Essen auf Rädern

Lifeline-Kapitän Claus-Peter Reisch beim BRK Landsberg an Bord

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Wie eh und je gut gelaunt und hoch motiviert: BRK-Mitarbeiter Axel Sander, der soeben neue Mitarbeiter für „Essen auf Rädern“ eingewiesen hat.

Landsberg – Selbstbestimmt in den eigenen vier Wänden zu leben, das ist der Traum vieler älterer Menschen. Um diese Vorstellung so lange wie möglich aufrecht zu erhalten, nehmen sie ambulante Pflegedienste in Anspruch oder lassen sich täglich eine warme Mahlzeit nach Hause bringen. In Zeiten von Corona sind sie mehr denn je auf diese Hilfeleistungen angewiesen. Und dennoch: Plötzlich ist alles anders.

Wenn sich die Mitarbeiter des Roten Kreuzes Landsberg ab 9 Uhr morgens tagtäglich in der Celsiusstraße einfinden, um die Essenstouren vorzubereiten, dann herrscht auf den ersten Blick die übliche professionelle Routine. Im Kühlraum liegen die nach Datum sortierten Tagesmenüs, die Tourenpläne akribisch ausgearbeitet in roten Mappen, die jeder Mitarbeiter mit sich führt und aus denen er entnehmen kann, worauf bei jedem Kunden individuell zu achten ist.

Mission Lifeline war gestern, jetzt ist „Essen auf Rädern“ angesagt: See-Notrettungs-Kapitän Claus-Peter Reisch vor der Kühlkammer des BRK-Landsberg in der Celsius-Straße.

Seit Ausbruch der Corona-­Pandemie gibt es vermehrt den Hinweis: „ Bitte Essen nur vor die Tür stellen“. Aus Angst, sich anzustecken oder irgendetwas in diesen unsicheren Zeiten falsch zu machen, verzichten einige darauf, das Essen in den Warmhalteboxen persönlich überreicht zu bekommen und dabei ein paar Worte mit anderen zu wechseln. Das ist umso tragischer, weil etliche alleinstehende Ältere ohnehin nur noch wenige Kontakte zu anderen Menschen haben. Social Distance in extremster Form. Selbst darauf verzichten sie in Zeiten der Corona-Krise.

Vor allem völlig Alleinstehende tun das schweren Herzens, denn normalerweise ist die Mittagszeit ein kleiner Höhe- und Fixpunkt in ihrem Tagesablauf. Manche schauen genau auf ihre Uhr und sind selbst von kleineren Abweichungen irritiert und verunsichert. Das gilt gegenwärtig mehr denn je.

Auch deshalb musste ein weiterer Ofen zum Aufbereiten der Speisen in Betrieb genommen werden. Gleichzeitig wurde eine zusätzliche Essen-auf-Räder-Tour ins Angebot aufgenommen. „Die Nachfrage ist deutlich größer geworden“, erklärt Marianne Asam, die Bereichsleiterin für die Servicedienste beim BRK-Kreisverband Landsberg. „Aufgrund der noch strengeren Hygienevorschriften tragen die Mitarbeiter seit dieser Woche einen Mundschutz und nach jedem Kunden ist es Pflicht, neue Hygienehandschuhe überzustreifen. Das nimmt zusätzliche Zeit in Anspruch“.

An Mitarbeitern mangelt es zum Glück nicht. Studenten oder neue Ehrenamtliche, wie etwa der Landsberger Claus-Peter Reisch, bis vor kurzem noch Seenotrettungs-Kapitän auf dem Mittelmeer, haben sich umgehend zur Verfügung gestellt. Andere, wie Mitarbeiter aus den derzeit geschlossenen BRK-Kindergärten, sind froh, dass ihnen, wie sie erzählen, „zu Hause nicht die Decke auf den Kopf fällt.“ Derweil schreibt Asam unermüdlich Mitteilungen, informiert über den aktuellen Stand der Krise und kann mit Nachrichten beruhigen, die andernorts immer noch für Unruhe sorgen. In den ebenfalls geschlossenen BRK-Kleiderläden haben sich zwei Mitarbeiterinnen umgehend an Nähmaschinen gesetzt und kurzerhand Schutzmasken hergestellt. Alles wie gehabt? Irgendwie schon, und doch ganz anders.
Karla Schönebeck

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