Ärger am neuen Hauptplatz

Ein Knöllchen für vier Minuten

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Der Ton macht die Musik und ist offensichtlich mitentscheidend dafür, ob es fürs Be- und Entladen im Halteverbot ein Knöllchen gibt oder nicht. Photo Porst-Filialleiter Ingolf Wunderlich (links) begegnete dem Kommunalen Verkehrsüberwacher wohl nicht mit dem nötigen Respekt, während der DHL-Mitarbeiter als „Dauergast“ auf dem Hauptplatz bei etwa gleicher Parkdauer ungeschoren davonkam.

Landsberg – Ingolf Wunderlich ist sauer. Nein, nicht der Hauptplatzumbau und die damit verbundenen Entbehrungen bringen ihn in Rage. Aber die Verkehrsüberwachung, denn die hat ihn mit einem „Knöllchen“ bedacht, da er vier Minuten lang direkt vor seinem Geschäft im absoluten Halteverbot Kartons verlud.

Als Ingolf Wunderlich an diesem frühen Dienstagabend, am 20. August, zur Tat schritt, war’s im Grunde nicht anders als die Jahre zuvor. Seit Bestehen des Foto-Fachgeschäftes müssen regelmäßig alle zwei bis drei Monate Kartonagen entsorgt werden. Einen Platz für Papiercontainer oder -tonne gebe es im Anwesen Hubert-von-Herkomer-Straße 14 halt nicht – kein Einzelfall in der Altstadt. Eigeninitiative war also gefragt, Wunderlich fuhr stets mit seinem Privatauto samt gemietetem Anhänger vor, zusammen mit den Porst-Mitarbeitern war der Ladevorgang eine Angelegenheit von wenigen Minuten. Und ab damit auf den nächsten Wertstoffhof.

„Bis zur vorletzten Aktion vor etwa drei Monaten hat die Verkehrsüberwachung stets toleriert, dass dafür nach Ende des Bus-Linienverkehrs um 19 Uhr für etwa fünf Minuten im Bereich der Bushaltestelle vor unserem Geschäft zum Beladen gehalten wurde, wenn die Park- oder Haltebuchten zugestellt waren“, berichtet der Filialleiter. Er räumt aber ein: „Formales Halteverbot bestand dort schon immer.“ 

Doch jetzt ticken die Uhren der Parküberwacher anders. Am besagten Dienstag schritten Wunderlich&Co. wieder zur Tat, stellten Auto mit Hänger im Bereich der Bushaltestelle ab, weil die zum Be- und Entladen vorgesehenen Stellplätze vor der VR Bank zugeparkt waren – wie das fast immer der Fall ist. „Der übrige Bereich zwischen Klostereck und Sparkasse ist Halteverbot; das gleiche Bild auf der Westseite“, sagt Wunderlich schulterzuckend.

Etwa zwei Drittel der Pappe sind bereits auf dem Hänger, als ein Mitarbeiter der Verkehrsüberwachung den Filialleiter darauf aufmerksam macht, dass das Fahrzeug im absoluten Halteverbot steht und er es unverzüglich wegfahren möge. Da die Verkehrszeichen erst vor kurzem angebracht wurden, habe es der Ordnungshüter eigentlich bei der Bitte belassen wollen, erläutert Stadtpressesprecherin Simone Loderer, doch Wunderlich kam dieser Aufforderung nicht sofort nach. Sein Hinweis auf die bisherige Praxis habe der Verkehrsüberwacher mit einer „abwertenden Handbewegung“ quittiert und danach den Verstoß dokumentiert und die Verwarnung ausgesprochen, schildert Wunderlich.

„Ich war zu dem Mitarbeiter der Stadt gewiss nicht besonders freundlich“, gesteht der Porst-Filialleiter, „aber auch nicht unsachlich.“ Gleichwohl habe der Verkehrsüberwacher angedeutet, er hätte „vielleicht anders entschieden“, wenn der Parksünder „etwas freundlicher gewesen wäre“, doch dafür sei es jetzt zu spät. Laut Verwarnungs-Protokoll dauerte der Foto-Porst-Ladevorgang exakt von 19.05 bis 19.09 Uhr. Eine Behinderung des (nicht vorhandenen) Verkehrs habe nicht stattgefunden. Letzteres spiele auch keine Rolle, gibt Loderer zu verstehen. Im absoluten Halteverbot dürfe ein Fahrzeugführer weder halten noch parken – außer es ist verkehrsbedingt. Wer sich daran nicht hält, muss eben mit einer Verwarnung rechnen.  

Wunderlichs Beschwerde bei der Verkehrsüberwachung blieb ohne Erfolg. Ganz besonders stört ihn, dass man ihm keine Lösung für die Zukunft anbot. „Ich könne ja versuchen, eine solche über das Baureferat und dessen Leiter Hans Huttenloher oder über einen Stadtrat meines Vertrauens zu finden, riet man mir am Telefon, schließlich habe ja der Stadtrat die Verkehrsregelung so beschlossen“, berichtet der aufgebrachte Einzelhändler. Pressesprecherin Simone Loderer rät: „Herr Wun­derlich kann eine der Be- und Entladeflächen nutzen. Die nächste von ihm aus gelegene ist unterhalb des Bushäuschens in Richtung Karolinenbrücke, Höhe VR Bank.“

Be- und Entladen auf dem Hauptplatz

Der oben geschilderte Fall „Ingolf Wunderlich und die Kartonagen der Foto-Porst-Filiale“ zeigt deutlich auf, dass auf dem neuen Hauptplatz neue Regeln und Maßstäbe gelten. Um widerrechtliches Parken und Halten in den Griff zu bekommen, muss die kommunale Verkehrsüberwachung energischer als bisher vorgehen. Nur so kann das vieldiskutierte und im Frühjahr vom Stadtrat verabschiedete Verkehrskonzept für den Hauptplatz umgesetzt werden.

Die im ersten Umbauabschnitt bereits vorgenommene Beschilderung und Markierung und damit die Ausweisung von Be- und Entladezonen seien Gegenstand des Verkehrskonzepts, erinnert Pressesprecherin Simone Loderer. Und das lässt auf der Westseite des Platzes im Bereich der „erweiterten Fußgängerzone“, von der Ludwigstraße bis zur Salzgasse, Anlie­- ferverkehr von 6 bis 10 und von 18 bis 20 Uhr zu.

Die Anwohner und Gewerbetreibenden auf der gesamten Ostseite und von Salzgasse bis Kloster­eck haben es nicht ganz so einfach und komfortabel. Sie dür­fen ihre Fahrzeuge zum Be- und Entladen ausschließlich auf den gekennzeichneten Flächen abstellen. Auch auf dem Hauptplatz gilt die vom Stadtrat vorgegebene Regel, dass die Verkehrsüberwacher beim Parken im eingeschränkten Halteverbot die ersten zehn Minuten beide Augen zudrücken. Im absoluten Halteverbot und auf Behindertenparkplätzen indes gibt es kein Pardon.

Toni Schwaiger

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