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Zwischenstation im Tierheim Landsberg

Waldi aus Bukarest 

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In Ländern wie Rumänien, Polen oder auch Bulgarien leben zahlreiche Hunde auf der Straße. In Rumänien steht auch das größte Tierheim der Welt: die Smeura. Dort sind rund 6.000 Hunde untergebracht.

Landsberg – „Was war denn bitte heute Vormittag im Tierheim Landsberg los? Winterschlussverkauf Hunde???“ Klaus Stolpmann postete seine Beobachtung am Samstag, 5. Januar, auf Facebook in der Gruppe „Du kommst aus Landsberg“ – und löste Entrüstung aus. Was er gesehen hatte: Einen Transporter aus Rumänien mit Hunden, die vor dem Tierheim direkt an Herrchen oder Frauchen aus ganz Deutschland – zumindest den Autokennzeichen nach – übergeben wurden. „Ein recht seltsames Bild“, schreibt Stolp­mann. Vor allem, da doch andere „Tierheimbewohner“ schon länger auf eine Vermittlung warteten.

„Moderner Tierhandel“ wurde vermutet. Dass also Streuner­hunde aus Rumänien verkauft werden. Dem war nicht so, lässt Detlef Großkopf, Vorsitzender des Tierschutzvereins Landsberg wissen. Bei der Tierschutzorgani­sation, die an dem von Stolpmann beobachteten Tag Hunde aus rumänischen Tierheimen nach Deutschland gebracht hat, handelt es sich um „Ein Herz für Streuner“ – eine deutschlandweite Organisation, für Tierver­mittlung beim Veterinäramt München registriert. Das Tierheim Landsberg habe bei der Aktion am Samstag lediglich den Platz für die Tierübergabe bereitgestellt. Ansonsten sei das eine selbstständige Aktion der Tierschutzorganisation gewesen.

Im Tierheim Landsberg arbeite man mit mehreren dieser Organisationen zusammen, so Großkopf auf Anfrage des KREISBOTEN. Pro Jahr nehme man zehn bis 20 Tiere aus Rumänien auf, je nachdem, wie viel Platz vorhanden sei. Der Grund: So viele Bürger wünschten sich einen Hund, das sei mit ‚heimischen‘ Tieren nicht abzudecken. Dabei seien die Langzeitinsassen hauptsächlich Hunde aus dem Landkreis, die oft wegen des Todes von Herrchen oder Frauchen abgegeben würden. Und dementsprechend meistens betagt seien, somit schwer vermittelbar.

Den Vorwurf, das Tierheim Landsberg gebe kaum Hunde ab, bestreitet Großkopf. Pro Jahr vermittle man 70 bis 100 der treuen Vierbeiner. Aber gewisse Bedingungen müssten die Halter erfüllen. Täglich acht Stunden Abwesenheit des Herrchens sei zum Beispiel zu viel.

Den Einwand, dass die Kommunen die Fundtierpauschale für den lokalen Tierschutz überweisen und nicht, um Hunde aus Rumänien zu retten, wehrt Großkopf ab. Um die Versorgung der hiesigen Hunde und das dafür notwendige Personal zu finanzieren „müssen wir auch Hunde vermitteln.“ Mit den Langzeitinsassen schwierig, die Hunde aus Rumänien seien indessen meistens jünger und gesund. Die Tiere, die Großkopf aus Rumänien übernimmt, sind zwar bereits gechippt, kastriert und geimpft. Im Tierheim wird aber noch der ‚Mittelmeer-Test‘ durchgeführt, ein großer Bluttest auf diverse Krankheiten, der bereits rund 100 Euro koste. Dazu kommen noch Kosten für die Unterkunft, Betreuung und fürs Futter, die mit der Schutzgebühr bei Adoption beglichen würden.

Dass der Bedarf an Hunden in Deutschland größer als das Angebot ist, bestätigt auch Sandra Baumeister von „Ein Herz für Streuner“. So ‚liefere‘ das Tierheim Smeura bei Bukarest, das mit 6.000 Hunden größte Tierheim der Welt, monatlich mehrere hundert Tiere nach Deutschland. Bei der Aktion am 5. Januar in Landsberg seien nur sechs Hunde übergeben worden. „Dass so viele Autos dastanden, lag daran, dass wegen des Schneechaos‘ drei Helfer von uns mit dabei waren“, erläutert Baumeister. Einer davon habe ein in Unna gemeldetes Fahrzeug. Dass die Tiere direkt vom Transporter in den Pkw der neuen Besitzer verladen würden, sei dabei normal: „Wir wollen ja, dass die Tiere so kurz wie möglich unterwegs sind.“ Von Landsberg aus ging der Transport dann weiter nach Stuttgart, Köln oder auch Hannover.

Die Hauptaufgabe der Organi­sation liege aber nicht in der Vermittlung, sondern in der Hilfe direkt vor Ort. Sie führen Kastrationen durch, helfen mit Geld für Futter und Arztkosten. Die Tiere, die sie nach Deutschland transportieren, wählen sie vor Ort in zwei Tierheimen aus. Diese werden auf Facebook und auf der Homepage der Organisation eingestellt, worauf sich dann Möchtegern-Hundebesitzer bewerben können. „Die von uns geforderte Selbstauskunft ist sehr streng“, sagt Baumeister. „Einige springen da schon wieder ab.“ Zudem gebe es noch mehrere Gespräche und auch eine „persönliche Vorkontrolle“. Erst wenn alles passt, werde der Hund aus Rumänien per Transporter geholt und übergeben. Geholt würden Welpen ab vier Monaten, alle seien sechsfach geimpft, gechippt und, wenn sie älter als sieben Monate sind, auch kastriert. Die Schutzgebühr, die höher als die des Tierheims Landsberg sei, betrage 375 Euro für einen kastrierten Hund. Dennoch: Die ‚Auslandstierschutz‘ genannte Arbeit von Organisa­tionen über Grenzen hinweg werde von einigen dubiosen Vereinen leider auch zum Geldverdienen missbraucht.

Dass gerade Rumänien als Exportschlager Hunde liefert, hat einen Grund: Dort dürfen seit 2013 auch gesunde Hunde getötet werden. Und zwar nach zwei Wochen im Tierheim, wenn es Platzprobleme gibt, äußert Carmen Arsene, Präsidentin des Nationalen Verbands für Tierschutz Rumänien, in einem auf YouTube einsehbaren Video. Viele setzten die Tiere aus, natürlich unkastriert. Das Überleben sei kein Problem, denn die Straßenhunde würden gefüttert. Aber eben nur bis zu einer gewissen Anzahl. Die einzige Chance sieht Arsene in der Kastration. Eine Lösung, die Geld erfordert, das für diesen Zweck in Rumänien nicht ausgegeben wird. Weshalb „Ein Herz für Streuner“ auch Sammelkastrationen vor Ort durchführt. Mit der Zeit, so Arsene, erledige sich das Problem der Streunerhunde dann von selbst.

Susanne Greiner

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