Einfach einsteigen

EinsPlus im Stadtbus

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Ein "sympathisches Visual als emotionales Element" soll wieder mehr Landsberger in die Stadtbusse führen.

Landsberg – Der Stadtrat möchte, dass die Landsberger mehr Bus fahren. Dazu soll es eine neue Werbekampagne geben. So viel steht schon fest: Das Kampagnenmotto heißt „EinsPlus“. Was genau das Plus ist, das man beim Lösen eines Tickets bekommt, muss aber noch ausgearbeitet werden.

Jedenfalls ist es nicht die Idee, dass man künftig am ersten Samstagsvormittag im Monat kostenlos den Stadtbus nutzen darf – dieses Konzept soll ohnehin verwirklicht werden und nicht an den Kauf eines Tickets an Werktagen gebunden sein. Im Stadtrat standen daher eher Floskeln wie „einfach jeden Bus nehmen“, „einfach Bus fahren“ sowie „einfach einsteigen“ und „einfach aussteigen“ im Raum, was Georg Krackhardt (UBV) zu der ironischen Anmerkung veranlasste, trotz aller Bemühungen sei ihm kompliziertes Einsteigen noch nicht gelungen.

Später war es allerdings ebenfalls Krackhardt, der unter „Mitteilungen und Anfragen“ im Stadtrat kritisierte, die Mitnahme eines „Longboards“ sei im Stadtbus merkwürdigerweise nicht zulässig, es sei denn, das Sportgerät werde „in einer Tasche transportiert“. So ganz einfach ist das Einsteigen also offenbar doch wieder nicht.

Ein „Plus“ kam bei der Diskussion ans Tageslicht, aber es besteht ohnehin: Die Landsberger können mit einem Stadtbusticket im Stadtgebiet auch Nicht-Stadtbusse nutzen, zum Beispiel die des Regionalverkehrs Oberbayern (RVO). Ansonsten hatte die Kauferinger Agentur „ais“, die sich als einzige um den Auftrag beworben hatte, vor allem Graphisches zu bieten: Sie empfahl eine „auffällige Farbkombination aus Türkis, Gelb, Weiß und Schwarz“, eine „stilisierte Ticket-Abreißkante“ und ein „sympathisches Visual als emotionales Element“. Auch Bushaltestellen mit Spiegelfolie gehören zum Vorschlagsrepertoire der Agenturinhaber Sabine Hauff-Grimm und Thomas Grimm.

Einen Vorteil hat die Kampagne allerdings: Sie ist nicht teuer. Für 10.000 Euro erarbeiten die Werbe-Profis nicht nur das Konzept, sondern stellen auch die Erstausstattung von Plakaten und Flyern bereit. Günstiger geht‘s kaum. Zwar fragte Christian Hettmer (CSU), ob es denn mit dieser punktuellen Ausstattung getan sei, was die Agentur verneinte; seiner Bitte, erst einmal zu erwartende Folgekosten zu ermitteln, kam der Stadtrat aber nicht nach. Stattdessen beschloss er gegen nur eine Stimme, die von Christoph Jell (UBV), die Werbemaßnahme durchzuführen.

Anlass für die Kampagne ist die Tatsache, dass der Stadtbus rückläufige Fahrgastzahlen verzeichnet; in den letzten sechs Jahren ist die Nutzung um 25 Prozent zurückgegangen. Die Kostendeckung liegt nur noch bei 32 Prozent; zwei Drittel der Kosten einer Busfahrt zahlen also Stadt und Kreis. Allerdings stellt sich die Frage, ob nicht vor einer Kampagne Themen wie Linienführung, Preise und Beförderungsbedingungen überprüft und neu geregelt werden sollten. An der Wahrnehmung allein liegt der Negativtrend sicher nicht.

Der Verkehrsreferent des Stadtrats, Henrik Lüssmann (Grüne), bewertete die Kampagne daher auch nur als „schönes Sammelsurium von netten Ideen“. Und nannte ein konkretes Beispiel für zu Überdenkendes. Er fahre 7 Minuten zum Bahnhof, aber, schleifenbedingt, 21 Minuten zurück. Mit einer „fröhlich auffälligen Farbkombination mit Urlaubsfeeling“ und der Idee von der „Busfahrt als persönliche Auszeit zum Tagträumen, Lesen und Musik hören“ – so die Agentur – ist es also nicht getan.

Werner Lauff

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