Eine Website aus Verwaltungssicht

Der neue Internetauftritt der Stadt Landsberg hat strukturelle Mängel

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Drei Menü-Ebenen: Oben die Kategorien und die Unterkategorien, unten weitere Menüs, dazwischen ein „Schnell gefunden“ - so verwirrt die neue Website der Stadt.

Landsberg – Wann immer man Anregungen zur alten Website der Stadt Landsberg gab, hörte man, demnächst werde alles besser. Mehr Übersicht, mehr Ordnung, mehr Frische. Doch nun, nach Freischaltung des neuen Auftritts unter www.landsberg.de, stellt man fest, dass die Stadt erneut strukturelle Mängel generiert hat. Zwar enthält die Website nun ein „Bürger-Serviceportal“ für die Anforderung von Urkunden und Meldebescheinigungen. Aber andere Inhalte sucht man lange und teils vergeblich.

Das erste Problem: Das Angebot besteht lediglich aus den Kategorien „Rathaus“, „Tourismus“ und „Kultur“. Aber deckt man damit alle Themen ab? Und ist die jetzige Einordnung – der Kindergarten ist „Rathaus“, das Inselbad „Tourismus“, die Jugendkonferenz „Kultur“ – von Logik geprägt?

Auf www.marktoberdorf.de heißen die Rubriken ganz anders: Veranstaltungen, Neuigkeiten, Stadtinfo, Rathaus, Freizeit und Touristik, Kultur und Bildung sowie Wirtschaft. Unter www.memmingen.de findet man Aktuelles, Bürger und Politik, Freizeit und Sport, Kultur und Bildung, Tourismus sowie ebenfalls die Rubrik Wirtschaft. Viele andere Städte gehen vergleichbar vor.

Nur auf der Landsberger Website muss man sich im Ratespiel üben. Was ist Rathaus, was ist Tourismus, was ist Kultur? Wo stehen beispielsweise Märkte? Wo findet man Schulen? Wo sind Spielplätze? Wo gibt es Sportvereine? Und sind tatsächlich alle Veranstaltungen in Landsberg ausnahmslos kultureller Art? Sonst gibt es nichts?

Diese Unsicherheit haben die Planer der Website wohl vorausgeahnt. Man merkt das schon an dem prominent hervorgehobenen Feld „Schnell gefunden“ mit drei bis fünf Links. Das zweite Indiz: Ganz am Ende des Angebots, auf mobilen Geräten hinter dem Impressum, gibt es neben einer erneuten Kategorie „Rathaus“ (nennen wir sie mal „Rathaus unten“) eine Rubrik „Leben in Landsberg“, allerdings nur mit Links auf die vier Themen „Kinderbetreuung“, „Schulen“, „Parken“ und „Stadtbus“.

Dritter Hinweis: Auch in der Rubrik „Rathaus oben“ hat man dem Nicht-Verwaltungsleben ein wenig Rechnung getragen, im Unterpunkt „Meine Stadt“. Allerdings sind da neben dem Nahverkehr und dem Parken auch Landsbergs Partnerstädte, das Thema „Sozialversicherung“ („Haben Sie Fragen zum Schwerbehindertenrecht?“), Broschüren über statistische Daten zu Landsberg sowie das Thema „Asylbewerber“ eingeordnet. Ist es das, was man landläufig unter „Meine Stadt“ versteht? Und gehören diese Themen überhaupt zusammen? Dort, unter „Rathaus/meine Stadt“, gibt es auch den Punkt „Einrichtungen“; der wiederum enthält Einträge zur Volkshochschule, dem Stadtarchiv, der Stadtbücherei und der Sing- und Musikschule – gehören die nicht in den Bereich „Kultur“?

Unter „Tourismus“ ist der allererste Punkt links oben von den „Allgemeinen Geschäftsbedingungen für Stadtführungen“ belegt: „Es gilt deutsches Recht.“ Was für ein bürokratischer Ansatz; das Kleingedruckte hätte nun auch auf einer Folgeseite Platz gehabt. Übrigens: Gibt es nicht auch Stadtführungen des Gästeführervereins?

Gegen das Erlernen einer neuen Menüstruktur ist nichts einzuwenden. Aber wenn sie unlogisch ist, führt das nur zu Enttäuschung und Verwirrung. Ersatzweise gibt es eine Suchfunktion; sie leitet die Nutzer direkt zu den inhaltlichen Seiten weiter. Durch sie wird die problematische Struktur freilich nicht geheilt; wer stets die Suchfunktion verwendet, benutzt die Website als Datenbank und stößt wohl kaum auf Neuigkeiten.

Meinten Sie Süd?

Doch auch die Suchfunktion lässt konzeptionelle Mängel erkennen – das ist das zweite große Problem. Sie durchsucht den Volltext und ordnet die Fundstellen offenbar nach errechneter (in Prozent angegebener) Relevanz an. Sucht man Spielplätze, kommt man auf die Seite des Bauhofs; die eingebaute Suchmaschine hält das für einen 100-Prozent-Treffer.

Die Korrekturvorschläge der Engine sind eher verwirrend: Wer Sportvereine sucht, wird gefragt, ob er nicht „sportvereinen“ meint. Diese Wortschöpfung kommt auf der ganzen Website aber gar nicht vor. Lässt man sich trotzdem darauf ein, kommen die gleichen Ergebnisse wie bei „Sportvereine“. Da wird man in den April geschickt.

Ähnlich sinnlose Nachfragen stellt die Suchfunktion, wenn man „CSU“ eingibt; man erhält nur den Hinweis, der Oberbürgermeister gehöre der CSU-Fraktion an (was kommunalrechtlich nicht stimmt); ansonsten ist in Sachen CSU ebenso Fehlanzeige wie bei der SPD („Meinten Sie Süd?“) oder den Grünen („Meinten Sie Gründe?“).

Die Suche nach „Heilig Engel“ mit Anführungszeichen führt zu nichts, die Suche ohne Anführungszeichen führt uns zu Heilig Kreuz und Engelsköpfen. Wer nach „Ausweis“ sucht, bekommt auch die „Ausweisung“ angezeigt; außerdem werden acht „ältere Ergebnisse“ verzeichnet, ohne dass man erfährt, was das bedeuten soll.

Aber auch soweit die Website Datenbank-Funktionen hat, sind diese unzulänglich. Dazu gehört das Gastronomieverzeichnis. Die dortige Kategorienanzeige weist aus, dass Landsberg 13 Bars, 28 Bistros und 31 Cafés hat, aber kein einziges „Restaurant“. Der Filter „Alle anzeigen/nur die anzeigen, die gerade geöffnet haben“ bringt nichts. Es werden stets alle Betriebe angezeigt; bei vielen Lokalen sind gar keine Öffnungszeiten hinterlegt. Dafür finden sich auf jeder Seite gleich zweimal Angaben zum Tourismusverband Ammersee-Lech. Den braucht man bei der Suche nach einem Restaurant eigentlich nicht, oder?

Wohlgemerkt: Wir sprechen hier nicht über Rechtschreibfehler, falsche Links oder andere Irrtümer, die man in den ersten Wochen nach dem Online-Gehen noch korrigieren kann. Wir konzentrieren uns auf die Dinge, die strukturell und konzeptionell misslungen sind. Im Übrigen gehen wir davon aus, dass sich die langen Aufbauzeiten mancher Seiten mit der zwischenzeitlich eingeblendeten englisch­sprachigen Anzeige „Page is being generated“ noch erledigen werden.

Wo ist der Service?

Diese Website muss grundsätzlich nachgebessert werden. Erforderlich ist eine klarere, alltagsnahe Struktur, verbunden mit einer veränderten Sichtweise, die den Bürger stärker in den Mittelpunkt stellt und nicht ganze Lebensbereiche wie Wohnen, Wirtschaft und Soziales ausklammert oder schwer auffindbar macht. Wo ist der Service? Es ist weitgehend eine Website aus Verwaltungssicht mit zusätzlicher Schwerpunktsetzung auf Tourismus und Kultur. Das kann so nicht bleiben.

Übrigens: Die Website weist fünf Facebook-Auftritte der Stadt aus und verlinkt auf sie. Die Stadt Landsberg, Kultur in Landsberg, das Jugendzentrum Landsberg, Jugendkultur Landsberg und die Facebook-Site „Hauptplatz Landsberg am Lech“. Dort erhält man angeblich Infos, „was mitten in der Stadt abgeht“. Weit gefehlt. Ab und zu postet da jemand von der Stadt etwas hinein. Die enthaltenen Links führen ins Leere. Und der Gesamteindruck ist „bonjour, tristesse“.

Also: Nach der Reform der Website-Reform bitte auch noch mal auf Facebook schauen. Manchmal ist dort hehre Abwesenheit besser als eine miserable Präsenz.

Werner Lauff

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