Ein Stall für Pferd und Material

Ruethenfestverein plant neue Halle am Penzinger Feld 

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So soll die am Penzinger Feld geplante Halle des Ruethenfestvereins aussehen. Die langgezogenen Bereiche (links) beherbergen Pferde und Festwagen, die Gebäudeteile rechts sind für Büros und zur Lagerung der Kostüme gedacht.

Landsberg – Akuter Notstand herrscht nicht, aber die Zeit drängt. Die vom Ruethenfest­verein für die Pferde genutzten Hallen auf dem Bauhofgelände stehen 2023 nicht mehr zur Verfügung. Die ideale Lösung: ein Neubau. Aber wo? Dafür hat der Verein in Übereinkunft mit der Stadt eine Lösung gefunden: Direkt neben dem Fachmarktzentrum, auf Grund und Boden der Heilig-Geist-Stiftung, soll der Neubau hin. Gesamtkosten: 1,1 Millionen Euro. „Der Stadtrat hat dem bereits in nichtöffentlicher Sitzung grundsätzlich zugestimmt“, berichtete Vereinsvorsitzender Tobias Wohlfahrt auf der außerordentlichen Mitgliederversammlung am Dienstagabend.

In einer der Hallen auf dem Bauhofgelände sei vormals Salz gelagert worden, „und dementsprechend sieht sie auch aus“, beschreibt Wohlfahrt. Die zweite Bauhof-Halle falle der Umstrukturierung des Bauhofs zum Opfer. In der „Banane“, der Halle im Frauenwald, werde sich wohl in absehbarer Zeit Gewerbe ansiedeln, vermutet Wohlfahrt. Zudem sei sie zu klein und habe keinen Stromanschluss. 

Für das dritte Gebäude in der Saarburgstraße gebe es akuten Bedarf seitens der Stadt: „Die Grundschule in der Katharinenvorstadt ist jetzt endlich dreizügig, hat aber weder eine richtige Mensa noch eine Aula“, erläutert Oberbürgermeister Mathias Neuner. Und das an die Schule angrenzende Gebäude gehöre eben dem Ruethenfestverein. „Ein kleiner Übergang würde reichen, um eine Verbindung zu schaffen.“ Weshalb der Verkauf des Gebäudes eine Win-Win-Situation für beide Parteien darstellt. Nun gelte es, ein Gutachten für den Grundstückswert des neuen Baugeländes erstellen zu lassen und die notwendi­gen baurechtlichen Schritte einzuleiten. 

Der Ruethenfestverein will bauen. Der Wunschstandort (rotes Dreieck) für die neue Halle liegt westlich des InCenters Landsberg am Penzinger Feld. Von der Stadt im vergangenen Jahr vorgeschlagene Alternativstandorte waren der Schlüsselanger, die Schleifweg (links) und das Areal an der Ecke Waldorfschule/Lebenshilfe (rechts).

Hierbei komme es darauf an, wann die Neuaufstellung des Flächennutzungsplans abgeschlossen sei, sagt Daniel Broschart vom Stadtbauamt. Der aktuelle Plan weist das Gelände als landwirtschaftliche Nutzfläche aus. Werde die Neuaufstellung rechtzeitig fertig – als Baubeginn strebt Wohlfahrt 2020 an –, könne die Einzelfallprüfung zur Generierung des Baurechts eingeleitet werden. „Sind wir schneller als der Flächennutzungsplan, wird eine Einzelfallprüfung des Bebauungsplans mit Änderung des Flächennutzungsplan angestrebt.“ Ist das geklärt, muss noch der jährlich zu zahlende Erbpachtzins für den Ruethenfestverein festgelegt werden. Denn verkaufen kann die Heilig-Geist-Stiftung das Gelände nicht. Die Pacht liege bei vier Prozent des Grundstückwertes. 

Die Finanzierung des Neubaus hat Wohlfahrt bereits in nahezu trockenen Tüchern: Fördermittel aus dem Kulturfonds der Regierung von Oberbayern in Höhe von 300.000 Euro seien mündlich zugesagt. Hierzu müsse lediglich noch der Förderantrag gestellt werden. Voraussetzung dieses Förderantrags ist indessen ein Zuschuss der Stadt. Diesen kalkuliert Wohlfahrt zusammen mit dem Erlös des an die Stadt zu verkaufenden Gebäudes in der Saarburgstraße mit 440.000 Euro. „Und schließlich können wir Dank der vergangenen Ruethenfeste auf Eigenmittel in Höhe von 110.000 Euro zurückgreifen.“ Die übrigen 20 Prozent müssten finanziert werden, so Wohlfahrt. Aber auch dafür habe der Vorstand der Sparkasse Landsberg-Dießen schon grünes Licht gegeben. „Wir haben hier gemeinsam mit einem guten Architekten relativ gut kalkuliert“, beantwortete Wohlfahrt die Frage nach den üblichen Mehrkosten bei Bauvorhaben. 

Zwar habe man als Alternative auch über eine Zeltlösung für die Pferdeunterkunft nachgedacht, so Wohlfahrt, „aber die dafür eingeholten Angebote liegen im mittleren fünfstelligen Bereich“. Auch Hallen in Penzing „gehen nicht für nen Appel und ein Ei her“. Und das Gebiet der Lechrainkaserne gehöre größtenteils einem privaten Investor. Die Stadt habe 2017 auch andere Baugebietsoptionen ausgewiesen wie Schlüssel­anger, Schleifweg oder den Bereich Ecke Lebenshilfe und Waldorffschule. Aber das Gelände neben dem Fachmarktzentrum sei von vorneherein der Favorit gewesen. „Und je länger wir warten, desto weiter werden wir an den Stadtrand gedrängt werden“, formulierte Wohlfahrt im Hinblick auf die Neuaufstellung des Flächennutzungsplans. 

Die zu bauende Halle soll ungefähr 5.000 Quadratmeter des insgesamt 12.000 m2 großen Geländes einnehmen. Es wird einen unbeheizten Bereich mit 18 Pferdeboxen geben, parallel dazu werden im vorderen, höheren Bau die Festwagen untergebracht. In der Zeit, in der die Boxen leerstehen, werden dort die Utensilien aus der Saarburg­straße eingelagert. Zudem wird es einen Werkstattbereich geben. In dem kleineren beheizten Bereich sollen Kostüme und Büros untergebracht werden. Das in der Saarburgstraße gelagerte Archiv wird indessen ins Stadtarchiv eingeliedert. 

Wird nach 99 Jahren die Erbpacht aufgelöst und ist das Gebäude noch in „akzeptablem“ Zustand, müsse es von der Stadt zurückgekauft werden, beruhigt Wohlfahrt. Alle 74 anwesenden Vereinsmitglieder stimmten dem Bauvorhaben zu. 

Aufgabentrennung 

Bei den abschließenden Vorstandswahlen verzichtete die bisherige 2. Vorsitzende Heike Neumeyer auf ihren Posten, da sie gleichzeitig als Geschäftsführerin fungiert. Neuer Stellvertreter ist Karl „Charlie“ Hecht. Die Aufgaben Festzeichenverkauf und Absperrung sowie Organisation Gaukler und Bewirtung Innenstadt werden in Zukunft getrennt bearbeitet. Für den Festzeichenverkauf ist Michael Siller zuständig, die Bewirtung und Betreuung der Gaukler übernimmt Hecht.

Susanne Greiner

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