Es gibt noch viel zu tun

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Viele Maßnahmen für ein barrierefreies Kaufering kosten kaum Geld. Andere Maßnahmen wiederum werden richtig teuer. Dazu zählt Kauferings Bahnhof, der die Mobilitätsgrenze nicht nur für Rollstuhlfahrer darstellt. Auch ältere Menschen oder Mütter mit Kinderwagen sind hier auf Hilfe Dritter angewiesen.

Kaufering – Wenn man im Rollstuhl sitzt, hat man auf viele Dinge des täglichen Lebens eine vollkommen andere Sichtweise. Davon konn- ten und mussten sich die Mitglieder des Seniorenbeirates im Mai persönlich überzeugen. Jetzt stellten Vorsitzender Dr. Börries Graf zu Castell und Wolfgang Wähnert die Ergebnisse ihrer „Spaziergänge“ im Gemeinderat vor.

Insgesamt hatte der Seniorenbeirat vier typische Wege des Alltags abgeschritten, Fotos gemacht und vor die Schwachstellen dokumentiert. Dazu zählen Stolperfallen, fehlende Ausruhemöglichkeiten oder mangelhaft empfundene Beleuchtung von Gehwegen. 

Der Beirat hat sich zum Ziel gesetzt, einen seniorengerechten Ortsplan von Kaufering zu entwickeln. Die Ortserkundung war Teil einer Aktion von Sozialministerin Emilia Müller, die unter dem Motto „Zuhause daheim“ mit verschiedenen Aktivitäten die Möglichkeiten aufzeigen sollte, um das Wohnen im Alter attraktiver zu gestalten. Kauferings Seniorenbeirat hatte sich auch zu zwei Veranstaltungen angemeldet. 

Während des Power-Point-Vortrages wurde den Ratsmitgliedern klar, dass der Blick- winkel aus der Sicht eines Rollstuhlfahrers zu kurz gegriffen ist. Viele ältere Menschen sind beispielsweise auf einen Rollator angewiesen oder bewegen sich mit Hilfe von Krücken. Manch einer hat Sehprobleme oder ist anderweitig körperlich eingeschränkt. 

Ausgangspunkt für die Ortsbegehung war das Seniorenstift, Ziele der Touren waren das Rathaus, der Fuggerplatz, die Einkaufsmeile in der Kolpingstraße, das Lechtalbad oder auch die Kirchen im Ort. Ein Großteil der Probleme bereiten noch nicht abgesenkte Bordsteine vor allem für Rollstuhlfahrer oder Rollatorbenutzer. Doch auch Mütter mit Kinderwagen sind von dem Problem betroffen. Allerdings hat die Marktgemeinde in der Zwischenzeit eine Reihe von Bordsteinen bereits abgesenkt. Das Programm soll auch weitergeführt werden. 

Rathaus-Probleme 

Allein damit ist es nicht getan. „Es bringt wenig, wenn die abgesenkten Bordsteine durch parkende Autos versperrt sind“, betonte Wolfgang Wähnert. Schwierig ist es auch in der Unterführung bei Lidl. Die gut gemeinten Hindernisse für Rad- fahrer bereiten Rollstuhlfahrern Probleme. Das Kopfsteinpflaster am Leonhardisaal oder das Gefälle bei abgesenkten Gehsteigen in der Ottostraße wurden als Probleme deklariert. Auch das Rathaus kam schlecht weg. Die Rollstuhlrampe wurde vom Seniorenbeirat als „zu steil“ empfunden, außerdem sei der Handlauf nicht nutzbar. Wähnert schlug vor, zu prüfen, ob ein Treppenlift zum Obergeschoss möglich sei. 

Die Dokumentation ist umfangreich und besteht oft aus vielen Kleinigkeiten, deren Beseitigung noch nicht einmal teuer ist. Ein typisches Beispiel wäre die zu kurze Grünphase für Fußgänger an der Ampel in der Lechfeldstraße. Aber auch für Rollstuhlfahrer zu hoch angebrachte Fahrpläne an Bushaltestellen ließen sich ohne große Kosten umsetzen. 

Der Kauferinger Seniorenbeirat schlug der Verwaltung und dem Marktgemeinderat vor, einige zusätzliche Ruhebänke an den Einkaufswegen aufzustellen. „Man wisse“, so Wähnert, „dass Rollstuhlfahrer die Bänke nicht brauchen, aber man müsse grundsätzlich an ältere Menschen denken“. 

Ein Sonderproblem ist auch der Bahnhof, der in keiner Weise barrierefrei ist. In der Betrachtung des Seniorenbeirates wurde das Problem aber außen vor gelassen, da es in den Zuständigkeitsbereich der Bahn fällt und darüber hinaus bereits Gespräche und Planungen begonnen wurden. Wie berichtet, hatte die Kauferinger SPD kürzlich eine Unterschriftenaktion für einen barrierefreien Bahnhof gestartet und über ihre Landtagsabgeordneten Dr. Herbert Kränzlein bereits heftig Druck bei der Bahn gemacht. 

Manche Probleme seien sehr einfach zu lösen, wenn man sie erst mal erkannt habe, betonte Kauferings 3. Bürgermeisterin Gabriele Hunger als Sitzungsleiterin abschließend.

Siegfried Spörer

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