Nacktscanner mit Sturmfrisur

Mit frenetischem Beifall begrüßten rund 1200 Zuschauer den Politsatiriker Urban Priol auf der Bühne im Sportzentrum. Unter dem Motto „Wie im Film“ sezierte Priol drei Stunden die Lage der Nation. Dabei entlarvte er bissig, respekt- und gnadenlos unsere gesellschaftlich-politische Elite von Merkel bis Mixa. Im Publikum blieb dabei kein Auge trocken, so viel wurde gelacht. Obwohl das, was Priols Röntgenblick erfasste und in seiner ganzen Erbärmlichkeit vor Augen führte, oft genug zum Weinen anmutete.

Der Themenkreis, den Priol eröffnete, war schnell gesteckt: Im Mittelpunkt seines Spotts standen Angela Merkel, Guido Westerwelle, die schwarzgelbe Tigerenten-Koalition, auch Chaoscombo genannt, der große Bundespräsidentenversuch Horst Köhler sowie die Katholische Kirche. Dabei bezog der Bayer mit dem hessischen Dialekt das aktuelle politische Geschehen ein. Er fragte sich, warum Rom, die Ewige Stadt, wo Angela Merkel auf ihrer Odyssee durch halb Europa wegen der Aschewolke gestrandet war, nicht für immer behalten habe und setzte schadenfroh nach: „Die hätt´ isch dem Berlusconi gegönnt!“ Und an „Platitüdenbaron“ Karl-Theodor zu Guttenberg, „dem Lothar Mathäus mit Brille, in schön und edel“ ließ er kein gutes Haar. Seit er Verteidigungsminister sei, hätte der Begriff „Shootingstar“ eine ganz neue Bedeutung. Die Katholische Kirche und den Missbrauchsskandal sowie Walter Mixa nahm Priol ebenfalls unter die Lupe. Eine der vielen Episoden entspann sich entlang der Causa Margot Käßmann, die in ihrem VW Phaeton mit zu viel Alkohol erwischt wurde. Überhaupt, welcher Fluch liege auf diesem Auto, schließlich sei auch Jörg Haider mit 1,8 Promille in diesem Auto, aber na ja, das sei ja nicht wirklich als Fluch zu bewerten, und vielleicht könne man das Auto nur alkoholisiert ertragen. Weiter schlug Priol den Bogen zu Autonamen. Früher hätten Autos einfach Opel Kadett oder Opel Rekord geheißen. Mitsubishi habe mit seinem Pajero eine unglückliche Wahl getroffen, denn in Spanien bedeutet dieses Wort „Wichser“. Daraus schloss Priol: „Vielleicht ist das jetzt der neue Dienstwagen im Vatikan“. Obwohl das Publikum jetzt schon raste vor Freude, ließ Priol nicht locker, kam sogleich auf Käßmanns schnellen Rücktritt zurück, an dem Walter „Wixa“ sich ein Beispiel hätte nehmen sollen. Hier trat Priol, scheinbar peinlich berührt an sein Manuskript, korrigierte sich selbst „Mixa!“ und schob das phonetische Missverständnis auf seine Gleitsichtbrille. Natürlich folgte das Publikum bereitwillig und höchst amüsiert auch durch Finanzkrise, Bankenkrise und Klimakrise und all den Dingen, die „aus unserer Erde die Hölle eines anderen Planeten“ machen. Nach drei Stunden „Wortgefeuer“ war das Publikum ermattet und Priol sehnte sich nach einem frischen Weißbier – irgendwann geht auch ein Politsatiriker in den wohlverdienten Feierabend.

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