Carlos Cipa und Occupanther:

Klassik in Jeans und Turnschuhen

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Neo Klassiker in Aktion: Das Trio aus Carlos Cipa am Flügel und anderen Tasteninstrumenten, Martin Brugge alias Occupanther an den Knöpfen und Simon Popp an den Drums begeisterte das Publikum im Stadttheater.

Landsberg – Carlos Cipa ist in Landsberg bekannt. Ebenso seine Musik: Ätherisch anmutende Eigenkompositionen mit elektronisch verstärkten oder verfremdeten Effekten. 2015 spielte er in der Lechstadt zur Eröffnung von Elektro-Koryphäe Hauschka. Am Freitagabend im Stadttheater war er der Hauptakt. Mit dabei hatte er Elektrogenie Markus Brugge alias Occupanther und den Drummer Simon Popp. Im Trio, Duett oder Cipa solo: ein Abend voller Harmonien – und deren Brechung.

Elektronisch erzeugte Klänge verweben sich. Darin einzelne Viertel vom Klavier, sparsam gesetzt wie Tropfen. Schließlich ein Rhythmus, synkopisch. Der dem ruhigen Tonfluss eine ganz andere Energie verleiht. Das ist der Beginn von „Trow“, dem Titelstück von Cipas und Occupanthers gemeinsamen Album. Kommen die Rhythmen auf dem Album von Occupanthers Mischpult, spielt sie Popp beim Auftritt in Landsberg live. Präzise, mit kleinen Varianten. Alle drei sind lässig gekleidet, Jeans und Turnschuhe. Denn was sie spielen, ist nicht die ernste Klassik. Es ist Musik auf der Grenze von U- und E: Neo Klassik.

Präparierte Klaviere, E-Geigen, Geräusche. Der Computer als gleichwertiges Instrument. So könnte man die Grundzüge dieser Neo Klassik beschreiben. Eine oft gefühlvolle Musik, hart am Rand zum Kitsch. Musik, die vielen gefällt. Vielen aber auch nicht. Insbesondere nicht den Klassikfreunden. Die deklarieren Neo Klassik als „so spannend, wie sich einen Sonnenuntergang nicht in echt, sondern auf Instagram anzuschauen“. Andere sind begeistert. Denn diese Musik lässt aufhören, ist experimentell. Ihr Mantra ist die Reduktion. John Cage, Philip Glass lassen grüßen. Sie zitiert Klassik im neuen Gewand. Und führt sie somit vom Gestern ins Heute.

Cipa, Occupanther und Popp haben alle einen Knopf im Ohr. In-Ear-Monitoring, um genau das zu hören, was man selbst spielt. Cipa setzt mit schnellen Staccato ein, dazu Popp, der dem Ganzen den rhythmischen Rahmen gibt. Occupanther mischt sich wortwörtlich ebenfalls ein: Töne wie von einem schlecht eingestellten Radio, ein Fiepen und Rauschen. Und ein Bass, der im Magen brummt. Immer wieder kleine Variationen, die den Klangteppich auf einen neuen Boden legen. Schließt man die Augen, tanzen Wellen. Und trotz elegischer Melodielinien und großer Harmonien: Immer wieder kommt ein Bruch, der die Musik von „Nebenher-Gedudel“ meilenweit abgrenzt. Dabei tut der oftmalige Solopianist gut daran, sich von Mitmusikern in neue und variationsreichere Ebenen mitnehmen zu lassen.

Cipa produzierte die erste Solo-CD 2012 in seinem eigenen „Beatschuppen Studio“. Gelernt hat der in Eching geborene Musiker das Klavierspiel an der Landsberger Musikschule bei Dr. Maximilian Hofbauer. 2007 bekam er den Kulturförderpreis der Stadt. Ein kurzer Ausflug zum Schlagzeug, aber er blieb letztendlich beim Klavier. Und tourt damit nun erfolgreich durch Europa. Cipa setzt gerne auch mal eher unbekannte Instrumente ein. Zum Beispiel die Oceanharp, ein von Saiten umspannter Metallballon, der je nach Wasserfüllung unterschiedliche Laute erzeugt. Krächzende Töne, die in der Stille verhallen.

Hinter dem Künstlernamen Occupanther steckt Musikproduzent Martin Brugger. In München studierte er Jazzbass, ist inzwischen aber eine Größe auf dem Gebiet der Elektromusik. Er komponiert zudem. Gerne auch mal für spezielle Tätigkeiten, so zum Beispiel ein knapp 18 Minuten langes Stück. Zum Müllraustragen. Simon Popp hielt mit neun Jahren seine ersten Drumsticks in den Händen. Studiert hat auch er in München, Schlagzeug mit Schwerpunkt Jazz. Er und Occupanther sind Mitglied der Band Fazer. Und die bekam 2017 den Jazz Award für junge Künstler beim Jazzfestival Burghausen.

Das Publikum im gut gefüllten Theatersaal war begeistert von Cipa, Occupanther und Popp begeistert. Und klatschte solange, bis Cipa endlich zur Zugabe auf die Bühne zurückkehrte. Solo, denn mehr als die im gut 75-minütigen Konzert gespielten Stücke hatte das Trio nicht eingespielt. Solo ist Cipa auch schön. Zum Abschluss eines Konzertes ideal. Aber spannender allemal mit seinen genialen Begleitern.

Susanne Greiner

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