Den Rasern weiter auf der Spur

Verkehrs- und Unfallstatistik 2017: Werte bleiben stabil

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Issing – Couragierte Passanten haben am 19. Juli 2017 zwei Frauen (56 und 51) vor dem sicheren Feuertod bewahrt. Nach einem schweren Verkehrsunfall bei Issing holten sie die beiden aus einem brennenden Autowrack. Laut Polizei war eine 44-Jährige aus Vilgertshofen für den schlimmen Verkehrsunfall verantwortlich. Ebenso wie die Unfallverursacherin erlitten die Dießenerin und ihre Beifahrerin schwere Verletzungen, konnten sich selbst nicht aus dem Auto­wrack befreien. Doch hinzukommende Verkehrsteilnehmer zogen sie aus dem in Flammen stehenden Auto, das anschließend komplett ausbrannte.

Landkreis – Geschwindigkeitsüberschreitungen, Fahren unter Alkohol- oder Drogeneinfluss, unerlaubtes Entfernen vom Unfallort: Diese traurigen Klassiker sind nach wie vor fester Bestandteil der Verkehrsstatistik, die jährlich von der Polizeiinspektion Landsberg veröffentlicht wird. 2017 zählten die Beamten insgesamt 3.103 Verkehrsunfälle. Im Vergleich zum Vorjahr sind das zwar rund 2,6 Prozent weniger. Dennoch gibt es nach wie vor Verunglückte zu beklagen, vier Personen verloren 2017 bei Unfällen im Landkreis Landsberg ihr Leben.

Es gibt einen leichten Rückgang bei den Verkehrsunfällen von 3.186 (2016) auf 3.103, auch bei den Verkehrsunfällen mit Personenschaden sank die Zahl von 548 (2016) um 20 Vorfälle auf einen Jahreswert von 528. Zwar kann mit vier statt acht verunglückten Personen (2016) für 2017 der geringste Wert im 10-Jahres-Vergleich verzeichnet werden, dennoch darf nicht von einem zufriedenstellenden Wert gesprochen werden. Bei zwei der vier Verunglückten war nicht angepasste oder überschrittene zulässige Geschwindigkeit die Unfallursache. 228 Verkehrsunfälle gehen insgesamt auf das Konto von Rasern, 123 Personen erlitten 2017 dadurch körperlichen Schaden.

Um diese Unfallzahlen mit ihren schwerwiegenden Folgen weiter zu senken, werden durch die Polizei in Landsberg auch weiterhin Geschwindigkeitsüberwachungen mit technischem Gerät durchgeführt werden. Über den sogenannten Blitz-Marathon will die Polizei zusätzlich einmal im Jahr bayernweit den Rasern den Spiegel vorhalten; so auch am Mittwoch, vergangener Woche. Im Zuständigkeitsbereich der Landsberger Inspektion wurden dazu etliche Kontrollen durchgeführt, echte Raser allerdings nicht erwischt.

Fahren unter Alkohol- und Drogeneinfluss führte auch 2017 zu Unfällen, 42 Mal war dieser Missbrauch eines Fahrzeuglenkers Ursache, zu Schaden kamen dabei 18 Personen. Kann auch hier gegenüber des Vorjahres mit 32 zu 52 Unfällen eine deutliche Verringerung dargestellt werden, wird dennoch weiterhin mit polizeilichen Kontrollmaßnahmen zu rechnen sein. Durch solche Kontrollen konnten insgesamt 115 Fahruntüchtige gestoppt und gegen 65 Fahrzeugführer strafrechtlich ermittelt werden. Bilanz: 40 Führerscheine wurden zumindest vorläufig sichergestellt oder entzogen.

Zusätzlich konnten noch 22 alkoholisierte Personen vor Fahrtantritt angetroffen und von einer Nutzung ihres Fahrzeugs abgehalten werden.

582 Mal Unfallflucht

Um kein Kavaliersdelikt handelt es sich im Falle von Unfallflucht; leider bleibt die Zahl derer, die sich im Landkreis Landsberg unerlaubt vom Unfallort entfernen, im Vergleich zum Vorjahr relativ konstant. Waren es 2016 rund 665 Personen, flüchteten in 2017 mit 582 immer noch deutlich zu viele. Wie ernst dieses Delikt zu nehmen ist, zeigt die Tatsache, dass 2017 bei solchen Unfällen 37 Personen verletzt wurden – im Vergleich zu 2016 (30) ist das eine Steigerung von über 23 Prozent. Weit weniger als die Hälfte der Täter konnte dabei ermittelt werden.

Eine deutliche Steigerung gab es auch im Bereich Schulwegunfälle zu verzeichnen: sieben Vorfälle mit insgesamt acht verletzten Kindern schlugen dabei zu Buche. Zum Vergleich: im Jahr 2016 waren es noch drei Unfälle mit drei verletzten Kindern. Um insbesondere den Fahrradunfällen entgegenzuwirken wurde – wie jedes Jahr – die Jugendverkehrsschule von zwei Beamten der Polizeiinspektion Landsberg durchgeführt. Hier haben insgesamt 1.023 Kinder teilgenommen. Mit Erfolg: Von 1.000 an den Prüfungen teilnehmenden Kindern bestanden 965 und erhielten die entsprechenden Urkunden.

Folgenschwerste Unfälle

Zwei Vorfälle mit Todesfolge sollten 2017 als folgenschwerste Verkehrsunfälle in die Jahresstatistik einziehen. So kam am 30. Oktober ein Pkw-Fahrer auf der Staatsstraße zwischen Weil und Epfenhausen zunächst nach rechts von der Fahrbahn ab, geriet dann ins Schleudern und prallte anschließend mit einem entgegenkommenden Fahrzeug zusammen. Die Fahrerin wurde dabei getötet, ihr Beifahrer schwer verletzt. Der Unfallverursacher erlitt schwere Verletzungen, zwei in dessen Wagen sitzende Beifahrer wurden ebenfalls ins Krankenhaus eingeliefert. An beiden Pkw entstand Totalschaden, die Feuerwehr musste eingeklemmte Personen befreien.

Auch der Unfall am 13. März sollte sich als folgenschwer erweisen: An diesem Tag übersah eine Pkw-Fahrerin beim Links-

abbiegen von der Katharinen- in die Saarburgstraße in Landsberg einen entgegenkommenden Pedelec-Radfahrer. Durch den Aufprall stürzte der Mann und erlitt tödliche Verletzungen, einen Fahrradhelm trug er nicht.

Hauptunfallursachen

Nach wie vor sorgen Unachtsamkeiten, Selbstüberschätzung oder Zeitmangel zu Unfällen – die Hauptunfallursachen liegen etwa bei Fehlern beim Abbiegen, Wenden, rückwärts sowie ein- und ausfahren (19,8 Prozent), bei der Vorfahrtsmissachtung (14,5), beim fehlerhaften Überholen, Vorbeifahren und falscher Straßenbenutzung (14,1), beim Überschreiten der Höchstgeschwindigkeit oder zu schnellem Fahren (13,1), beim Nichteinhalten des Sicherheitsabstands (15,9) und schließlich beim Fahren unter Alkoholeinfluss (2,3).

Dass sich hinter den statistischen Werten oft persönliche Schicksale verbergen, bestätigt Polizeihauptkommissar Michael Strohmeier von der Polizeiinspektion Landsberg: „Das berührt auch die routiniertesten Beamtinnen und Beamten.“ Gleichzeitig möchte Strohmeier daran erinnern, dass auch die Bürger zur Aufklärung von Straftaten beitragen können. „Die Polizei kann nicht überall und zur gleichen Zeit anwesend sein. Aber zum richtigen Zeitpunkt an der richtigen Stelle können wir oft nur durch Informationen von Bürgern sein!“ Der Polizeihauptkommissar bittet deshalb mit Nachdruck darum, Beobachtungen, die einem verdächtig erscheinen, an die Polizei weiterzugeben. 

Regine Pätz

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