Stiftung erfüllt Liselotte Orffs Wunsch:

Ein neuer Standort für das neue Carl-Orff-Museum in Dießen

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Einladend sieht der Entwurf der Münchener Architektengruppe Meck für das neue Carl-Orff-Museum am Ziegelstadel in St. Georgen aus. Wohn- und Arbeitshaus von Carl Orff sollen durch einen Zwischenbau und ein drittes Gebäude ergänzt werden.

Dießen – „Jetzt wächst zusammen, was zusammen gehört.“ Den legendären Willy Brandt-Satz hat sich Dießens Rathauschef und Orff-Kuratoriumsvorsitzender Herbert Kirsch zu eigen gemacht. In seiner letzten Amtsperiode als Bürgermeister wollte er unbedingt noch den Herzenswunsch der Orff-Witwe Liselotte auf den Weg bringen: das 1991 eröffnete Carl Orff Museum in der Hofmark auf das Orff-Anwesen am Ziegelstadel in St. Georgen verlegen.

Quasi als Geschenk zum 124. Geburtstag von Carl Orff und um die baurechtlichen Grundvoraussetzungen zu schaffen, haben Marktgemeinde und Kuratorium einen „nicht offenen Realisierungswettbewerb“ durchgeführt. Der wurde wegen der „städtebaulichen und kulturellen Auswirkungen auf den Hauptort Dießen“ mit Mitteln aus der Städtebauförderung bezuschusst.

19 Planungs- und Architektur­büros aus Deutschland und dem benachbarten Ausland haben ihre Vorschläge eingereicht, aus denen eine Jury jetzt zwei 2. Preise und zwei Anerkennungen vergab. Je 13.500 Euro bekamen die Meck Architekten GmbH aus München und die Dasch Zürn+Partner Architekten aus Stuttgart. Für die „Anerkennung“ erhielten die Meierplus Architekten aus Augsburg sowie die Reichel Schlaier Architekten GmbH aus Stuttgart je 8.500 Euro. Da es also keinen eindeutigen Sieger gab, werden die beiden Zweitplazierten ihre Entwürfe nochmals modifizieren und ein Angebot vorlegen. Marktgemeinde und Orff-Stiftung entscheiden dann gemeinsam, welcher Entwurf letztend­lich umgesetzt wird. In der Zwischenzeit wird ein Bebauungsplan erstellt.

Die Wettbewerbsteilnehmer mussten respektvoll und sensibel bei ihren Planungen vorgehen, da sowohl das Orffsche Wohn- und Arbeitshaus in St. Georgen seit 2018 unter Denkmalschutz stehen. Carl Orff hatte das Anwesen 1954 mit seiner Ehefrau, der Schriftstellerin Luise Rinser, gekauft und umbauen lassen. Orff wollte bei der Umgestaltung der Gebäude ein durch eine überdachte Pergola verbundenes Wohn- und Arbeitshaus schaffen, in dessen ersten Stock er sich seine „Werkstatt“ einrichtete und das Erdgeschoss für seine Instrumentensammlung nutzte. 27 Jahre sollten ihm hier letztlich vergönnt sein.

Beim Entwurf von Dasch Zürn+Partner rückt das neue Museumsgebäude vollständig von den Bestandsbauten ab. Die notwendige Verbindung zum Arbeitshaus erfolgt ausschließlich über das Untergeschoss. Damit trete der Neubau nicht in Konkurrenz zu den bestehenden Häusern, sondern ergänze sie durch einen „weiteren musikalischen Akkord“, so die Planer. Aus der geometrischen Grundrissform zweier Dreiecke haben sie einen „äußerst spannenden Baukörper mit interessanter Dachform entwickelt, der vielfältige und ungewöhnliche Raumerlebnisse erwarten lässt.“ Die Besucher gelangen über einen einladenden Vorplatz mit überdachtem Eingangsbereich in das großzügige Foyer mit Kasse, Garderoben und WC.

Ganz anders der Entwurf der Münchener Meck-Architekten. Sie verbinden Wohn- und Arbeitshaus sowie Pergola mit einem eingeschossigen Flachbau und einem dritten Haus. Der Eingang des Museums befindet sich dabei an der Nord­ostseite. Der zwischen die drei Hauptbaukörper geschobene eingeschossige Zwischenbau nimmt das Foyer, einen Lichthof, das Schulwerk, die Instrumentenausstellung sowie das „Arbeitszimmer 2.0“ auf. Die Jury urteilte: „Insgesamt stellt diese Arbeit einen sehr guten Bezug zur gestellten Aufgabe dar. Die Balance zwischen Stärkung des Bestandes und der Entwicklung einer eigenständigen Museumsidentität ist gelungen.“ Das dritte Gebäude erhält ein gegenläufiges Tonnendach aus Kreis und Bogen, abgeleitet vom „Rad der Fortuna“ im Garten des Anwesens.

Gemäß dem Orff-Kuratorium soll am Ziegelstadel ein ein Museum entstehen, das Leben und Werk des großen Komponisten zum Schauen, Zuhören, Lesen und Tun präsentiert. Es richtet sich nicht nur an Besucher aus der Region, sondern auch an ein überregionales Publikum aus Kultur- und Musikinteressierten sowie an die internationale Gemeinschaft der Orff-Experten. Laut Generalsekretärin Judith Janowski versteht sich das Museum als „generations- und kulturübergreifende sowie familienfreundliche Institution für Bildung und Kommunikation“.

Dieter Roettig

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