Hürden für die Fuchstalbahn

Gemeinsam an einem Strang?

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Die Reaktivierung der Fuchstalbahn ist ihr Ziel (von links): IFB-Vorsitzender Tyll-Patrick Albrecht, Bürgermeister Erwin Karg, Bundestagsabgeordneter Klaus Breil, ÖPNV-Experte Dietmar Winkler vom Landratsamt Landsberg, und Hans-Günter Schenke als Vertreter des Landrates Schongau-Weilheim

Fuchstal – In die Überlegungen, die Fuchstalbahn wieder zu reaktivieren, kommt Bewegung. So sehen es zumindest die Befürworter des Projekts, allen voran die „Initiative Fuchstalbahn“ (IFB) um ihrem Vorsitzenden Tyll-Patrick Albrecht.

In einem Pressege­spräch, an dem neben Vertretern des Landkreises Weilheim-Schongau auch der ÖPNV-Experte des Landkreises Landsberg, Dietmar Winkler, sowie Fuchstals Bürger­- meister Erwin Karg (FW) und FDP-Bundestagsabgeordneter Klaus Breil teilnahmen, wurde deutlich, dass noch einige Hürden zu nehmen sind. 

Kopfzerbrechen bereitet den Befürwortern vor allem die kritische Haltung in Landsberg zu dem Projekt. Albrecht wurde sehr deutlich und bescheinigte den Landsberger Stadtoberen im Zusammenhang mit der Fuchstalbahn „wenig Sachverstand“. Eine moderne Fuchstalbahn wäre auch für die Stadt Landsberg eine Bereicherung, sagte Albrecht. Die heraufbeschworene Gefahr eines Verkehrschaos an der Schranke in der Katharinenstraße sieht er nicht, wenn im Stundentakt die Fuchstalbahn verkehren würde.

Er verwies auf ein vergleichbares Beispiel in Bonn, wo durch geschickte Ampelschaltungen in Verbindung mit kurz gesteuerten Schrankenschließungszeiten kaum Behinderungen auf­treten würden. Tyll-Patrick Albrecht möchte gerne die Befürchtungen der Landsberger zerstreuen. Wir reden hier nicht von der alten Fuchstalbahn, sagte der Vorsitzende der gleichnamigen Initiative. In einer per E-Mail zuge­stellten Einladung zu dem Pressegespräch, in deren Verteiler auch Oberbürgermeister Mathias Neuner (CSU) aufgeführt ist, schreibt Albrecht in Richtung Lechstadt: „Gerade hinsichtlich der Lärmentwicklung seien hier Aussagen gemacht worden, die die Bürger falsch informieren und unberechtigte Ängste vor negativen Auswirkungen schüren würden“. Von der Stadt Landsberg nahm niemand am Pressegespräch teil. 

Ministeriumsmeinung

Rückblende: 2003 stieß der Wunsch einer Reaktivierung der Bahn sowohl bei der Bayerischen Staatsregierung wie auch bei der Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG) auf taube Ohren und wurde negativ beschieden. Diese Haltung änderte sich nach der vorletzten Landtagswahl. Der damals noch zuständige Minister Martin Zeil (FDP) hatte auf Vermittlung des Bundestagsabgeord­- neten Breil, in einem Spitzengespräch Unterstützung signalisiert.

Durch das Ergebnis der jüngsten Landtagswahl stehen zunächst wieder Fragezeichen über dem Projekt, wobei Klaus Breil darauf hinwies, dass die Befürwortung der Fuchstalbahn keine „Ministermeinung“ sondern „Ministeriumsmeinung“ sei. Und das wolle in jeden Regierungsbezirk Bayerns eine Strecke im Personenverkehr reaktivieren. Für die Fuchstalbahn fehlt dem Ministerium ein entsprechendes Gutachten. Und das muss erstellt werden, bevor an einem Probebetrieb überhaupt zu denken ist. Die Landräte Friedrich Zeller (SPD, Weilheim-Schongau) und Walter Eichner (CSU) haben die Finanzierung des Gutachtens be­reits zugesagt, formale Beschlüsse gibt es noch nicht.

In Landsberg wird sich die Struktur- und Verkehrskommission des Landkreises am heutigen Mittwoch damit beschäftigen. Im südlichen Nachbarlandkreis gibt es noch keinen Beratungstermin. Da die Zeit drängt, will sich Klaus Breil, der auch Kreisrat tätig ist, notfalls um den Antrag kümmern. Zunächst muss geklärt werden, ob ein komplett neues Gutachten erstellt werden muss oder ob es ausreicht, das aus dem Jahr 2002 zu aktualisieren. 

Unabhängig davon gibt es eine Reihe technischer Probleme. An erster Stelle sind die diversen ungesicherten Bahnübergänge entlang der Strecke zu nennen. Im Fuchstaler Bereich muss sogar ein Bahnmitarbeiter an einer unübersicht­lichen Stelle jeden Zug per Hand mit einem rot-weißen Absperrband absichern. Es wirkt schon fast ironisch, dass einen Tag nach der Pressekonferenz das eintrat, wovor die Initiative immer wieder warnt: ein Unfall am Bahnübergang. „Die Bahnübergänge hätten schon längst hätten gesichert werden müssen, zumal täglich vier bis sechs Güterzüge die Strecke nutzten“, bemängelt Albrecht. 

Das aber ist nicht billig, es müssen Kosten bis zu 500000 Euro eingeplant werden, wobei die Gemeinden an der Strecke sich mit einem Drittel beteiligen müssten.

Ohne Bahnhof

Fuchstals Bürgermeister Erwin Karg würde sich über eine reaktivierte Fuchstalbahn freuen. Er verwies darauf, dass bereits Mittel in die Finanzplanung eingeworben seien. Der Fuchstaler Gemeinderat stehe voll hinter dem Projekt. Im Gegensatz zu Denklingen hat Kargs Gemeinde keinen Bahnhof mehr. Auch darüber müsse man sich Gedanken machen. Neben Fragen der Finanzierung und der Streckensicherheit sind noch viele weitere Fragen offen. So muss das Eisenbahnbundesamt zum Probebetrieb befragt werden: Reichen provisorische Bahnsteige? Wer sorgt im Winter für die Streudienste? Überhaupt, so der IFB-Vorsitzende, fehlen die Definitionen für den Begriff „Probebetrieb“.

Nur mit Stadtbahn

Sollten irgendwann in naher Zukunft wirklich die leisen Züge zwischen Schongau und Landsberg im Personenverkehr rollen, müssten nach Ansicht der Verkehrsexperten die Fahrpläne der verschiedenen Bahnlinien zwischen Augsburg und anderen Städten aufeinander abgestimmt werden, „um zu einem Ringschluss“ zu kommen. Auch das Thema „Stadtbahn“ in Landsberg müsse in das Konzept der Fuchstalbahn eingebaut werden.

2017 sollen die Zugverbindungen neu ausgeschrieben werden. „Dann wäre es sinnvoll, wenn zeitgleich auch die neue Fuchstalbahn mit dabei wäre“, sagte Tyll-Patrick Albrecht. 1984 war der Betrieb der alten Fuchstalbahn eingestellt worden, deren Anfänge auf das Jahr 1886 zurückgehen. Die letzte Dampflok fuhr 1954 auf der Strecke. Heute verkehren nur einige Güterzüge täglich. Das Gleisnetz wurde und wird (derzeit im Bereich Kinsau-Hohenfurch) durch die „DB-Netz“ saniert.

Siegfried Spörer

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