Zu teuer für die paar Radler:

Bergauf bleibt's in der Neuen Bergstraße für Radler holprig

+
Nicht erlaubt, aber von Polizei und Ordnungsamt geduldet: das Bergaufradeln auf dem Gehweg der Neuen Bergstraße. Und dabei bleibt es vorerst auch.

Landsberg – Wer mit dem Fahrrad die Neue Bergstraße hinauf fahren will, darf den Gehweg nutzen – aber nur, weil Ordnungsamt und Polizei ein Auge zudrücken. Offiziell für den Radverkehr freigegeben ist der Gehweg nicht, denn dafür ist er viel zu schmal. Um die Situation zu verbessern, hatte der Stadtrat bereits vor vier Jahren eine Verbreiterung beschlossen. Doch als nun konkrete Zahlen auf den Tisch kamen, wollte die Mehrheit davon nichts mehr wissen. Tenor: Die Kosten der Baumaßnahme stünden in keinem Verhältnis zum Nutzen.

Tiefbau-Referatsleiter Hans Huttenloher legte in der jüngsten Stadtratssitzung zwei Varianten vor. Im einen Fall wäre der Gehweg auf 2,50 Meter, im anderen auf 3,25 Meter verbreitert worden. Nur für die breitere Variante hätte die Stadt auf staatliche Zuschüsse hoffen können, die den kommunalen Haushalt um ein gutes Drittel der Gesamt­investition in Höhe von 1,9 Millionen Euro entlastet hätten.

Die hohen Kosten, sechs Monate Bauzeit mit halbseitiger Sperrung der vielbefahrenen Neuen Bergstraße und der dauerhafte Wegfall der Linksabbiegerspur in die Schlossberggarage – das alles sorgte bei den Stadträten für Ernüchterung. Außerdem fahren laut Zählung im Durchschnitt lediglich 136 Radler pro Tag die Neue Berg­straße hoch. Unfallzahlen, die eine Verbreiterung des Gehwegs hätten untermauern können, lagen nicht vor. Huttenloher konnte nur berichten, dass die Schutzplanke seit 1990 ledig­lich ein einziges Mal repariert werden musste.

"Es ist nicht so schön"

Felix Bredschneijder (SPD) sprach als erster aus, was sich als Mehrheitsmeinung entpuppen sollte. „Ich sehe nicht, dass wir uns das leisten können.“ Die Baumaßnahme sei für den Haushalt 2020 nicht verkraftbar. Außerdem: „Man kann ja bergauf fahren, es ist nur nicht so schön.“ Petra Ruffing (CSU) sah es ähnlich. „Das Problem ist nicht der fehlende Radweg, sondern der Berg.“

Stefan Meiser (ÖDP) winkte ebenfalls ab. Zunächst müsse die Stadt ihren Verkehrsentwicklungplan beschließen. „Vielleicht wird der Hauptplatz ja mal einspurig. Dann ist Platz genug.“ Auch Christoph Jell (UBV) will zuerst das Gesamtkonzept haben, bevor Einzelmaßnahmen angegangen werden.

Eine Lanze für die Radfahrer brachen Berthold Lesch (CSU) und die Grünen-Fraktion. Lesch verwies auf den geplanten Bau eines Kreisverkehrs an der Schwaighofkreuzung. Dort nehme man viel Geld in die Hand, um Autofahrern das Leben zu erleichtern, sei aber nicht bereit, für Radfahrer das gleiche zu tun. Moritz Hartmann (Grüne) erinnerte an das Ziel, den Radverkehr in der Stadt zu verdoppeln. „Wenn wir die Verkehrswende wollen, müssen wir auch das Geld dafür ausgeben.“

Verkehrsreferent Henrik Lüßmann (Grüne) sieht in der Stärkung des Radverkehrs eine wichtige Möglichkeit, den Pkw-Verkehr einigermaßen in Grenzen zu halten. „Wir müssen 25 Prozent der Leute aufs Fahrrad bringen, damit die Zahl der Autos nicht noch weiter steigt.“

Es half alles nichts. Mit 5:17 beziehungsweise 2:19 Stimmen wurden beide Verbreiterungsvarianten mit klaren Mehrheiten abgelehnt.

Ulrike Osman

Auch interessant

Meistgelesen

Ruethenfest erobert die Stadt
Ruethenfest erobert die Stadt
"Carmina Burana" auf dem Landsberger Hauptplatz
"Carmina Burana" auf dem Landsberger Hauptplatz
Und wieder siegt das Gute
Und wieder siegt das Gute
Auszeichnung der besten Mittelschulabsolventen des Landkreises
Auszeichnung der besten Mittelschulabsolventen des Landkreises

Kommentare