Den Kreistag im Blick:

"Volt" will im Landkreis Landsberg zünden

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Treten im Landkreis für die neue Partei Volt an: Thomas Wiedling, Christoph Klein, Jürgen Rahm, Jochen Nibbe (von links).

Landkreis – Eine neue politische Gruppierung strebt den Einzug in den Kreistag an. Volt heißt die Partei, die erst vor zwei Jahren gegründet wurde und sich selbst als pragmatisch, progressiv und paneuropäisch beschreibt. In den Gemeinden rund um den Ammersee erhielt Volt bei der Europawahl im Mai nach eigenen Angaben überdurchschnittlich viele Stimmen. Im Juni gründete sich eine Regionalgruppe Ammersee, die unter anderem für Landsberg eine Kreistagsliste aufstellen möchte.

„Die Menschen in Landsberg, Starnberg und Weilheim zeigen Interesse“, sagt Christoph Klein. Der Eresinger ist kommissarischer Leiter – oder „City Lead“ – der Regionalgruppe. Da Volt EU-weit agiert und als Partei bereits in 24 Ländern existiert, werden im Sinne der Einheitlichkeit viele englische Begriffe verwendet. Auch der Parteiname wurde aus Gründen der grenzüberschreitenden Verständlichkeit gewählt. „Volt ist einer der wenigen Begriffe, die in allen europäischen Ländern die gleiche Bedeutung haben.“ Außerdem drücke die Maßeinheit des elektrischen Potentials aus, dass man neue Energie nach Europa bringen wolle, heißt es auf der Volt-Homepage.

Ein wichtiges Ziel der jungen Partei – das Durchschnittsalter der Mitglieder liegt laut Klein bei 30 Jahren – ist länderübergreifende Kooperation, das Lernen voneinander und die Suche nach gemeinsamen Lösungen. Das gilt auf europäischer Ebene genauso wie auf kommunaler.

„Wir wollen gemeinde- und landkreisübergreifende Politik machen“, sagt Klein. Das bedeutet: „Die Gedanken der Nachbarn mit aufnehmen und gemeinsam etwas auf den Weg bringen.“ Auf der politischen Agenda fordert Volt unter anderem einen massiven Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs, die Schaffung von günstigem Wohnraum in klimaneutraler Bauweise, das Vorantreiben der Digitalisierung und die Schaffung von mehr Co-Working-Spaces für kleine Firmen, weil auch das den Pendlerverkehr reduzieren könne.

Ein großes Anliegen der Volt-Aktiven sind sowohl Bürgerbeteiligung als auch Transparenz. Zu oft würden die Menschen vor Ort nicht genügend mitgenommen und Politik „an den Bürgern vorbei“ gemacht, urteilen Volt-Mitglieder. Klein sieht hier eine eindeutige „Bringschuld der Gemeinden und Landkreise“, Entscheidungen nachvollziehbar zu machen - zum Beispiel durch die Veröffentlichung ausführlicher Sitzungsprotokolle im Internet.

„Für viele Menschen ist die Politik weit entfernt, weil zu wenig informiert wird“, sagt der 63-jährige Unternehmer, der sich in Eresing auch in der Wählergruppe der Umweltfreundlichen Bürger engagiert. Seine Frau saß für die Gruppierung jahrelang im Gemeinderat. Klein kann sich vorstellen, dass von Bürgern besetzte Lenkungsausschüsse an Entscheidungen mitwirken, um eine bürgernahe Politik zu gewährleisten.

Die Volt-Idee hat bei der Europawahl im Mai auf Anhieb gezündet. Die Partei erhielt genügend Stimmen, um einen Abgeordneten ins EU-Parlament zu entsenden. Den Schwung auf die regionale Ebene zu übertragen, ist eine Herausforderung, die in den nächsten Wochen und Monaten gelingen soll. Mit Veranstaltungen in den Orten rund um den Ammersee will Volt sich bekannt machen und weitere Aktive gewinnen. Vor allem aber wolle man den Bürgern vor Ort zuhören, betont Klein, um herauszufinden, welche Themen den Menschen wichtig sind.

Für eine Kreistagsliste müssten sich mindestens 20 Kandidaten zur Verfügung stellen. Ob darunter auch Nicht-Parteimitglieder sein dürfen, ist noch nicht klar. Der bevorstehende Volt-Parteitag in Leipzig muss diese Satzungs-Entscheidung erst noch treffen.

Ulrike Osman

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