Das "m" nach dem "a" ist teuer – Nach sieben Jahren darf Dießen das "am" Ammersee führen

Sieben Jahre für ein kleines m – so lange hat es gedauert, bis die Marktgemeinde Dießen aus dem Punkt nach dem „a“ einen Buchstaben machen und sich nun Dießen „am“ Ammersee nennen darf. Ähnlich sieht es in den Nachbargemeinden Utting, Schondorf und Eching aus – auch dort kann künftig aus einem „a. Ammersee“ ein „am“ Ammersee werden. In der Großen Kreisstadt ist das „am Lech“ übrigens längst über die Bühne.

Wiehert da nicht der Amtsschimmel, dass eine klitzekleine Namensänderung derart viel Zeit in Anspruch nehmen kann? Zwar haben die Dießener wie die anderen Gemeinden am Westufer auch vor sieben Jahren den Antrag beim Landratsamt Landsberg am Lech ge- stellt, doch der Stolperstein war die Verwaltungsgemeinschaft Schondorf. Für die VG ist nämlich nicht das Landratsamt, sondern die Regierung von Oberbayern zuständig. Weil die übergeordnete Behörde aufgrund der Rechtslage der Namensänderung ohne triftige Gründe nicht zustimmen konnte, hatte sie den Antrag zwar nicht abgelehnt, aber auf die lange Bank geschoben – und damit auch das Ansinnen der Gemeinden. Schließlich kann nicht die Gemeinde Schondorf am Ammersee liegen und die VG nur a. See. Mittlerweile sind die Hürden aufgrund einer neuen Regelung nicht mehr so hoch gesetzt, die Regierung bewilligte den Antrag – und das „m“ durfte nun binnen weniger Monate kommen. Neue Siegel und Stempel 5000 Euro hat Dießens Kämmerer Max Steigenberger im aktuellen Haushalt für die Namensänderung bereit gestellt, wobei dies maßvoll geschehen soll und – wie die Namensänderung selbst – auch nicht von heute auf morgen. Bei Briefköpfen geht das Ausbessern am Computer vergleichsweise schnell, aber Dienstsiegel der Gemeinden müssen erneuert, andere Stempel bestellt und auch das ein oder andere Schild ausgewechselt werden, erläutert Erich Neugebauer, der geschäftsleitende Beamte der Marktgemeinde Dießen. Weil die Namensänderung nun aber zu den eher nebensächlichen Dingen im Alltag einer Kommune gehört, hat man sich in Dießen darauf geeinigt, dass man etwa die Ortsschilder erst nach und nach auswechselt. Vorerst könne der kleine schwarze Punkt auch einfach mit einem „m“ überklebt werden, so Neugebauer. Bitte kein Doppel-S Mit Namensänderungen und dem Überkleben von Ortsschildern hat die Gemeinde Dießen ohnehin ihre Erfahrungen gemacht, wenn es auch rund ein Vierteljahrhundert zu- rückliegt. Einem eifrigen Standesbeamten aus Garmisch-Partenkirchen war aufgefallen, dass man in Dießen nicht der amtlichen Schreibweise folgte und auf Ortsschildern, bei Siegeln und Briefköpfen „Diessen“ mit Doppel-S verwendet wurde. „Da gab es ein großes Kopfschütteln, die Änderung hat für damalige Verhältnisse viel Geld gekostet“, erinnert sich Altbürgermeister Alfred Schad, damals selbst als Standesbeamter im Rathaus tätig. Wie Gemeindearchivarin Elke Ahrens-Ratz belegen kann, kam der endgültige Bescheid für die richtige Schreibung Dießens schließlich 1989: Ein Dokument aus dem Innenministerium bestätigt, dass auch bei der Schreibung des Ortsnamens in Großbuchstaben das „ß“ verwendet werden soll, nicht etwa zwei große S, so wie es für Dokumente im Duden verlangt wird.

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