Elfmal beste Unterhaltung mit Hirn

Neues Programm beim s’Maximilianeum

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Die Drei vom s’Maximilianeum (von links): stellvertretender Vorsitzender und Programmverantwortlicher Armin Federl, Kassier Michael Reich und Vorsitzender Rolf-Jürgen Lang.

Landsberg – Die Häusersilhouette, der Lech und dazwischen … das s’Maximilianeum. Das neue Logo zeigt die Kleinkunstbühne als das, was sie inzwischen ist: ein wichtiger Bestandteil Landsbergs. Oder wie Vorsitzender Rolf-Jürgen Lang formuliert: „der Dinosaurier in der Landsberger Kleinkunstszene“. Das neue Programm für die Saison 18/19 hat mit Frank Lüdecke und HG Butzko zwei scharfe Satiriker als Anfangs- und Endpunkt. Dazwischen gibt es jede Menge Kabarett, Musik und Comedy. Und wie Nick Woodland in der letzten Saison bewiesen hat: Das s‘Maximilianeum kann auch Party.

„Seit 27 Jahren sind wir jetzt in Landsberg“, betont Lang. Da sei es eben auch mal Zeit gewesen, das Logo zu ändern. „Magenta ist vergessen. Jetzt gibt es die Häuserzeile, den Lech und das wichtigste dazwischen.“ Das alte Logo „war optisch überholt“, urteilt Langs Stellvertreter Armin Federl. Denn das stammte noch vom Ursprung der Kleinkunstbühne in Stoffen: vom Kukuruz. „Insgesamt geht es uns gut“, fasst Lang zusammen. Die vergangene Saison war ein Erfolg. Das Programm des „Maxi“ hat in Landsberg einen guten Ruf: „Bei euch braucht man nicht wissen, was kommt. Ihr habt Qualität“, schwärmt ein Fan. Und weil da alles stimmt, hat der Verein auch den Vorstand 1:1 bestätigt.

Das Motto bleibt: Neues wird ausprobiert, Regionales gefördert. Anstatt den „Heilsverkündern“ zu lauschen, lockt die Kleinkunstbühne den kritischen Geist in die Lechstadt. Und da es eine liebgewordene Tradition ist, eröffnet den zynischen Politikreigen Kabarettist Fran Lüdecke – natürlich am Tag der Deutschen Einheit. Lüdecke hat so ziemlich jeden Preis erhalten, den es im Kabarett gibt. In seinem Programm „Über die Verhältnisse“ geht es um den „rasenden Stillstand im Land“, das Dilemma der Digitalisierung und um Political Correctness – die die scharfe Zunge des Berliners nicht zügeln wird.

Den Schlusspunkt am 2. Juni 2019 setzt HG Butzko mit „echt jetzt“. In Landsberg hat er vor sieben Jahren seinen Einstand gegeben: Vielleicht erinnert sich noch der ein oder andere Zusacher von damals an die Analyse der Bankenkrise – witzig, wortgewandt und klug. Weshalb Butzko (das HG steht übrigens für Hans-Günter) Kabarett auch als „Gehirnprostitution“ bezeichnet: „Moralverkehr auf dem Gedankenstrich“. Obwohl immer noch eher ein Underdog auf den Kleinkunstbühnen, wurde der Gelsenkirchener 2014 mit dem deutschen Kleinkunstpreis ausgezeichnet.

Zwischenstopp macht das s’Maximilianeum beim beliebten Weihnachtsbrettl, diesmal mit „Dreicksmusi“ aus dem Ortsdreieck Erpfach, Reichling und Apfeldorf, die sich mit traditioneller und neuer Alpenmusik im Landkreis in die Ohren der Bewohner gespielt haben. Den textlichen Teil liefert Maria Schweiger aus Erpfach, Mundartdichterin und Theaterstückautorin – ein echtes Lechrainer Kulturpaket. „Dieser Dialekt ist der einzige, der nicht durch Völkerwanderung entstanden ist“, betont Federl. „Mehr Heimat geht nicht.“ Wer denkt, dass wegen des Termins – der 23. Dezember – die Karten nicht ganz so heiß begehrt sind, liegt falsch. Der Run hat bereits begonnen.

Am 28. Oktober bläst Andreas Martin Hofmeir dem Publikum mit einer Art musikalischer Lesung den Marsch. Mit der Tuba und äußerst virtuos, wie man den La-Brass-Banda-Mitgründer kennt. 2013 erhielt er als erster Tubist den ECHO Klassik. Als Pausenbrot im Programm „Kein Aufwand Teil 2“ gibt’s Hofmeirs satirische Schriften. Alles natürlich wie immer barfuß.

Den Schwaben Thomas Fröschle hat Federl beim „Mistcapala“-Auftritt in Tübingen das erste mal getroffen. Seine polyglotte Zaubercomedy beweist Fröschle mit zwei diametralen Auszeichnungen: dem Kleinkunstpreis Baden-Württemberg und dem Hamburger Comedy-Pokal. In „Ende Legende“ demaskiert Fröschle heuer passend zum närrischen 11. November die Täuschungen des Alltags. Und erklärt wichtige Fragen des Universums. Wie zum Beispiel folgende: Warum gibt es bei Playmobil eigentlich keinen Hals-Nasen-Ohren-Arzt?

Am 2. Februar 2019 ist Niederbayern zu Besuch: Martin Frank aus dem „katholisch-schwarzen Sumpfgebiet“ war bis vor Kurzem noch ein Geheimtipp. Inzwischen ist er in Bayern heißbegehrt. Der BR nennt ihn eine „unbändige Rampensau“. Bei Franks beruflicher Entwicklung denkwürdig: Denn eigentlich ist der 26-Jährige Verwaltungsfachmann, arbeitete brav auf dem Standesamt. Bis er vor fünf Jahren den Job schmiss, eine Schauspielschule absolvierte und 2015 sein erstes Programm im Münchner Schlachthof präsentierte – mehrfach preisgekrönt. In Schleichs Fernsehen hat er sich trotz neuer bayerischer Grenzpolizei den Weg nach Österreich erschlichen. Und jetzt ist er sogar nach Düsseldorf vorgedrungen – trotz niederbairischem Sprachfehler. Weshalb er manchmal auf die Macht der Musik zurückgreift und Arien ins Publikum trällert. Einmalig, urteilt Lang. „Einfach zum Wegknödeln.“

Eine musikalische Lesung der besonderen Art erwartet das Publikum am 14. April, wenn sich Johanna Bittenbinder und Heinz-Josef Braun samt den vier Musikern vom „Art Ensemble of Passau“ dem bairischen Morddrama „Tannöd“ widmen. Der immer noch nicht aufgeklärte Kriminalfall, bei dem 1928 in Hinterkaifeck sechs Menschen mit der Spitzhacke ermordet wurden, ist Vorlage für Schenkels berühmten Roman „Tannöd“. Und wenn Bittenbinder und Braun in die Rollen der Zeugen und Opfer schlüpfen, entwickelt sich eine ganz eigene schaurig-morbide Stimmung. Samt Premiere: Auch der bislang nicht gefasste Mörder kommt zu Wort.

„Musicomedy“ versprechen Mark’n’Simon – die erste Hälfte stammt aus Schondorf – am 12. Mai. Seit 40 Jahren unterhalten die beiden ihr Publikum. Damals holte sie Biolek in seinen Bahnhof. „Straßenmusik mit britischem Humor“ beschreibt Lang ihren Stil. „Bestes Humorhandwerk“ meint Federl, „ideal zum Muttertag“.

Musik und gute Laune pur versprechen zwei Veranstaltungen: Am 3. März locken Pam Pam Ida mit Musik zwischen Beatles, Wirtshaus und Ringsgwandl in den Theatersaal. Die Band ist noch fast ein Geheimtipp. Den seltsamen Namen hat der Trommler geträumt. Aber seit Pam Pam Ida letztes Jahr beim Heimatsoundfestival in Oberammergau alles abgeräumt haben, ist Schluss mit geheim. Federl hat sie da auch gleich vom Fleck weg engagiert: „Ich freu mich sakrisch auf den Abend!“ Zur zweiten Musiknacht des s‘Maximilianeums am 27. Januar lockt der Keyboarder der Spider Murphy Gang Ludwig Seuss samt fünfköpfiger Band mit Musik für die Beine: Zydeco direkt aus New Orleans bringt Lebens- und Tanzfreude pur.

Auch heuer wird es eine Kooperation innerhalb der Veranstaltungsreihe „Kultur wider das Vergessen“ geben. Der bereits von 2017 bekannte Jüdische Kabarettist Alexej Boris wird am 16. November mit „schwarz rot koscher“ Antworten auf alle Fragen liefern, die man sich nie zu stellen traut: „Gehört den Juden die Weltwirtschaft? Dürfen Juden Schweinegrippe bekommen? Und was ergibt die englische TIMES rückwärts gelesen?“

Karten zu allen Veranstaltungen gibt‘s beim KREISBOTEN. Mehr Infos unter www.kleinkunstbuehne-landsberg.de.

Susanne Greiner

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