Der neue Ausbildungscampus

Pläne des Klinikums Landsberg für neue Pflegekräfte-Schule 

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So soll der Neubau der Pflegeschule am Klinikum Landsberg aussehen: ein eingeschossiger Bau, damit den Patienten im Klinikum dahinter keine Wand vor die Nase gestellt wird.

Landsberg – Es soll ein eingeschossiger, flacher Bau werden, samt Lichthof mit Lerninseln und einem Fußweg-Übergang zum Klinikum: die neue Schule für Pflegekräfte am Klinikum Landsberg. Oder wie Klinik-Vorstand Marco Woedl das Projekt nennt: ein Ausbildungscampus. Dort sollen in Zukunft statt der bisherigen 66 Ausbildungsplätze 96 zur Verfügung stehen.

„Wir wollen dadurch vor allem unseren eigenen Bedarf decken, damit wir auch Pflegekräfte direkt vor Ort haben“, begründet Woedl die Erweiterung. Das Gebäude soll hinter dem Klinikum entstehen, gegenüber des Klinikum-Parks. Das alte Schulgebäude müsse wohl abgerissen werden, mutmaßt Woedl. Eine Aktion, die Vorplanung bedürfe, betont Landrat Thomas Eichinger. Weshalb man sich vorerst auf den Neubau konzentrieren wolle.

Die Vergrößerung misst sich dabei an der maximal möglichen Klassengröße von 32 Schülern. Denn geplant sind drei Klassen, „das ist die Anzahl von Auszubildenden, die wir im Betrieb verkraften können“, so Woedl. Bisher seien es rund zwölf Pflegekräfte, die man pro Jahr nach Möglichkeit übernehme. „Das sollen rund 20 werden.“

Dass der Bau nur ein Geschoss haben soll, sei wegen der Aussicht, sagt Woedl: „Direkt dahinter ist das Klinikum, gleich im ersten Stockwerk die Kinderstation.“ Den Patienten wolle man keine Wand direkt vor die Nase setzen. Der Bau könne durch den Freistaat Bayern mit maximal 80 Prozent gefördert werden. Woedl rechnet mit Gesamtkosten von rund sechs Millionen Euro.

Für den Neubau muss bei der Stadt Baurecht beantragt werden – im Bedarfsplan ist es bereits vorgesehen. Im Gegensatz zum Bau der Micro-Appartments, für die ein städtebaulicher Wettbewerb notwendig sei, dürfe das bei diesem Projekt nicht der Fall sein: „Das wäre doch etwas übertrieben“, ist Eichinger überzeugt. Man wolle heuer noch die Gespräche mit der Stadt abschließen, sodass man, mit etwas Optimismus Ende 2020 mit dem Bau starten könne.

Für die zusätzlichen Ausbildungsplätze habe man auf jeden Fall ausreichend Bewerber, berichtet Woedl: „Wir bekommen pro Jahr rund 100 Bewerbungen. Aber natürlich können wir nicht allen einen Platz anbieten.“ Dabei sei die Errichtung zusätzlicher Ausbildungsplätze „der einzige Weg, um dem Pflegenotstand beizukommen“.

Dass Pflegenotstand herrsche, liege unter anderem auch daran, dass private Kliniken nicht mehr ausbildeten, so Woedl. Zudem müsse man die hohe Fluktuation im Pflegebereich berücksichtigen, fügt Eichinger an: Die Verweildauer einer Pflegekraft liege zwischen sieben und neun Jahren. Dies sei der anspruchsvollen und auch körperlich anstrengenden Arbeit sowie dem hohen Frauenanteil in diesem Berufsfeld geschuldet. Auch wenn zahlreiche Pflegekräfte den Beruf als „erfüllende Aufgabe mit großer Unmittelbarkeit zum Menschen“ sähen. Ein Beruf, der beim richtigen Arbeitgeber – also einem tariflich gebundenen – auch nicht schlecht bezahlt sei. Der Notstand in der Altenpflege werde sich dabei nochmals vergrößern, wenn ab kommenden Jahr eine gemeinsame Pflegeausbildung für beide Bereiche, Altenpflege und Klinikarbeit, gelte. „Ich befürchte, dass sich viele für die Krankenpflege entscheiden werden“, sagt Eichinger.

Noch ein Grund für den Notstand in der Pflege sieht Eichinger darin, dass vor zehn Jahren zu viele Kräfte vorhanden waren – die dann entlassen wurden. Und als Anfang der 2000er Jahre die Umstellung des Betrages, den die Kliniken von den Kassen erhalten, vom Tagessatz auf die Fallpauschale stattfand, hätte sich die Verweildauer der Patienten im Krankenhaus rapide minimiert: von damals rund 13 Tagen auf inzwischen 4,7 Tage. Weshalb der Bedarf an Kurzzeitpflege auch gestiegen sei: „Früher haben das die Krankenhäuser mit übernommen.“

Susanne Greiner

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