Neue Nachbarschaftshilfe

"Wir wollen Hilfe zurückgeben"

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Landsberg hat eine Nachbarschaftshilfe: Traudl Melloh und Ulrich Bender (v. links) sind die beiden Pioniere, die sich der Organisation der neuen Institution angenommen haben.

Landsberg – Mal eben den Rasen mähen oder kurz zum Arzt fahren – kein Problem für die Meisten. Alleinstehende oder Senioren stoßen jedoch mit diesen vermeintlichen Kleinigkeiten oftmals an Grenzen. Um solche alltäglichen Barrieren künftig zu meistern, ist mit der Nachbarschaftshilfe kürzlich eine Institution geschaffen worden, an die sich Bürger in Notsitua­tionen wenden können. Der kleine Helferkreis um Traudl Melloh und Ulrich Bender, deren Träger die Caritas ist, arbeitet ausschließlich auf ehrenamtlicher Basis und freut sich über weiteren Zuwachs.

Vor etwa einem Jahr haben mehrere Akteure der Landsberger Hilfsorganisationen einen gemeinsamen Bedarf festgestellt: Auf den Schreibtischen häuften sich die Hilfsgesuche, die Bürger in anderen Städten üblicherweise an eine Nachbarschaftshilfe richten würden. Nachdem es diese in der Lechstadt zum damaligen Zeitpunkt nicht gab, trudelten die Anfragen bei verschiedensten Einrichtungen ein, beispielsweise der Koordinationsstelle engagierter Bürger (K.e.B.) oder der Caritas. Deshalb forcierten die Beteiligten, allen voran K.e.B.-Leiterin Katrin Dyballa und Ilga Ahrens von der Landsberger Caritas, eine gemeinschaftliche Lösung – und so wurde die Idee einer Nachbarschaftshilfe geboren.

Im nächsten Schritt erfolgte eine Bedarfsanalyse, an der sich diverse Akteure des Hilfsnetzes, unter anderem das Krankenhaus und das BRK, beteiligten. Dabei wurde ermittelt, welche Angebote in der Lechstadt vorhanden sind und in welche Nischen die Nachbarschaftshilfe schlüpfen könnte.

Dass die Notwendigkeit einer Nachbarschaftshilfe mittlerweile akut sei, schreibt Katrin Dyballa verschiedenen Faktoren zu. Zum Einen hätten sich die familiären Strukturen verändert: „Landsberger Kinder“ würden ihrer Heimat nach der Volljährigkeit häufig den Rücken kehren, wodurch viele Leute im Seniorenalter nicht auf die Hilfe ihrer Sprösslinge zurückgreifen könnten. Auch der demografische Wandel erfordere eine Instanz wie die Nachbarschaftshilfe: „In Landsberg haben wir mehrere Straßen, wo überwiegend Alleinstehende und Senioren wohnen“, erläutert Dyballa. Dort seien die Anwohner auf sich alleine gestellt und hätten in Notfällen keinen Nachbarn, der mit einer helfenden Hand zur Stelle wäre.

Wie es sich anfühlt, dringende Hilfe zu benötigen und auf andere angewiesen zu sein, haben Traudl Melloh und Ulrich Bender bereits erfahren: Die Beiden sind die ersten „Nachbarschaftshelfer“ in Landsberg und wollen um sich herum einen Helferkreis aufbauen. Die Arbeit erledigt das Duo dabei von zuhause aus.

Viel Hilfe bekommen

Ulrich Bender, der im Laufe des vergangenen Jahres auf das Projekt der Nachbarschaftshilfe aufmerksam wurde, habe bereits viele Flecken des Erdballs bereist und dort „immer viel Hilfsbereitschaft erfahren“, erzählt der Rentner. „Mein Bestreben ist es deshalb, davon etwas zurückzugeben.“

Aus anderen Gründen hat Traudl Melloh eine führende Funktion in der Nachbarschaftshilfe übernommen. Sie musste vor drei Jahren durch den Tod ihres Mannes auf sehr schmerzvolle Weise erfahren, dass „man immer wieder Hilfe von anderen braucht“, so die Organisatorin der Nachbarschaftshilfe. „Ich wünsche mir, dass viele Landsberger ihre Hilfe anbieten.“

Um der Anfragen Herr werden zu können, sind Melloh und Bender derzeit noch auf der Suche nach Mitstreitern. Wer sich am Projekt beteiligen möchte, kann seine Hilfe in unterschiedlichen Bereichen anbieten: Vom Fahrdienst über Spaziergänge und Arztbesuche bis hin zu Kinderbetreuung möchte die Nachbarschaftshilfe die Gesuche erfüllen. Diese werden, berichtet Katrin Dyballa, primär von Alleinstehenden, Senioren oder auch Menschen mit Behinderung gestellt.

Die K.e.B.-Leiterin betont aber: Die Nachbarschaftshilfe sei keine Einrichtung, von der sich hilfsbedürftige Bürger langfristige Betreuung erhoffen dürften. „Unser Team handelt nach zwei Geboten: Wir helfen ausschließlich in Notfällen und immer nur einmalig.“ Dies sei generell der Sinn und Zweck einer Nachbarschaftshilfe.

Die Finanzierung der Einrichtung stelle, wie meist auch andernorts, kein Problem dar. Zwar gebe es die Möglichkeit, im Bundesministerium für die ersten eineinhalb Jahre nach Gründung einer Nachbarschaftshilfe bis zu 10.000 Euro Fördergelder zu erhalten – diese beabsichtigt man aber nicht zu beantragen, so Projekt-Initiatorin Dyballa. Schließlich gebe es keine größeren Investitionen oder Ausgaben: Eigene Räumlichkeiten seien ebenso wenig vorhanden wie Personalkosten. Und auftretende Auslagen bei den Fahrdiensten würden immer die Nutzer des Fahrdienstes übernehmen. Aufgabe des Helferteams sei vor allem die Organisation und Vermittlung der Hilfsleistungen. Wer sich für eine Mithilfe in der ehrenamtlichen Einrichtung interessiert – egal in welchem zeitlichen Umfang – kann sich bei Traudl Melloh Informationen einholen. Sie ist von Montag bis Freitag, mit Ausnahme des Mittwochs, telefonisch zu erreichen unter Tel. 0160/1720193.

Noch steckt die Nachbarschaftshilfe aber in den Kinderschuhen und bietet sämtlichen Beteiligten „noch viel Gestaltungsspielraum“, blickt Katrin Dyballa voraus. „Das Projekt darf ruhig bis in den Himmel wachsen.“

Marco Tobisch

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