklangen diese, ehe sie 1940 aus dem Turm geholt wurden und als wertvolles Material für die Rüstung verschmolzen wurden. Nur die kleinste Glocke verblieb im Turm, es war die Totenglocke. Sie kam1949 nach Welden, wo sie seitdem die große Glocke im Kirchturm ist. Nach der Währungsreform 1948 gingen Kirchenstiftung und Gemeinde daran, Ersatz für die 1940 zwangsweise abgegebenen Glocken zu beschaffen. Nachdem über das Vorhaben in der Zeitung berichtet worden war, kamen von auswärts Bedenken.

Im Januar 1949 trug ein gewisser Dr. Arnold Riedl aus Schongau seinen Einwand vor, dass die Einstellung der armen Menschen, der Ausgewiesenen und Heimkehrer verbittert würde. Sie alle würden sich fragen, ob dem Herrgott nicht eine größere Freude gemacht würde, wenn die Leederer nur eine Glocke gießen lassen, mit dem Geld für die anderen fünf Glocken aber vielmehr die entsetzliche Not im Lande mildern würden. Doch es blieb bei den sechs Glocken – für die großzügig gespendet wurde. Zu dem Glockenkonzert hießen Bürgermeister Erwin Karg („Es war die letzte Zeit recht leise im Dorf“) und Kirchenpflegerin Ingrid Hohenadl die Besucher vor dem Hofgartenhaus willkommen.

Durch den Verkauf von Infoheften zu den Glocken, von Punsch, Glühwein, Honiglebkuchen (August Lenggeler) und Stollen kamen an diesem Abend mehr als 1000 Euro ins Spendenkörbchen. Zum Schluss sagte Pfarrer Martin Jung, man habe gehört, „was für ein wohlklingendes Geläut wir haben“. Die Besucher hätten die Töne der Glocken, die zu vielen Anlässen zu hören sind, aber die vor allem eine Einladung zum Gebet seien, „wieder bewusst aufgenommen“.

Johannes Jais

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