Mit Familienanschluss:

Wie die Wicherts von nebenan

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Im Landkreis Landsberg endlich glücklich angekommen sind die syrischen Flüchtlinge Kareem, Hassan und Ahmad (von rechts). Hinter ihnen ihre Wohnungsgeber Christine und Peter Wichert, links im Bild Anne Pfefferkorn, Asyl- und Integrationsbeauftragte der VG Schondorf.

Schondorf – „Der familiäre Anschluss kann dazu beitragen, in der neuen Heimat besser anzukommen. Das Kennenlernen der unterschiedlichen Kulturen im Alltag hilft dabei enorm beim Abbau von Berührungsängsten und Vorurteilen“. Auf diese einfache Formel bringt Anne Pfefferkorn ihr Anliegen, anerkannten Flüchtlingen privaten Wohnraum zur Verfügung zu stellen.

Zum einen geht es um die Vermietung von ungenutzten Zimmern, Einlieger- oder Gästewohnungen an die „Neuzugewanderten“, wie das Landratsamt die anerkannten Migranten jetzt offiziell nennt. Zum anderen geht es um das neu eingeführte Konzept „Wohnen für Hilfe“, das Senioren und Asylbewerber zusammenbringen soll. Hierzu lädt die Asyl- und Integrationsbeauftragte der Verwaltungsgemeinschaft Schondorf alle Interessenten zu einer Informationsveranstaltung ein.

Bei Kaffee und Kuchen sowie afghanischen Köstlichkeiten wird das Konzept am Samstag, 18. März, ab 15 Uhr in der Aula der Grundschule Schondorf (Schulstraße 13) ausführlich vorgestellt. Unterstützt wird Anne Pfefferkorn dabei von den Helferkreisen der VG Schondorf, dem Seniorenzentrum, dem Frauenbund und dem Verein „Gemeinsam“. Dabei sind auch Pajam Rais-Parsi vom Landrats­amt und Ilga Ahrens von der Caritas. Sie meint, dass eine selbstbestimmte Lebensführung im Alter in den eigenen vier Wänden besser gewährleistet werden kann, wenn man alternative Wohnformen etabliert.

„Wohnen für Hilfe“ soll dabei Wohnpartnerschaften zwischen Senioren und jüngeren Menschen vermitteln. Bei Studenten als Mitbewohner hat sich das bundesweit schon bestens bewährt. Jetzt sollen anerkannte Asylbewerber in das Projekt aufgenommen werden. Dabei wird im Vorfeld zwischen Wohnraumgebern und Migranten der Rahmen der Hilfeleistungen abgesprochen. Als Richtwert gilt hierbei eine Stunde Hilfe pro Monat für einen Quadratmeter Wohnraum. Die Nebenkosten sind vom Quasi-Mieter selbst zu tragen, der Wohnraum wird mietfrei zur Verfügung gestellt. Die zu erbringenden Hilfeleistungen umfassen ausschließlich Alltagstätigkeiten im Haushalt, Garten oder beim Einkaufen.

Wie gut das Zusammenleben im Alltag tatsächlich funktionieren kann, wird am Samstag Christiane von Bechtolsheim aus Schondorf erzählen. Sie hat vor vier Monaten den Eritreer Haben Luul bei sich aufgenommen und empfindet das als „absolute Bereicherung“ ihres Seniorenlebens.

Echte Bereicherung

Anne Pfefferkorn wird auch die Familie Christine und Peter Wichert aus Greifenberg vorstellen. Die Geschäftsinhaber von „natürlich leben“ beherbergen seit November in der Einliegerwohnung ihres Privathauses drei anerkannte Flüchtlinge aus Syrien. Sie waren vorher im ehemaligen Gasthof „Zur Post“ untergebracht und lernten im Rahmen einer Patenschaft „Die Wicherts von nebenan“ kennen. Das Credo der seinerzeit sehr erfolgreichen ZDF-Serie (1986 bis 1991) wurde für die drei Syrier zur Erlösung aus der engen und unpersönlichen Unterkunft in der Post. In der Greifenberger Flurstraße fühlen sie sich jetzt wirklich zuhause, kochen zusammen mit den Wicherts und machen gemeinsame Ausflüge, wie etwa am Wochenende zum Kloster Andechs. „Wir haben keinerlei Berührungsängste“, lobt Christine Wichert. „Im Gegenteil, unsere neuen Mitbewohner sind eine echte Bereicherung. Es ist ein Geben und Nehmen.“ Auch ihr Sohn Christoph (27), Student der Geowissenschaften, hat sich inzwischen mit den Syriern angefreundet.

In ihrer Heimat haben die Drei vor ihrer Flucht Psychologie, Tiermedizin und Elektrotechnik studiert. Wie es hier beruflich weitergeht, steht noch in den Sternen. Die Wicherts helfen ihnen auf diesem Weg, wo immer es geht. Ob Sprachunterricht, Integrationskurse oder Vorstellungsgespräche bei Firmen.

Dieter Roettig

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