Nasslagerplatz eingeweiht:

Für mehr Ruhe nach dem Sturm

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Begutachteten das erste nassgelagerte Holz in Stillern (v. links): Angelika Schorer (Vorsitzende des Beirats der Bayerischen Staatsforsten), Johannes Erhard (Bürgermeister Penzing), Helmut Brunner (Bayerischer Forstminister), Peter Ditsch (Stellvertretender Landrat) und Robert ­Bocksberger (Forstbetriebsleiter Landsberg).

Stillern – Wiebke, Kyrill und Niklas – sie zählen zu den verheerendsten Stürmen, die in den vergangenen Jahrzehnten über Deutschland hinwegfegten und beträchtliche Schäden anrichteten. Auch in den Wäldern waren die Folgen schwerwiegend, wo etliche Bäume dem Wind nicht standhalten konnten. Mit der Einrichtung von sogenannten Nasslagern rüsten sich die Bayerischen Staatsforsten für künftige Katastrophenfälle. In den Lagern, von denen das erste im Landkreis nun in Stillern bei Penzing eingeweiht wurde, bleibt nach Stürmen eingelagertes Holz dank stetiger Bewässerung gut erhalten.

Bis zu 100.000 Festmeter Rundholz lassen sich ab sofort in der Penzinger Einöde einlagern – für eine Zeit bis zu drei bis fünf Jahren, schätzt Robert Bocksberger, Forstbetriebsleiter in Landsberg. Bewässert werde das Holz von „überdimensionierten Rasensprengern“, wie Bocksberger für Laien veranschaulichte. Um die Wassermassen ständig parat zu haben, wurden in Stillern zwei 30 Meter tiefe Brunnen gegraben, aus denen pro Sekunde bis zu 130 Liter Wasser elektronisch hochgepumpt werden können. Davon werden auch die Feuerwehren Penzing und Schwifting profitieren, die dort Wasser beziehen.

Warum die intensive Bewässerung? Liegt der Feuchteanteil im Holz um die 100 Prozent, können sich weder Pilze bilden noch Borkenkäfer vermehren. So erfährt das Holz keinen Qualitätsverlust und bleibt für Sägewerke erhalten – und das ohne den Einsatz zusätzlicher Chemikalien.

Das ist auch aus wirtschaftlicher Sicht ein großer Vorteil: Das Überangebot an Holz könne so entzerrt werden, erklärt Bayerns Forstminister Helmut ­Brunner (CSU). Besonders nach Stürmen hätte der massive Holz­einschlag in der Vergangenheit die Marktpreise für den Rohstoff stark gedrückt. Die Nasslager sorgen also für mehr Preisstabilität. Deshalb, so der Forstminister, „ist es im Interesse aller, dass wir eine Ausweichmöglichkeit haben, wenn die Natur uns überrumpelt.“

Mit dem 10.000 Quadratmeter großen Areal in Stillern seien die Bayerischen Staatsforsten ihrem perspektivischen Ziel „einen Schritt näher gekommen“, sagt Brunner. Bis 2020, so sein Plan, wolle man insgesamt Lagermöglichkeiten für zwei Millionen Festmeter Rundholz in Bayern schaffen. Die bestehenden Nasslager ermöglichen derzeit bei Vollauslastung 1,4 Millionen Festmeter. Wie viel Potenzial für Nasslager aber noch vorhanden wäre, zeigt unter anderem das Resultat von Orkan Wiebke (1990) – rund 20 Millionen Festmeter Holz fielen dem Sturm damals zum Opfer, sagt Robert Bocksberger.

Für das Nasslager in Stillern, das binnen zwei Jahren Planungs- und Bauzeit errichtet wurde, hofft der Landsberger Forstbetriebsleiter: „Es ist ein Erfolg, wenn es nie gebraucht wird.“ Dafür müsse schließlich zuvor ein Katastrophenfall eintreten. Dass sich die Investition von etwa 800.000 Euro für das Lager trotzdem gelohnt haben, da sind sich die Initiatoren einig.

Im laufenden Betrieb werden künftig mit Bäumen beladene 40-Tonner nach Stillern rollen. Der Standort dafür scheint ideal: Obwohl die schweren Lkw durch Penzinger Gemeindegebiet rauschen, müssen sie nie direkt an Wohngebieten vorbei. Die Anbindung über die A96 ist gut – parallel zur Autobahn und fernab jeglicher Anwohner führt der Fahrtweg in die abgelegene Einöde.

Marco Tobisch

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