Tumult im Regionalexpress

Flüchtling beleidigt Zugbegleiter und kassiert eine Haftstrafe

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Sieben Monate hinter Schloss und Riegel muss ein im Oberallgäu untergebrachter Asylbewerber wegen Beleidigung und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte verbringen.

Geltendorf/Landsberg – Zu turbulenten Szenen ist es vor rund einem Jahr in einem Regionalexpress von München nach Kempten gekommen. Am Bahnhof Geltendorf wurden zwei Fahrgäste aus dem Zug geworfen, weil sie die Zugbegleiter beschimpft und beleidigt hatten. Jetzt hatte der Vorfall ein Nachspiel vor dem Amtsgericht Landsberg.

Laut Anklageschrift saßen die beiden Asylbewerber in dem doppelstöckigen Zug auf den Stufen zwischen der oberen und unteren Ebene. Bei der Fahrkartenkontrolle forderte der Zugbegleiter sie auf, die Treppe freizumachen, woraufhin die beiden Afrikaner ihn prompt als „Rassisten“ und „Nazi“ beschimpften. Als der Kontrolleur die beiden am nächsten Halt des Zuges verwies, kam es zu weiteren Beschimpfungen und einem Handgemenge. Die beiden aggressiven Fahrgäste sahen nicht ein, dass sie aussteigen sollten – schließlich hätten sie bis Kempten bezahlt.

Mithilfe eines zweiten Zugbegleiters und eines zufällig mitfahrenden Polizisten gelang es schließlich, die beiden aus dem Zug zu schieben. Der Polizeibeamte erlitt dabei Kratzwunden an der Hand. Vor seiner Uniform hatten die Männer ebensowenig Respekt wie vor den Zugbegleitern. Vom Bahnsteig aus schlugen und traten sie gegen den Zug und zeigten den Mittelfinger.

Auf der Anklagebank saß nur einer der beiden Männer – der andere war bereits in einem eigenen Verfahren zu drei Monaten Haft verurteilt worden. Der nun vor dem Amtsgericht stehende 22-Jährige aus Gambia hatte zu seiner Verteidigung wenig ins Feld zu führen. Es hätten in dem Zug auch noch andere Leute auf Stufen gesessen, ließ er durch eine Dolmetscherin mitteilen. Zum Aufstehen hätte der Zugbegleiter aber nur ihn und seinen Bekannten aufge­fordert.

Der 22-Jährige, der seit 2015 in Deutschland ist und in einer Asylbewerberunterkunft im Oberallgäu lebt, brachte fünf Vorstrafen mit. Zum Tatzeit­punkt liefen gegen ihn zwei Haftbefehle, weil er Auflagen aus einem früheren Urteil nicht befolgt hatte. Auch hatte er bereits zwei Wochen Dauerarrest verbüßt. Der Angeklagte beteuerte, dort über sein Leben nachgedacht zu haben und sich ändern zu wollen.

Richter Michael Eberle konnte daran allerdings nicht glauben. „Ich habe keinerlei Vertrauen, dass Sie sich bewähren“, ließ er den 22-Jährigen wissen. Der Angeklagte brauche Zeit im Gefängnis, um sich neu zu orientieren. „Wenn Sie hier bleiben wollen, müssen Sie die Regeln beachten, sich anstrengen und Deutsch lernen.“

Das jetzt verhängte Urteil entsprach dem Antrag von Staatsanwalt Daniel Kulawig: sieben Monate Haft ohne Bewährung wegen Beleidigung und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte. Außerdem muss der 22-Jährige die Kosten des Verfahrens tragen.

Ulrike Osman

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