Neuer Schutz fürs Schilf

Eine „spannende Querschnittsaufgabe“ fürs THW und ein wichtiger Beitrag für den Naturschutz: Ein 500 Meter langer neuer Zaun schützt den Schilfgürtel im Flachwasserbereich des Uttinger Ammerseeufers. Foto: Nagl

180 Holzpfähle und 500 Meter grobmaschigen Wildzaun hat die Ortsgruppe des Technischen Hilfswerks Landsberg am Samstag im Ammersees installiert. Es dient zum Schutz des Schilfes im flachen Wasser entlang des Uferstreifens südlich vom Uttinger Campingplatz, vorbei an der Alten Villa bis über die Einmündung des Mühlbachs hinaus. Bereits im Herbst wurde der alte Schilfzaun, der seit 1994 hier stand, abgebaut. Der neue ist 50 Meter länger und wurde im nördlichen Bereich gut einen Meter weiter in den See gerückt, denn das Schilf beginnt sich zu erholen.

Den Naturschutz, die Interessen der Fischer und die der Erholungssuchenden unter einen Hut zu bringen sei am Ammersee immer wieder „ein großer Spagat“, betonte Landrat Walter Eichner (CSU) beim Pressetermin. Die Schilfumzäunung sei eine erfolgreiche Maßnahme, und deshalb ebenso wichtig wie der freie Seezugang für Jedermann direkt nebenan. Seit 1960, so Heinrich Heiß von der Unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt, war der Schilfbestand am Ammersee um 90 Prozent zurückgegangen. Als Hauptursachen gelten die zunehmenden Hoch- wasser, bei denen Treibholz die Schilfspitzen abmäht. Auch für einige Wasservögel, zum Beispiel für den Schwan, der nicht durch die groben Maschen des Zaunes schlüpfen kann, sind die zarten Schilfspitzen eine Delikatesse. Und zu guter Letzt gelte es den Schilfbestand vor Freizeitkapitänen zu schützen, die mit ihren Booten die Halme abknicken. Dank des Zauns sei das Uttinger Schilf nun wieder eine geschlossene Schilfzone, freute sich Heiß, der auch auf die ökologische Bedeutung des Schilfs als Brutplatz für Vögel, als Lebensraum und Laichplatz für Fische und für die Gewässerreinhaltung hinwies: „Das Schilf nimmt Nährstoffe, auch coliforme Keime auf und zerlegt sie“. Allerdings wachse das aquatische Schilf heute langsamer, da sich die Gewässergüte des Sees durch die Schließung der Ringkanals 1969/70 deutlich verbessert habe. „Wir haben wieder einen sauberen See mit hervorragender Badequalität“. Beschränkte Mahd Auch von einer regelmäßigen Mahd des aquatischen Schilfs rät der Fachmann ab. „Denn dann dringt von oben Wasser in die Halme ein und das Schilf verfault“, weiß Heiß. Maximal alle zwei oder drei Jahre sei eine Mahd zu vertreten, „zum Beispiel um Sichtbezüge herzustellen“, wie es etwa in der Seeanlage der Gemeinde Schondorf geschieht. Erlaubt ist eine abschnittsweise Mahd aus Gründen des Vogelschutzes allerdings nur von Oktober bis Feb­ruar. Einer der Vögel, die ihre Nester ins heranwachsende Schilf bauen, ist der Teichrohrsänger. Wie Josef Willy vom Landesbund für Vogelschutz erklärte, braucht der Sänger vier Halme, um sein Nest daran zu befestigen, das dann gemeinsam mit dem Schilf nach oben wächst. Der kleine Vogel ist zugleich ein beliebter Wirt für den selten gewordenen Kuckuck. Die Rohrammer brütet dagegen lieber im Untergeschoss, im bodennahen Altschilf. Dort finden auch seltene Entenarten und Blesshühner Nahrung, Nistplätze und Unterschlupf. Und für Wasservögel mit Nachwuchs ist das Schilf ein geschützter Raum für erste Familienausflüge. Auch das Technische Hilfswerk sei von der „Sinnhaftigkeit des Schilfzaunes“ überzeugt, betonte Elmar Helminger, Sprecher der Ortsgruppe Landsberg. Außerdem sei für seine Leute „der Umgang mit Holz und Metall im Wasserdienst“ immer eine „spannende Querschnittsaufgabe“. Den gut 20 Männern vom Technischen Hilfswerk galt auch der besondere Dank der Schlösser- und Seenverwaltung. Johann Hensel, Leiter der Außenstelle Ammersee, war dazu eigens mit dem neuen Verwaltungs-Boot von Stegen aus angereist. Das Wasserfahrzeug erhält übrigens am 15. April den kirchlichen Segen und wird von Staatsminister Georg Fahrenschon getauft.

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