Denklingen zapft im Staatsforst

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Wasser aus dem Hahn laufen zu lassen, ist so alltäglich – dabei ist der Aufwand für eine neue Quellfassung beträchtlich, wie das Beispiel Denklingen zeigt.

Denklingen – Es gab – das liegt freilich mehr als eine Generation zurück – ein Ringen darum, ob eine früher gemeindefreie Waldfläche im Sachsenrieder Forst der Gemeinde Denklingen zugeschlagen wird oder ob auch die angrenzende Gemeinde Schwabsoien einen Anteil davon erhält. Das Thema wurde gar bis in den Petitionsausschuss des Bayerischen Landtags hineingetragen. Ergebnis war, dass dieses bis Ende er 80-er Jahre gemarkungsfreie Enklave im „Niemandsland“ zwischen Sachsenried, Stocken und Dienhausen der Gemeinde Denklingen zugeschlagen wurde.

So war es gekommen, dass Denklingen mit seinem Gemeindegebiet um die Hälfte größer geworden ist und nunmehr mit 5.600 Hektar flächenmäßig nach Peiting und nach der Stadt Landsberg die drittgrößte Gemeinde am Lechrain ist. Wer von Schongau nach Osterzell fährt, vermag sich kaum vorzustellen, dass die landschaftlich schöne Strecke im Sachsenrieder Forst teilweise auch auf Denklinger Flur verläuft.

Im Staatsforst

Genau diese Tatsache ist beim aktuellen Thema, dass die Gemeinde Denklingen einen neuen Brunnen bohren möchte, durchaus von Interesse. Nach ersten erfolgreichen Versuchen im Stubental, das südlich der Straße von Dienhausen nach Osterzell verläuft, soll dort ein Brunnen errichtet werden. Dazu wird ein Ingenieurvertrag mit dem Büro HydroConsult aus Augsburg geschlossen. Zugleich soll mit der Forstverwaltung vertraglich fixiert werden, dass diese Maßnahme im Staatsforst zulässig ist. Der Standort befindet sich zirka sechs Kilometer südwestlich von Denklingen.

Jetzt liegt der ins Visier genommene Standort also auf eigenem Gemeindegebiet. Der Grund indes gehört den Bayerischen Staatsforsten. Es ist nicht ungewöhnlich, dass Quellfassung und Hochbehälter in einer anderen Kommune liegen, aber von Vorteil, die Fassung im Gebiet der eigenen Gemeinde zu haben – etwa beim Leitungsbau.

Bohrungen samt Pumpversuche haben ergeben, dass im Stubental ergiebiges und qualitativ hochwertiges Grundwasser vorhanden ist. An einem weiteren Probestandort im Heutal nahe des Dienhausener Weihers seien die Vorkommen nicht so ausreichend.

Um nach den Probebohrungen verlässliche Pumpversuche zu erzielen, ist der Brunnenbau notwendig, der 35 Meter in die Tiefe reicht. So erklärte es der geschäftsleitende Beamte Johann Hartmann im Gemeinderat. Der Nitratgehalt in den Probebohrungen, der in einigen Gemeinden durchaus ein Problem darstelle, sei bei den bisherigen Proben sehr niedrig, ergänzte Hartmann.

Die Gemeinde Denklingen verkauft pro Jahr zwischen 160.000 und 170.000 Kubikmeter Wasser an private Haushalte und an Betriebe. Mit der neuen Quellfassung wird angestrebt, dass mittelfristig die drei Ortsteile Dienhausen, Denklingen und Epfach an einer gemeinsamen Versorgung hängen. Bisher hat Dienhausen noch einen eigenen Brunnen westlich der Ortschaft.

In der Schutzzone

Die Suche nach einer neuen Quelle ist darin begründet, dass bei der bestehenden Versorgung im Süden von Denklingen Interessenskonflikte wegen der ausgedehnten Wasserschutzzone aufgekommen sind. Das letzte von drei Gutachten hat ergeben, dass die äußere Schutzzone 3 sogar die Ortschaft Dienhausen einschließt. Dies hätte Auswirkungen auf Landwirtschaft, Gewerbe und private Hausbesitzer. Der zusätzliche Aufwand, etwa das Erfassen von Regenwasser oder die kostenintensiven Auflagen für Häuslebauer an der Straße Talblick, sei nicht gerechtfertigt, kommentierte Hartmann.

Johannes Jais

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