Natur statt Bootshütte und Steg – Freistaat Bayern pocht auf sein Vorkaufsrecht

Der Ammersee-Fischer Hans Ernst ist ein weiteres Mal vor Gericht gegen den Freistaat Bayern gescheitert: Weil das Land sein Vorkaufsrecht ausübt, muss der St. Albaner einen Teil des Grundstücks bei der ehemaligen Brackenhofer Villa abgeben. Steg und Bootshaus sollen verschwinden, der Bereich renaturiert werden.

Der Rechtsstreit um die Beseitigung der Bootshütte im Süden von St. Alban läuft seit Anfang des Jahres 2006. Während der Freistaat an der Villa westlich des Seeweges nicht interessiert ist, soll das seeseitige Grundstück inklusive des Abstellplatzes für Autos wieder der Natur überlassen werden – die Schlösser- und Seenverwaltung spricht schlicht von Renaturierung. Davon betroffen sind eine Bootshütte und ein Steg, der von Anwohnern mit benutzt wird. Beide müssen abgebaut werden, wie es un- missverständlich in einem Urteil heißt. Dieses war bereits im Juni 2008 vor dem Landgericht Augsburg gefällt worden, jetzt mit der Ablehnung der Berufung erneut bestätigt worden und wird demnächst rechtskräftig. „Das Urteil dient dem Naturschutz“, erläutert Dr. Jan Björn Potthast, Sprecher der Schlösser- und Seenverwaltung in München. Ähnlich sei auch bereits im Bereich der Schwedeninsel seitens des Gerichts entschieden worden, wegen der Fischer Ernst jahrelang prozessierte. Der Dießener hatte damals – ebenfalls das Vorkaufsrecht ignorierend – die alte Gaststätte auf der Halbinsel im hoch sensiblen Naturschutzgebiet erworben, und musste diese wieder abgeben. Im vergangenen Jahr war daraus ein großer Streit entbrannt, weil die Fischereigenossenschaft unter Vorsitz wiederum von Hans Ernst die seitens des Freistaates nicht ganz ordnungsgemäß entsorgten tonnenschweren Überreste des Hauses fotografiert und mit dem Vorwurf des Umweltskandals an die Öffentlichkeit gegangen war (der KREISBOTE berichtete). Neben Steinen und Holzteilen waren auf der Schwedeninsel größere Mengen Glaswolle, Heraklithplatten, Dachpappe und andere Stoffe gefunden worden, die dann in einer sehr aufwändigen Aktion entfernt wurden. Erneut für Schlagzeilen sorgten die Ammerseefischer dann im Herbst, als sie das Ruhezonenkonzept für den Ammersee kritisierten. Die im Rahmen der Vorarbeiten am Gewässerentwicklungsplan gemachten Analysen von Umweltschützern wurden als „Bespitzelungen der Bevölkerung nach Stasi- Methoden“ bezeichnet. Die Fischer begründeten ihre Öffentlichkeitsarbeit damit, dass sie massive Einschränkungen ihres Berufsfeldes wie auch für Einheimische und Touristen befürchten, die den Ammersee als Erholungsgebiet nutzen. Weitere Einschränkungen? Gewisse Einschränkungen könnten für die Fischer hinzukommen, wenn das Landratsamt Landsberg auf das jüngste Bojen-Urteil reagieren muss (siehe Seite 1), auch bei der Vergabe des Jagdrechtes gingen die hiesigen Fischer diesmal leer aus. Hütte und Steg müssen demnächst entfernt werden. „Kommt Herr Ernst dem nicht nach, wird die Schlösserverwaltung die Zwangsvollstreckung des Urteils erreichen“, sagt Potthast. Hans Ernst wollte auf Anfrage des KREISBOTEN zu der Angelegenheit keine Stellungnahme abgeben.

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