Testpflicht für den Schulunterricht im Landkreis Landsberg

Negative Tests als »Eintrittskarten« : Wie läuft der Schulstart mit Corona-Tests?

Schüler vor der Eingangstür des Dominikus-Zimmermann-Gymnasiums
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Schulstart am DZG bei Schneeregen. Vor dem Unterrichtsbeginn heißt es aber erst einmal: selber testen.
  • vonAndrea Schmelzle
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Landkreis – Die Osterferien sind vorbei – seit heute heißt es für die Schüler im Landkreis wieder: Schulbank drücken. Und zwar „real“ im Wechselunterricht. Persönlich am Unterricht teilnehmen kann allerdings nur, wer einen negativen Corona-Test vorweist. Denn laut Beschluss der Staatsregierung gilt für Bayern: Auch mit einer Inzidenz von unter 100 müssen sich Schüler und Lehrer für den Präsenzunterricht künftig zweimal wöchentlich testen lassen. Ohne Test kein Unterricht.

Freitagnachmittag hieß es für einige freiwillige Lehrkräfte des Dominikus-Zimmermann-Gymnasiums: Pakete packen, damit für Montag alles bereitsteht. Darin enthalten: FFP2-Maske, Handschuhe, Wäscheklammern zum Befestigen des Teströhrchens, Küchenrolle, Desinfektionsspray – somit gewappnet für die Durchführung der Selbsttests. Mit denen war das Gymnasium ausreichend bestückt. „2.500 Tests haben wir noch im Haus“, sagt die stellvertretende Schulleiterin Martina Beck am Montag. 74.000 Selbsttests wurden über die Katastrophenschutzbehörde des Landratsamtes bisher insgesamt an die Schulen im Landkreis verteilt, berichtet Anna Diem, Mitarbeiterin der Pressestelle. Weitere 64.000 Tests, die für 14 Tage reichen, würden diese Woche ausgeliefert.

Für das DZG bedeutet die neue Vorgabe eine Planänderung. Bisher basierte das Testen auf Freiwilligkeit. „Dafür hatten wir schon vor den Ferien hunderte von Einverständniserklärungen eingesammelt“, erzählt Beck. Erst Freitag, Punkt 14.45 Uhr, gab es die neuen Anweisungen seitens des Kultusministeriums. Der ursprüngliche Plan einer Teststrecke außerhalb der Klassenzimmer des DZGs für eine freiwillige Testung während des gesamten Schultages wurde verworfen: „400 Schüler und 40 Lehrkräfte nun gleichzeitig zu testen, funktioniert nur im Klassenzimmer, und zwar unter der Obhut der Lehrkraft der ersten Stunde“, meint Beck.

Der Plan

Die Selbsttests sollen zweimal pro Woche, montags und donnerstags, gleich vor Unterrichtsbeginn starten. Die Lehrkräfte begleiten, informieren und betreuen die Schüler bei der Durchführung der Tests. „Wir erklären den Kindern genau, wie alles funktioniert. Dann packen wir gemeinsam den Test aus und es kann losgehen“, erläutert Beck. Durchgeführt wird er von den Kindern selbst. Die Lehrer dürfen nicht eingreifen – aus Sicherheitsgründen. Die Tests seien einfach in der Handhabung. „Nach 15 Minuten schauen wir auch alle gemeinsam auf unsere Ergebnisse“, sagt Beck. Das erfordere eine Vertrauens­ebene, die das Kultusministerium in einer Klasse als gegeben betrachte. Dennoch: „Für uns eine große Aufgabe“, meint Beck.

Im Falle eines positiven Tests, greife folgender Ablauf: Das Kind wird isoliert, die Eltern benachrichtigt, das Kind muss die Schule verlassen, die Eltern rufen beim Gesundheitsamt an, ein PCR Test wird gemacht. Denn ein positives Selbsttestergebnis lasse keinen zwingenden Rückschluss auf eine tatsächliche Corona-Infektion zu. Wenn der ‚große‘ Test negativ ausfällt, kann das Kind wieder in die Schule. Ansonsten: Quarantäne. Und die anderen Kinder der Klasse? „Darüber entscheidet das Gesundheitsamt“, erklärt Beck. „Wir haben hier keine Handhabe.“ Jedoch erscheine eine Ansteckung dank der Vorsichtsmaßnahmen – Abstand, Maske, lüften – sehr unwahrscheinlich. Das Abnehmen der Maske für den Test dauere auch nur 20 Sekunden.

Mit der Testpflicht an Schulen wurde eine Maßnahme umgesetzt, gegen die sich sowohl lokale Elternbeiräte als auch Lehrerverbände wehren, die die Auswirkungen auf die Kinder aus psychologischer Sicht und aus Gründen der Infektionseindämmung als kritisch erachten. Wenn Eltern oder Schüler eine Selbsttestung an der Schule nicht wünschen, können sie alternativ einen aktuellen negativen PCR- oder POC-Antigenschnelltest vorzeigen, erklärt Beck. Der muss durch medizinisch geschultes Personal durchgeführt werden und darf bei einer Inzidenz unter 100 nicht älter als 48 Stunden sein. Für diejenigen, die gar keinen Test machen möchten, heißt es: Distanzunterricht.

„Es ist uns bewusst, dass die Verpflichtung kontrovers diskutiert wird“, sagt Beck. „Wir werden aber unser Bestes tun, die Tests mit unseren Schülern so sauber und behutsam wie möglich durchzuführen.“ Zudem plane man, die Kinder sensibel für den Fall eines positiven Ergebnisses vorzubereiten. „In Gesprächen machen wir ihnen klar: Jeder lässt sich testen für das Wohl der anderen.“ Gemeinsam würde man alles tun, um die Betroffenen zu unterstützen, mitzutragen und aufzubauen, so Beck.

Die Umsetzung

Leider durfte der erste Testtag aus Datenschutzgründen redaktionell nicht begleitet werden. Alles lief jedoch nach Plan, versichert Beck. Es habe weder Ärger noch Stress gegeben. „Wir sind zufrieden mit dem Ablauf“, sagt Beck, „und können die ganze Aufregung nun ein wenig entkräften.“ Wie gut Schulen die Testungen tatsächlich umsetzen, wird sich weiter zeigen. Wie erfolgreich die Maßnahme ist, auch. Der Starttag habe aber gezeigt, dass das Thema nicht so angstbelegt sein muss, meint Beck. Vielleicht werde im Laufe der Zeit erkannt: Testen ist etwas ganz Normales. Und vielleicht sei das ein Beitrag für einen Weg aus der Pandemie.

Wenn die Inzidenz jedoch weiterhin bei über 100 – wie am Startmontag – liegt, heißt es für die meisten Schüler wieder Distanzunterricht ab nächster Woche. Für einige, etwa die Abschlussklassen, gilt die 24-Stunden-Test-Frist. Und das heißt: dreimal pro Woche testen.

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