Aus dem Nähkästchen

Gardi Hutter bezaubert mit ihrem Clowntheaterstück „Die Schneiderin“. Foto: Eckstein

Eine Frau landet in einer Mülltonne, rammt sich dabei eine Schere in den Kopf und versucht, blutüberströmt und mit einem Loch im Kopf weiterzuleben. Ein Splatter? Nein, nur die (sehr) grobe Zusammenfassung von Gardi Hutters bezauberndem Clowntheaterstück „Die Schneiderin“, mit dem sie1 im Stadttheater gastierte.

Wer Gardi Hutter kennt, weiß, dass es mit dieser knappen Handlung alleine nicht getan ist. Die Platte des Schneidertisches ist ihre Bühne, und die Redewendung „aus dem Nähkästchen plaudern“ bekommt bei ihr ganz neue Dimensionen. Grotesk ausgestopft, mit einem bunten Patchwork-Kleid angetan, erweckt die Clownin ihr Requisiten zum Leben: aus Garnrollen werden Puppen, die ein Liebesdrama erzählen, unfertige Kleider, die an einer überdimensionalen Wäschespinne hängen, tanzen miteinander und bekommen Babyschneiderpuppen. Zu den temperamentvollen Klängen von Offenbachs Can Can wird aus einer Schneiderarbeit ein furioses Spektakel. Soweit, so gut – wäre da nicht dieser Arbeitsunfall. Im Überschwang landet die Schneiderin in ihrer Restetonne und taucht mit einer riesigen Schere im Kopf wieder auf. Von da an passieren seltsame Dinge… Die Schneiderin kämpft nun nicht mehr mit ihren Stoffballen, sondern gegen den Tod, der sich ihr als eigenes, schwebendes (eher flatterndes) Spiegelbild präsentiert. Mit allen möglichen Tricks versucht sie, das Ende hinauszuzögern, wobei sich nun die wahre Größe der Clownskunst zeigt, die Tragikomik. Doch egal, ob lustig oder tragisch, Gardi Hutter zieht das Publikum in ihren Bann, weckt Phantasie, Lachen, Rührung und Nachdenklichkeit und zeigt, dass sie zu Recht als die beste Clownin Europas gilt.

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