Ganz oder gar nicht zum MVV

MVV-Beitritt des Landkreises Landsberg rückt näher

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Das freut nicht nur Bahnpendler: Eine bis zum Knotenbahnhof Kaufering reichende MVV-Anbindung wird immer wahrscheinlicher.

Landkreis – Bis es so weit ist, werden noch ein paar Jahre ins Land ziehen. Aber dass der Beitritt des Landkreises Landsberg zum Münchener Verkehrs- und Tarifverbund MVV kommen wird, ist eigentlich klar. In der jüngsten Sitzung des Kreis­ausschusses wurde die Teilnahme an der Grundlagenstudie des Staatsministeriums für Wohnen, Bau und Verkehr zur Erweiterung des MVV-Gebietes als Kreistagsempfehlung einstimmig beschlossen. Auch der Beschluss zur Ausschreibung eines Nahverkehrsplanes – eine Grundvoraussetzung des Verkehrsministeriums für einen MVV-Beitritt – fiel ohne Gegenstimme.

„Die Kleinteiligkeit der Verkehrsverbünde in Bayern soll sich ändern, vor allem um München herum“, referierte Dietmar Winkler, ÖPNV-Beauftragter des Landratsamtes. Dafür sei im Verkehrsministerium eigens ein Referat gegründet worden, das „Referat 63“. Damit die Erweiterung auch von den Landkreisen gestemmt werden kann, stellt der Freistaat eine umfassende Förderung in Aussicht: Um das bisherige No-Go für einen MVV-Beitritt, also die vom Landkreis zu zahlenden Harmonisierungs- und Durchtarifierungsverluste – also die ‚Miesen‘, die die heimischen Busunternehmen durch den günstigeren MVV-Tarif einfahren – aus dem Weg zu räumen, verspricht Bayern bis 2026 eine Zweidrittel-Förderung dieser Verluste. Und ab 2026 sogar eine hundertprozentige. Bisher rechnet man die Verluste auf jährlich rund 6,5 Millionen Euro.

In der Grundlagenstudie, die 2020 und 2021 laufen soll, werde man vorerst nur die Schienen­situation betrachten, so Winkler. Möglich sei die Erweiterung des MVV auf die Landkreise Pfaffenhofen, Landshut, Mühldorf, Rosenheim, Miesbach, Bad Tölz/Wolfratshausen, Garmisch-Partenkirchen, Weilheim/Schongau und Landsberg. In der Studie werde man sowohl eine Ver­kehrs­erhebung durchführen (Phase 1) als auch Aspekte wie den Zeitpunkt eines möglichen Beitritts klären (Phase 2). Die Studie werde zu 85 Prozent vom Freistaat gefördert. „Für den Landkreis werden also circa 20.000 bis 30.000 Euro anfallen“, rechnet Winkler. Der Kreis­ausschuss empfiehlt dem Kreistag einstimmig, die Studie mitzufinanzieren.

Zwar wird in der Studie vorerst nur die Schiene untersucht, aber der Freistaat will eine Ganz-oder-gar-nicht-Lösung: Auch der Busverkehr – und mit ihm das „MVV-Outfit“, die Qualitätsstandards für Busse, Haltestellen und Personal des MVV – muss mit in den Tarifverbund. So sollen beispielsweise Bahnhöfe verstärkt durch Busse bedient werden. Um dafür gerüstet zu sein, fordere das Verkehrsministerium von jedem Studienteilnehmer einen Nahverkehrsplan, erläuterte Winkler. Dieser Plan diene als „Rahmen für die Ausgestaltung des ÖPNV“ und solle „das spezifische Wissen und die jeweiligen Erfahrungen der Planungsbeteiligten nutzbar“ machen. Und „klar die Willensbekundung zum MVV-Beitritt“ dokumentieren. Wobei die Anpassung des Busverkehrs letztendlich bis zu zehn Jahre dauern werde, ist Winkler überzeugt.

Renate Standfests (GAL) Einwand, bei einem Nahverkehrs­plan gelte es, nicht nur die MVV-­Anforderungen zu erfüllen, sondern auch auf die Bedürfnisse vor Ort zu achten, entkräftete Winkler mit dem Hinweis, dass der ‚Soll-Zustand‘ vom Kreistag selbst festgelegt werden könne. „Wir können angeben, was wir wollen.“ So sei es auch möglich, die Stadtbusse in Landsberg in den Plan aufzunehmen, antwortete er Oberbürgermeister Mathias Neuner (CSU). Oder auch, wie von Monika Groner (GAL) angeregt, die Kleinbusse und Sammeltaxen ins gewünschte Konzept zu integrieren.

Die Erstellung des Plans anhand der umfangreichen Leitlinie des Freistaates zur Nahverkehrsplanung gebe es jedoch „nicht in einer Lightversion, das ist komplex“, warnte Winkler – weshalb ein Planungsbüro damit beauftragt werden soll. Man rechne mit Kosten von rund 150.000 Euro. Der Beschluss zur Ausschreibung der Planerstellung fiel einstimmig.
Susanne Greiner

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