Nackte Tatsachen

Dass das Internet bisweilen ein gefährliches Pflaster sein kann, musste ein in Landsberg tätiger Steuerberater erfahren. Auf der Suche nach einem Seitensprung geriet er an eine Starnbergerin, die ihm mit der Veröffent­- lichung der delikaten Geschichte drohte, sollte ihr der 55-Jährige nicht einen monat­lichen Obulus überweisen. Nun musste sich die 50-Jährige vor dem Landsberger Amtsgericht wegen Erpressung verantworten.

Alles begann im Sommer 2008. In einem Flirtportal stieß die damals in Spanien lebende Mutter von vier Kindern auf die Kontaktanzeige des Geschäftsmannes. In den darauf folgenden e-Mails ließ der verheiratete 55-Jährige keinen Zweifel da­- ran, was er suchte. So schickte der Steuerberater seiner vermeintlichen Seitensprungpartnerin auch ein Aktfoto von sich – mit unangenehmen Folgen. Denn die Wahlspanierin drohte daraufhin, das Bild im Internet zu veröffentlichen, sollte der 55-Jährige ihr nicht monatlich 5000 Euro überweisen. Idee aus den Medien Die Idee dazu sei ihr durch die Medien gekommen, die zu dieser Zeit einen ähnlichen Fall behandelt hätten, erklärte die Angeklagte. Mit dem Geld habe sie den Führerschein für ihre beiden ältesten Kinder finanzieren wollen – und noch diverse weitere Wünsche. Reue empfand die Starnbergerin keine. „Ich fand, dass er eine Strafe verdient hatte.“ Tatsächlich zahlte das eingeschüchterte Opfer im Dezember 2008 5000 Euro an die Erpresserin und überwies in den Folgemonaten zwei weitere Raten in Höhe von je 400 Euro nach Spanien. Als die 50-Jährige jedoch immer weiter Geld forderte, ging der Geschäftsmann schließlich zur Polizei. Hohe kriminelle Energie Vor Gericht gab die Angeklagte ihre Tat uneingeschränkt zu und erklärte zugleich, dass sie nie vorgehabt habe, das belastende Material zu veröffentlichen. Staatsanwalt Ivo Holzinger wertete das und die Tat­- sache, dass die Angeklagte bislang nicht vorbestraft war als mildernde Umstände. Gleichwohl sei die 50-Jährige mit „hoher krimineller Energie“ und professionellen Methoden vorgegangen und habe damit einen erheblichen Schaden angerichtet. Holzinger forderte da­- her eine zehnmonatige Freiheitsstrafe zur Bewährung zu verhängen und der 50-Jährigen neben der Rückzahlung des erpressten Geldes 80 Stunden gemeinnützige Arbeit aufzuerlegen. Richterin Sabine Grub folgte in ihrem Urteil im wesentlichen den Forderungen der Staatsanwaltschaft, beschränkte den zur Bewährung ausgesetzten Freiheitsentzug jedoch auf sieben Monate. Auch Grup wies in ihrer Urteilsbegründung auf die „äußerst raffinierte Vorgehensweise“ hin, mit der sich die Angeklagte „Vertrauen erschlichen und schamlos missbraucht“ habe.

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