Auf der Ortsteilversammlung:

Pro Brücke: Ellighofen, 3C, Pitzling

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Nördlich der Lechstaustufe 14, zugänglich über einen Waldweg (braun) von der Aufeldstraße in Pitzling, soll die neue Brücke (rot) für Fußgänger und Radfahrer nach Legauer Vorbild (kleines Foto) entstehen.

Landsberg – Bei der Ortsteilversammlung in Pitzling haben sich drei Viertel der Anwesenden dafür ausgesprochen, die Machbarkeit einer neuen Lechbrücke von Pitzling zum Lechrain zu prüfen. Auch die Bürger Ellighofens bitten darum – auf Anregung von Ortssprecher Tobias Schmid brachte die CSU einen entsprechenden Antrag in den Stadtrat ein. Oberbürgermeister Mathias Neuner akzeptiert den Diskussionswunsch, hat aber inhaltlich Bedenken.

„Es gibt in Pitzling einen Kümmerer, der sich darum kümmert, dass eine Brücke gebaut wird“, leitete Ortssprecher Franz Daschner die Beratung in der Ortsteilversammlung ein. Gemeint war damit Joachim Müller, bis vor Kurzem ehrenamtlich für die Landsberger Energieagentur (LENA) tätig. Dort war auch die Idee zu der Brücke entstanden: „Fuß- und Radwege zu schaffen ist die wichtigste Voraussetzung für den Klimaschutz“, sagte Müller, der von OB Neuner die nicht einfache Aufgabe bekam, das Vorhaben in fünf Minuten zu schildern.

Angedacht ist die Brücke „an der engsten Stelle am Lech“, nördlich der Staustufe 14, etwas oberhalb der alten Kläranlage (siehe Karte). Dort seien auf beiden Seiten bereits Wege vorhanden, im Lechrain-Gebiet sogar asphaltiert. Allerdings führt der Weg auf der Pitzlinger Seite teilweise über Privatgrund; Umgehungen seien aber möglich, betonte Müller.

Sein Vorbild ist die 80 Meter lange Hängebrücke über die Iller bei Legau. Die sei optisch gut gelungen und pflegeleicht, weil die Böden aus Lochblech sind; Schnee und Regen fielen durch. Die Brücke wird von Pylonen auf beiden Uferseiten gestützt. Sie sei auch für Menschen mit Behinderungen nutzbar. Die Pitzlinger Brücke müsste nur 20 Meter länger sein als die in Legau, ansonsten könne man sie als Blaupause verwenden.

Das Unternehmen 3C Carbon würde das Vorhaben begrüßen – die Mitarbeiter seien dann „in fünf Minuten in Pitzling“. Um die Finanzierung hat sich Müller eigenen Angaben zufolge schon gekümmert. Ein Großteil der Baukosten von 600.000 Euro würde über Zuschüsse abgedeckt. „Die Radwege werden von Berlin gefördert“. Für die Stadt bleibe ein Rest von 50.000 Euro. Müllers Ziel war, dass die Ortsteilversammlung darüber abstimmt, den Stadtrat zu bitten, über die Beauftragung einer Machbarkeitsstudie zu beraten.

„50.000 Euro? Das kann ich mir nicht vorstellen“, entgegnete OB Neuner, der auch ansonsten Einwände vortrug. „Das ist Landschaftsschutzgebiet, FFH-Gebiet und Vogelschutzgebiet in einem. Der Naturschutz hat ein erhebliches Mitspracherecht.“ Tatsächlich ist der Bereich auf der „Flora/Fauna/Habitat“-Karte als geschützt ausgewiesen – „aber die Wege sind alle schon da, der Eingriff ist minimal“, meinte Müller.

Neuner wandte außerdem ein, die Brücke liege, gemessen am hundertjährigen Maximalhochwasser, im Überflutungsgebiet. Müller: „Die Brücke steht auf Pylonen. Überschwemmung macht ihr nichts aus“. Außerdem, so Neuner, sei ihm unklar, was die Pitzlinger denn auf der anderen Seite des Lechs wollten; südlich der Brücke beginne das militärische Schutzgebiet – „da haben Sie nichts verloren“. Außerdem habe Landsberg schon einmal eine „Brückendiskussion“ gehabt; damals hätten die Bürger das Vorhaben mit deutlicher Mehrheit abgelehnt.

In der Diskussion gab es kritische Fragen an Müller, insbesondere zur Wegführung und zu den Auswirkungen auf Pitzling. „Kaum welche“, meinte Müller, aber Neuner konterte: „Sicher gibt es Auswirkungen. Sonst wäre die Brücke ja wirkungslos“. Harald Götze wies dagegen darauf hin, dass die Brücke mit der früheren Teufelsküche-Planung nicht vergleichbar sei. „Die war viel näher an Landsberg.“ Die neue Brücke würde die große Lücke zwischen der Kreisstadt und Mundraching schließen. Er würde gerne über eine solche Brücke auf die andere Lechseite gehen oder mit dem Rad fahren – egal, wo sie konkret stehe.

Das sieht wohl auch Tobias Schmid so. Die Achse Ellighofen – 3C – Pitzling hält er für so interessant, dass er die CSU-Fraktion bat, die Machbarkeitsstudie auf jeden Fall anzustoßen, unabhängig vom Ausgang der Pitzlinger Abstimmung. Deren Ergebnis war 26:7 für die Befassung im Stadtrat.

Allerdings bedeutet der Beschluss nicht, dass das Gremium nun zwingend über die Erstellung einer Machbarkeitsstudie beraten muss. Die Ortsteilversammlungen sind keine Bürgerversammlungen im Sinne der Gemeindeordnung. Die Bürger können, anders als in der zentralen Bürgerversammlung für die Kernstadt und die Ortsteile, die Beratung also nur empfehlen, nicht erzwingen. Freilich ist anzunehmen, dass der Stadtrat die Erörterung nicht verweigern wird. Ob er die mit Kosten verbundene Studie auch in Auftrag gibt, ist damit noch nicht vorgezeichnet.

Werner Lauff

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