Mit der Laterne durch die Gasse

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Simon Bernauer bietet als Nachwächter im historischen Gewand Führungen durch die dunkle Landsberger Altstadt.

Landsberg – „Hört ihr Leut und lasst euch sagen“ – der früher wohlbekannte und allabendliche Ruf des Nachtwächters erklingt seit knapp zwei Jahren wieder in der Altstadt. Jeden Samstagabend sammelt ein Stadtführer im Gewand des Nachtwächters Interessierte um sich.

Souverän und scheinbar ungerührt von den neugierigen Blicken der Passanten steht er vor dem Historischen Rathaus, mit Hellebarde und Laterne. Ab und an bläst Simon Bernauer, einer von fünf Nachtwächtern, die die Termine abwechselnd durchführen, in ein Kuhhorn, um auf sich aufmerksam zu machen und weitere Teilnehmer anzulocken. Denn die Nachtwächterführung, die das Veranstaltungsteam „Comedis“ durchführt, bedarf keiner Anmeldung, jeder ist willkommen und kann sich spontan anschließen.

Ein Angebot, das sich an Kurzurlauber richtet, die oft keine Gelegenheit haben, sich zu einer der anderen zahlreichen Themenführungen anzumelden, oder auch an Lands- berger auf ihrem abendlichen Stadtbummel. Wie gut dieses Angebot angenommen wird, beweisen die Zahlen: 2012 sind mehr als 1000 Besucher mit dem Nachtwächter durch die Altstadt gestreift. Bernauer erzählt, dass allein am Freitag rund 40 Teilnehmer dabei waren, an diesem Samstag sind es etwas weniger, genießen doch bei den warmen Temperaturen die meisten Biergarten, Straßencafé und Kino Open-Air.

Der 17-Jährige ist der jüngste der Nachtwächter und vor drei Monaten erstmals ins Kostüm geschlüpft. „Am Anfang war es schon etwas aufregend, aber dann findet man schnell in die Rolle, man ist halt der Nachtwächter“. Mit dieser Einstellung kann er auch die Menschen in den Cafés grüßen, für ein Foto posieren und auch die ein oder andere Bemerkung Betrunkener – mit denen die Nachtwächter damals wie heute zu tun haben – ignorieren.

Vom Hauptplatz geht es zum Klösterl, dann am Lech entlang, über den Flößerplatz in die kleinen Gassen und versteckten Winkel. Nachtwächter Simon Bernauer erzählt (historisch belegte) Anekdoten, gibt Einblicke in die Stadtgeschichte, beantwortet Fragen. Selbst für „erprobte“ Fans von Stadtführungen gibt es immer wieder interessante Details zu entdecken, beispielsweise, warum die Häuser am Klösterl Löcher haben, warum die Nachtwächter des Öfteren in der Arrestzelle saßen oder welch unangenehmen Dinge die Landsberger auf die schwäbische Seite des Lech „abschoben“.

Die Firma „Comedis“ bietet die Nachtwächterführung zusammen mit der Stadt an, Treffpunkt ist jeden Samstag (im Juli und August auch freitags) um 21.30 Uhr am Historischen Rathaus. Für Erwachsene kostet die Führung acht Euro, Kinder und Jugendliche vier Euro. Nähere Informationen gibt es auf www.landsberger-nachtwaechter.de.

Patricia Eckstein

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