Nicht mehr erst in letzter Minute

Landsberg will neue Kitas an der Staufenstraße und am Reischer Talweg bauen

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Lösung auf Zeit: Der Container-Anbau am Kinderhaus soll bald wieder verschwinden. Zwei neue Kitas sind geplant.

Landsberg – Die Stadt war immer schon gehalten, den Platzbedarf in Kindertageseinrichtungen und in der Tagespflege „rechtzeitig“ anzumelden und diese Bedarfsplanung „regelmäßig“ zu aktualisieren. So steht es im Bayerischen Kinderbetreuungsgesetz. Allerdings gab es über die Notwendigkeit weiterer Plätze öfters Dissens mit dem Landratsamt. Im März 2018 hat der Landkreis die Gemeinden nun aber per E-Mail zu „vorausschauender“ Bedarfsanmeldung aufgefordert. Und diese Chance lässt sich die Stadt nicht entgehen.

Aber auch ohne diese E-Mail hätte die Stadt jetzt wieder handeln müssen. Zwar gibt es in Landsberg 887 „bedarfsanerkannte“ Kindergartenplätze für 766 anspruchsberechtigte Kinder. Aber derzeit 29 „integrative“ Inklusions-Kinder zählen doppelt. Hinzu kommen 40 von der Schule zurückgestellte Kinder und 18 Zweijährige. 766 plus 87, das führt zu einer Auslastung von 96 Prozent. Noch ist jede Familie versorgt; wer aber unterjährig, zum Beispiel wegen des Zuzugs oder der Aufnahme einer beruflichen Tätigkeit, einen Platz für sein Kind sucht, hat schlechte Karten.

Bei den Kinderkrippen sieht es ähnlich aus. 515 Kinder haben einen Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz, 175 Plätze in Einrichtungen und 58 Tagespflegeplätze stehen zur Verfügung. Der Bedarfsdeckungsgrad beträgt also 45 Prozent. Das entspricht ziemlich genau der Nachfrage (bundesweit 46 Prozent, alte Bundesländer 43 Prozent, Bayern 42 Prozent). Für das neue Krippenjahr, das im September 2018 beginnt, zeichnet sich eine Vollauslastung der Krippenplätze ab; Nachzügler gehen auch hier leer aus.

In ihrer Vorlage für die Sitzung des Bildungs-, Sozial- und Kulturausschusses des Stadtrats am vergangenen Mittwoch definierte die Stadtverwaltung, im Kindergartenbereich fehlten „kurzfristig Plätze für eine 100prozentige Bedarfsdeckung“ und im Krippenbereich „Plätze für eine angemessene Angebotserweiterung“.

Dies sieht das Landratsamt ähnlich, zumal die „Planwerk“-Prognose ein Bevölkerungswachstum voraussagt. Das Amt würde daher weitere sechs Krippengruppen (72 Plätze) und zwei Kindergartengruppen (50 Plätze) als „bedarfsnotwendig“ anerkennen, signalisierte es im Vorfeld. Außerdem sind am Kinderhaus 24 provisorische Container-Krippenplätze und 25 Container-Kindergartenplätze wieder aufzulösen.

Die Verwaltung schlug daher vor, eine zusätzliche Einrichtung im Landsberger Süden an den Oberen Wiesen auf Höhe der Staufenstraße und eine neue Einrichtung im Osten am Reischer Talweg zu beschließen. Der Ausschuss folgte dieser Empfehlung einstimmig, zumal er davon ausgeht, dass an beiden Stellen in Kürze neue Baugebiete entstehen.

Am Reischer Talweg wäre eine Wiederholungsplanung des Kinderhauses möglich; die Übernahme der Baupläne würde das Verfahren erheblich beschleunigen. Auch an der Staufenstraße könnte es schnell gehen: Dort besteht bereits Baurecht für die Stadt. Über die Trägerschaft ist mit den Voten zum Neubau noch keine Entscheidung getroffen.

Die Verwaltung geht im Moment davon aus, dass in beiden neuen Einrichtungen jeweils eine Krippengruppe sowie zwei bis drei Kindergartengruppen entstehen. Die genaue Verteilung sollen die Experten von „Planwerk“ aber noch ermitteln. Auch bei Kitas gibt es ein „Sprengelproblem“. Allein an einem Tag hätten sich, so hieß es im Ausschuss, „vier weinende alleinerziehende Mütter“ an die Verwaltung gewandt und beklagt, dass sie mit ihren Sprösslingen die ganze Stadt mit dem Bus durchqueren müssten, um die Kinder morgens zu unterschiedlichen Kitas zu bringen.

Zusätzlich zu den beiden Neubauten im Süden und Osten gibt es weitere laufende Planungen. Die Evangelische Kirche möchte ihre bestehende Einrichtung erweitern; das begrüßte der Ausschuss einmütig. Am Wiesengrund (an der Schongauer Straße) sind drei Gruppen vorgesehen. Der Heilig-Kreuz-Kindergarten soll bereits seit Längerem erweitert werden.

Zusätzlich sind zwei Kindertagesstätten am Papierbach projektiert. Die große freistehende Kita wird von der Stadt auf dem Grundstück errichtet, auf dem jetzt das Jugendzentrum steht. Oberbürgermeister Mathias Neuner drängte in der Sitzung auf eine Entscheidung zur Erweiterung der Lechgarage unter dem Jugendzentrums-Neubau in der Lechstraße. Erst wenn darüber Klarheit herrsche, könne der Bau beginnen. Erst wenn er fertig sei, könne das alte Jugendzentrum abgerissen werden. Erst wenn das abgerissen ist, kann die neue Kita an der Spöttinger Straße entstehen.

Am Rande spielten in der Sitzung noch zwei Kindertagesstätten eine Rolle: Das Gebäude der „Arche“ soll zwar vergrößert werden; eine Erweiterung der Gruppenzahl sieht der Ausschuss dort aber nicht als sinnvoll an. Und: Der „Regenbogen“ ist im Landsberger Gewerbegebiet suboptimal platziert. Der Betreiber, das Bayerische Rote Kreuz, dürfte sich daher für die Nutzung einer der anderen nun entstehenden Möglichkeiten interessieren.

Doris Baumgartl (UBV), die Kindergartenreferentin des Stadtrats, zeigte sich über die Landratsamts-Bitte zum „Vorausschauen“ erfreut. Ab jetzt erfolge die Planung früh, sorgfältig und nicht mehr „nachhechelnd“; das sei eine gute Entwicklung für Eltern und Kinder. 

Werner Lauff

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