Mast "akut absturzgefährdet"

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Nur ein Provisorium: die zwei Behelfsmasten, die nahe der Hangkante am Lech stehen.

Fuchstal/Vilgertshofen – Auf vier betonierten Großbohrpfählen, die 25 Meter in den Boden reichen, soll der Strommast gründen, den die Lechelektrizitätswerke 500 Meter südlich der Ortschaft Lechmühlen – nahe der Hangkante am Fluss – errichten wollen. Er soll den bisherigen Mast ersetzen, bei dem wegen mehrfachen Erdrutsches in den letzten zwei Jahren zuletzt die Stabilität nicht mehr gewährleistet war. Nun wurde dieser abgebaut; die 110-Kilovolt-Leitungen sind zurzeit an zwei Provisorien befestigt.

Der neue Strommast mit der 25 Meter tiefen Gründung steht in der östlichen Flur von Fuchstal nahe am steilen Abhang zum Lech. Dort befindet sich freilich das Wasserschutzgebiet für die östlich des Flusses gelegene Gemeinde Vilgertshofen. Konkret ist es die Schutzzone 2. Damit ist nicht direkt der Umgriff am Brunnen gemeint, wohl aber die Umgebung, in der z.B. bestimmte Vorschriften gelten (keine Düngung, keine Beweidung, etc.).

Darf in so einem Gebiet bis in 25 Meter Tiefe Beton und evtl. Eisenarmierung für die vier Pfähle eingebracht werden? Damit haben sich auf jeden Fall die Behörden auseinanderzusetzen. Wie Eduard Eichenseher vom Wasserwirtschaftsamt Weilheim auf Anfrage des KREISBOTEN erklärt, müsse der Bauherr für so eine Einzelfallprüfung einen Ausnahmeantrag beim Landratsamt Lands- berg einreichen. Es sei davon auszugehen, dass die Behörde beim Wasserwirtschaftsamt Weilheim eine fachliche Stellungnahme einhole, zumal es sich immerhin um die Schutzzone 2 handle.

Im Fuchstaler Gemeinderat, wo Bürgermeister Erwin Karg von diesem Vorhaben der LEW informierte, wird die außergewöhnlich tiefe Fundamentierung für den geplanten Strommasten nördlich der Lechschleife mit kritischen Reaktionen darauf in Zusammenhang gebracht, dass fünf Kilometer entfernt in der südwestlichen Gemeindeflur (Kingholz) zwei der vier geplanten Windkraftanlagen im Wasserschutzgebiet errichtet werden sollen. Der Unterschied ist allerdings, dass es dort die äußere Schutzzone 3 ist, während es sich beim Strommast an der Lechschleife um die erweiterte Zone 2 um die Fassung handle.

Bürgermeister Erwin Karg greift angesichts heftiger Kritik an den Windkraftanlagen im Bereich Kingholz zu deutlichen Worten. „Wenn die Gemeinde Fuchstal schon als Brunnenvergifter bezeichnet wird, was machen dann besorgte Bürger bezüglich des Wasserschutzgebietes in Lechmühlen?“

Bei der Stromtrasse handelt es sich um die 110-Kilovolt-Leitung, die von Roßhaupten bis in den Augsburger Raum führt. So erklärt es Manfred Welz aus Seestall, der früher als Elektromeister bei der BAWAG gearbeitet hat.

Wie ein Mitarbeiter vom LEW-Verteilnetz in einer Mail an die Gemeinde Fuchstal schildert, wurde im Januar 2013 ein Hangrutsch an der Lechschleife zwischen Denklingen und Lechmühlen gemeldet. Damals war die Hangabbruchkante über 20 Meter vom Mast entfernt. Im Sommer 2013 fand nach einem weiteren Abrutsch eine Begehung mit einem Geologen aus Augsburg statt.

Ende 2013 erfolgte die Untersuchung des Baugrundes. Untersuchungen der Erdschicht, die den Hangrutsch auslöst, seien im Sommer und Herbst vergangenen Jahres ohne verwertbares Ergebnis verlaufen, heißt es im Schreiben von LEW. Darum habe die Planung für einen neuen Masten in der Nähe des bisherigen begonnen. Heuer im Januar kam es zu einem weiteren Abbruch des Geländes. Im März wurde zweimal ein weiterer Erdrutsch festgestellt. Der Mast sei „akut absturzgefährdet“, lautete die Bestandsaufnahme. Daher wur- de der alte Mast abgebaut. Ein Provisorium wurde zirka 30 Meter nördlich der Abbruchkante errichtet.

Johannes Jais

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