Naht das Ende vieler Hauptschulen? SPD-Kommunalpolitiker über die Schullandschaft

Über die Zukunft der Schullandschaft im ländlichen Raum hat am Mittwoch die SPD-Landtagsabgeordnete und Bildungsexpertin Karin Pranghofer in Landsberg referiert. Sie sieht durch die geplante Einführung der Mittelschulen das Ende der wohn- ortnahen Hauptschule in den nächsten Jahren voraus. Für den Landkreis prognostizierte Oberbürgermeister Ingo Lehmann, dass von den derzeit neun Hauptschulen bestenfalls drei oder vier Standorte stehen bleiben – „und auch das nur, wenn sie Mittelschulverbünde eingehen.“

Möchte eine Hauptschule zur Mittelschule werden, muss sie eine Reihe von Kriterien erfüllen, die eine bestimmte Größe voraussetzen, erläuterte Pranghofer beim SPD-Kommunalpolitikertreffen im neuen Sitzungssaal des Rathauses. So muss es die Zweige Technik, Soziales und Wirtschaft geben, dazu Ganztagsangebote, Schulso-zialarbeit und individuelle Förderstunden ähnlich dem Intensivierungsunterricht am Gym- nasium. „Realistischer Weise sind für eine solche Differenzierung mindestens 300 Schüler erforderlich“, so Pranghofer. Schülertourismus Kleinere Hauptschulen stünden vor der Wahl, geschlossen zu werden oder Schulverbünde mit anderen Standorten zu schließen. Die Folge wäre ein immenser Schülertourismus mit allen Nachteilen für die betroffenen Kinder und die Kommunen, die den Transport bezahlen müssten. „Das Kultusmi- nisterium gibt die Verantwortung nach unten ab, und die Bürgermeister bekommen die Prügel, wenn einzelne Standorte nicht überleben“, bilanzierte Pranghofer. Ob der neu geschaffene Mittelschulabschluss dann tatsächlich so wertvoll sei, bezweifelte sie ebenfalls. Die Wirtschaft habe auch den M-Zug-Abschluss der Hauptschule nicht wirklich akzeptiert, nach wie vor werde bei Bewerben auf den klassischen Realschulabschluss Wert gelegt. „Welchen Mehrwert haben Eltern, wenn sie ihr Kind auf die Mittelschule schicken? Die meisten werden weiterhin die Realschule wollen.“ Auch OB Lehmann betonte, er sehe die isolierte wohnortnahe Hauptschule im Landkreis vor dem Aus. Von den neun Standorten – Landsberg mit der Fritz-Beck- und der Schlossbergschule, Weil, Fuchstal, Dießen, Kau- fering, Rott, Utting und Windach – würden höchstens vier in Form von Verbünden bestehen bleiben können. Schondorfs Bürgermeister Peter Wittmaack erklärte, die Kommunen würden sicherlich um ihre Hauptschulen kämpfen. Er glaube nicht an die Nachhaltigkeit der Mittelschulen. „Was ist, wenn in einigen Jahren dann doch die sechsjährige gemeinsame Schulzeit kommt?“ Seit langem fordert die SPD die Abschaffung des Übertrittsverfahrens, das „nach willkürlichen Parametern die Kinder falsch in Schubladen sortiert“ (Pranghofer). Auch Lehrer und Eltern seien damit sehr unzufrieden.

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